Mit Gewalt und Raffinesse gewinnen die Nazis an Macht. Nachdem die Demokratie in Flammen aufgegangen ist, kommt das 'Ermächtigungsgesetz'. Klaus Harpprecht über den mutigen Auftritt der Männer und Frauen, die dagegen stimmten
_fitwidth_420.jpg)
Die Turbulenzen der Revolution erlaubten keine parlamentari sche Arbeit, die dem bürgerli chen Ordnungssinn des Reichs kanzlers Friedrich Ebert entsprochen hätte. Im Plenarsaal tagten die Soldatenräte, die sich nicht immer wie Musterschüler aufführten. Lange Monate war der Reichstag vom Militär besetzt: verwüstet und von Ungeziefer verseucht, das man - ein anderes wirksames Mittel schien es nicht zu geben - durch die völlige Stillegung des Gebäudes auszurotten versuchte.
Als Anfang Januar 1919 Berlin vom Spartakus-Aufstand heimgesucht wurde, feuerten vom Dach des Wallot-Baus Maschinengewehre eines Freicorps, das den Namen 'Regiment Reichstag' trug, in die tobende Menge. Es gab Tote und Verletzte.
Das war ein bitterer Preis, den Ebert und die Seinen für den Versuch bezahlten, das Chaos in Schach zu halten. Schon am 10. November 1918 hatte der Kanzler ein Bündnis mit der Obersten Heeresleitung geschlossen, 'um die Ausbreitung des terroristischen Bolschewismus in Deutschland zu verhindern', wie Hindenburg in einem Telegramm an die Armee-Kommandeure verkündete. Dieser Entschluß, schrieb der Historiker Gordon Craig, habe in den späteren Urteilen alles überschattet, was Ebert leistete. Wie oft wurde ihm hernach der Vorwurf entgegengeschleudert, er habe die Revolution geopfert!