. .
Geschichte & Historie
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
20. Juli 2007, 15:37 Uhr

"Cruise soll besser Nero spielen"

Während in Berlin Tom Cruise einen Film über Graf von Stauffenberg dreht, wurde in Sigmaringen eine Ausstellung zu dem Hitler-Attentat eröffnet. Dort hat der Macher eine eindeutige Meinung darüber, was er vom Scientologen Cruise als Nazi-Widerständler hält.

Der Zünder der Bombe, die am 20. Juli 1944 explodierte© Felix Kästle

Im Ausland ist man über die Diskussion gelinde gesagt irritiert: Da kommt ein Weltstar in die angebliche Weltstadt Berlin, dreht einen Film über einen Nazi-Widerständler und muss sich dafür fürchterlich ausbuhen lassen. Worum geht's? Natürlich um Tom Cruise und seine Rolle als Hitler-Attentäter Graf von Stauffenberg im Hollywood-Streifen "Valkyrie". Drehort, wie gesagt, Berlin, nur am Originalschauplatz Bendlerblock darf nicht gedreht werden. Das hat das zuständige Ministerium verboten. Weil: Wie kann ein glühender Scientologe und Symbolfigur einer mutmaßlichen totalitären Sekte ausgerechnet einen Widerständler wie Stauffenberg spielen?

Noch bevor die Dreharbeiten überhaupt beendet sind, die übrigens mit Hilfe von anständigen deutschen Steuermillionen finanziert werden, ist sich die Speerspitze der Kritik bereits sicher, dass aus dem Hollywood-Schinken ohnehin nur reiner Geschichtskitsch werden wird - Erkenntnisgewinn gleich null. So ähnlich sieht es auch Thomas Krause, Oberstleutnant a.D. und Kurator der Ausstellung "100 Jahre Stauffenberg", die jetzt im württembergischen Sigmaringen eröffnet wurde.

"Der Film ist mit Cruise völlig fehlbesetzt", er spiele wohl besser Nero, sagt Krause kühn. Was aber natürlich nur seine persönliche Meinung sei. Also: Darf ein bekennender Scientologe hohen Ranges in die Rolle eines Menschen schlüpfen, der sich für Gerechtigkeit und Menschlichkeit eingesetzt hat? Nein, so Krause, als Staatsbürger in Uniform sei Cruise - unbeschadet seiner darstellerischen Fähigkeiten - ungeeignet. Überhaupt hätten die Produzenten bei der Besetzung nicht an die politischen Befindlichkeiten hierzulande gedacht.

Der Historiker Peter Steinbach sieht in dem Film sogar einen "Teil einer geschickten PR-Kampagne für Scientology". Selten habe es eine solch ausufernde Propaganda vor einem Drehbeginn gegeben, sagte Steinbach. Scientology sei es durch diese Debatte gelungen, den Eindruck der eigenen Harmlosigkeit zu erwecken. Der Historiker sprach dem Film jegliche Intention ab, sich einem so ernsthaften Thema wie dem Widerstand im Dritten Reich auf seriöse Weise zu nähern.

Denken und Handeln Stauffenbergs, so Kurator Krause im Grußwort zur Ausstellung, sei von einer Bindung an sittliche Werte bestimmt gewesen, die ihn zu der Erkenntnis gebracht hätten, dass es unter bestimmten Bedingungen geboten sei, dass es keine Loyalität und Gehorsam einem verbrecherischen Regime gegenüber geben könne.

Ein Enkel des Widerstandskämpfers dagegen ficht der Zwist nicht so sehr an. Zumindest spielt Philipp von Schulthess an der Seite von Tom Cruise mit die Rolle des Adjutanten des Mitverschwörers Henning von Tresckow, wiederum gespielt von Kenneth Branagh.

Die Ausstellung Bis zum 15. November 2007 ist die Sonderausstellung "100 Jahre Graf Stauffenberg" in der Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen zu sehen. Der Eintritt ist frei. Auf mehr als 200 Quadratmetern geben 104 Exponate und 82 Bilder, einen Einblick ins Leben des Offiziers.

lix, nik mit DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
63. Jahrestag Hitler-Attentat Regierung würdigt NS-Widerstand

In Berlin haben Vertreter von Bundesrat und Bundeswehr am Bendlerblock einen Kranz niedergelegt. Sie ehrten damit die Verschwörer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, die vor 63 Jahren ein gescheitertes Attentat auf Hitler verübten. mehr...

Stauffenberg-Dreharbeiten Tom Cruise in Wehrmacht-Uniform

Abgeschirmt von der Öffentlichkeit hat der Dreh des Stauffenberg-Films in Brandenburg begonnen. Zugleich jährt sich das gescheiterte Attentat zum 63. Mal. Der umstrittene Hauptdarsteller Cruise wird von Paparazzi gejagt. mehr...

Cruise-Stauffenberg-Kontroverse Berlin macht sich "lächerlich"

Eberhard Diepgen, ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin, fürchtet, dass die Hauptstadt sich mit einem Cruise-Boykott "lächerlich" macht. Wegen seiner Mitgliedschaft in der Scientology-Kirche sei der Schauspieler kein "Verbrecher". mehr...