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Die verführten Demokraten

Was haben Kinderbuchautor James Krüss, Ex-Generalbundesanwalt Kurt Rebmann und Schriftsteller Erich Loest gemeinsam? Sie alle stehen in der Mitgliederkartei der NSDAP. Das entdeckte der stern im Berliner Bundesarchiv.

In der Mitgliederkartei der NSDAP im Bundesarchiv in Berlin sind neue bedeutende Namen aus Wissenschaft, Kunst, Politik und Medien aufgetaucht. Nach Recherchen des stern wurden unter anderen Ex-Generalbundesanwalt Kurt Rebmann, Hilmar Hoffmann, langjähriger Chef des Goethe-Instituts, der Politikwissenschaftler Iring Fetscher, der Kinderbuchautor James Krüß und der Schriftsteller Erich Loest als NSDAP-Mitglieder geführt. Alle wurden zwischen 1922 und 1927 geboren und traten den Unterlagen zufolge als 17- bzw. 18-Jährige in Adolf Hitlers Partei ein.

Loest sagte dem stern: "So wie ich waren 90 Prozent. Wir wären nie auf die Gedanken gekommen, uns aufzulehnen....Wir waren kluge, energische, ehrgeizige Jungs. Da war es selbstverständlich, dass wir in die Partei eintreten, wenn wir dazu aufgefordert wurden." Hoffmann gesteht: "Wir wollten Teil dieser Bewegung sein." Hitlers Stimme klinge heute "wie der Teufel persönlich. Aber damals war es eine Stimme, die uns berauscht hat". Rebmann und Krüß sind bereits verstorben.

Der stern sprach mit zahlreichen Betroffenen über ihre Zeit im Dritten Reich. Auch mit dem ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der laut Karteikarte am 18. Mai 1944 die Aufnahme beantragte und unter der Nummer 10123636 als NSDAP-Mitglied geführt wurde. Genscher: "Ich habe nie einen Aufnahmeantrag unterschrieben." Das sagt auch Iring Fetscher. Über die Bedeutung der NS-Mitgliederkarten wurde in den vergangenen Jahren immer wieder gestritten. Lange wurde behauptet, dass Partei-Eintritte in Sammelverfahren auch ohne Wissen der Betroffenen erfolgen konnten. Dagegen haben Forscher wie der Historiker Armin Nolzen, einer der besten Kenner der NS-Parteigeschichte, inzwischen klargestellt, dass in jedem Fall eine eigenhändige Unterschrift notwendig war.

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