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14. Februar 2001, 16:28 Uhr

»Ich möchte ein Kind von Ihnen«

Dabei konnte Adolf Hitler mit Frauen wenig anfangen. Fast alle, die ihm nahe standen, versuchten sich das Leben zu nehmen. Doch auch wenn der Führer sie geringschätzte - im Nazi-Reich spielte die deutsche Frau eine Schlüsselrolle: als Stimmvieh und Sittenwächterin, Mutter und Mörderin.

Dabei konnte Adolf Hitler mit Frauen wenig anfangen. Fast alle, die ihm nahe standen, versuchten sich das Leben zu nehmen. Doch auch wenn der Führer sie geringschätzte - im Nazi-Reich spielte die deutsche Frau eine Schlüsselrolle: als Stimmvieh und Sittenwächterin, Mutter und Mörderin.

An einem schönen, warmen Maiabend des Jahres 1932 gehen Leni Riefenstahl und Adolf Hitler am Nordseestrand spazieren. Die Filmschauspielerin der Berg- und Schneeschinken hatte den künftigen Diktator kurz zuvor im Berliner Sportpalast erlebt, hatte die Menge wie von Sinnen Heil, Heil, Heil! schreien hören und hatte eine apokalyptische Vision: Die Erde spaltet sich, und ein ungeheurer Wasserstrahl schießt aus ihr hervor, so gewaltig, daß er den Himmel berührte und die Erde erschütterte.

Fräulein Riefenstahl ist gelähmt und infiziert und schreibt Herrn Hitler einen Brief. Sie möchte ihn kennen lernen. Er ist im Wahlkampf und lässt sie kommen. Und so laufen sie nun am Wasser entlang.

Hitler lobt ihren letzten Film »Das blaue Licht«, sagt, sie müsse all seine Filme machen, wenn er erst an der Macht sei, redet über Wagner, König Ludwig und die eigene Berufung, Deutschland zu retten. Dann ist er stumm. Es dämmert. Schweigend gehen sie neben den Nordseewellen her. Plötzlich bleibt er stehen, erregt, legt die Arme um sie, zieht sie an sich, will sie... Leni lehnt ab. Adolf läßt los. Dann reckt er die Hände zum Himmel hoch und ruft beschwörend in die Dunkelheit: Ich darf keine Frau lieben, bis ich nicht mein Werk vollendet habe.

So steht es in Riefenstahls Memoiren. Dramatisch, kitschig, groß. Sie scheint zu den wenigen Frauen zu gehören, die Hitler in einem privaten Gefühlsausbruch erlebt haben. Denn so treffend er Gefühle darstellen konnte, schreibt Joachim C. Fest in seiner Hitler-Biografie, so peinlich vermied er es, sie zu zeigen. Immer hat er Angst, sich lächerlich zu machen. Selbst seinen Hund jagt er davon, wenn er merkt, dass ihn jemand beim Streicheln beobachtet.

Seine Lustinstinkte entfesselt er nur in seinen Reden. Und diese Reden nennt der deutsch-französische Expressionist René Schickele Lustmorde. Sonst stilisiert Hitler sich zum einsamen Wanderer aus dem Nichts, zum Heilsbringer und Entsager, der sich das Bild seiner Mutter Klara übers Bett hängt, der Gebärerin eines Freudlosen, Frauenlosen, Kinderlosen, der sagt: Meine Braut ist Deutschland.

Das hat die deutschen Bräute in Hysterie versetzt. Mein lieber zuckersüßer Adolf, schreibt eine an die Reichskanzlei. Andere schreiben Mein heißgeliebter Führer!... Mein Herzensmann!... Wölflein,... Majestät... und Adilie...Ich möchte gern ein Kind von Ihnen... gelt Purzelchen?

Diese Briefe zeigen, welche Erlösungsfantasien Hitler in den Frauen lostrat. Sie wollen ihn retten. Sie wollen vor allem mit ihm ins Bett. Liebling, darf ich bald zu Dir kommen?, fragt Eva K. im Juli 1940. Und aus Königsberg trifft ein langer Brief ein. Mein Lieb, nun hör mal zu: Ich laß für Dich einen Hausschlüssel anfertigen. Aber er müsse vorsichtig sein, wenn er nachts zu ihr käme. England hat ja überall seine Spione und scheut vor keinem Mord zurück... Dein Weiberl.

Die nationalsozialistische Sexualmoral, schreibt Sebastian Haffner in seinen »Anmerkungen zu Hitler«, war widersprüchlich. Man pries deutsche Zucht und Sitte, hatte aber nichts gegen »gesunde Sinnlichkeit«. Also ehelich oder nicht, rassenreiner Nachwuchs war erwünscht. Praktisch, schreibt Haffner, dampfte der Zug zum Körper- und Sexkult, der in den 20er Jahren abgefahren war, in den 30ern und 40ern ungebremst weiter.

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