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Agentin und Guerillera-Kämpferin

Von Che Guevara inspiriert, wurde die Tochter deutscher Kommunisten zur Revolutionärin und zog in den Dschungel.

Nadia Bunker mit zwei Portraits ihrer Tochter Tamara, in Kuba bekannt als "Tania la Guerillera"© AFP

Die Eltern gaben ihrer am 19.11.1937 in Buenos Aires geborenen Tochter den Namen Heidi Tamara Bunke-Bider. Sie ahnten nicht, dass ihr Kind im Laufe seines Lebens diesen Namen für eine Agentenlaufbahn aufgeben würde.

Erstes Treffen in Leipzig

Ihre Kindheit und frühe Jugend verbrachte Tamara in Argentinien, wohin ihre Eltern, ein deutsches Kommunistenpaar, vor den Nazis geflohen waren. 1952 nahmen sie ihre Tochter mit nach Stalinstadt in die DDR, um am Aufbau des Kommunismus mitzuwirken. Von klein auf den Einflüssen des Kommunismus ausgesetzt, verinnerlichte Tamara die militant kommunistische Ideologie der Eltern. Doch in der DDR vermisste sie stark die Kultur Argentiniens, in der sie sich heimisch fühlte. Dieser Affinität nachgebend, suchte sie Briefkontakt zu Lateinamerikanern und nahm 1958 ein Romanistik-Studium an der Humboldt-Universität auf. Als sie die Aufnahme in die SED beantragte, begründete sie dies damit, später in Argentinien für die Arbeiterklasse kämpfen zu wollen.

Tamara traf erstmals im Dezember 1960 mit Che Guevara in Leipzig zusammen. Er war im Auftrag der kubanischen Regierung in der DDR und sie dolmetschte für ihn. Von seiner Person und seiner Herkunft stark fasziniert, wurde ihr Fernweh neu entfacht. Im Mai des folgenden Jahres begleitete sie das Nationalballett als Dolmetscherin nach Kuba und kehrte nie mehr nach Deutschland zurück, zumindest nicht als die Zivilperson Tamara Bunker-Bide.

"Tania", die Top-Agentin

Seit 1963 war sie für den kubanischen Geheimdienst als Top-Agentin "Tania" aktiv. In den folgenden Jahren lebte sie unter immer wieder wechselnden Namen und veränderte ihr Aussehen. Als Laura Gutiérrez Bauer ging führte ihre Mission sie 1964 nach Bolivien, wo sie sich in Regierungskreise einschlich, um Einblick in die Landesgeschäfte zu bekommen und um zu erkunden, ob die Arbeiterschaft für eine Revolution bereit sei. Ihre Aktivitäten wurden im März 1967 durch das bolivianische Militär aufgedeckt.

Daraufhin schloss sie sich entgegen Guevaras Willen den Kämpfern im Dschungel an. Sie wollte, wie Che selbst, aktiv an der Revolution teilhaben. Einer Nachhut zugeteilt, bewegte sie sich mit dieser Gruppe wochenlang mehr oder weniger ziellos durch den Urwald, bis sie am 31. August 1967 in einen Hinterhalt an der Yeso-Furt gerieten. Hier starb die in Kuba nach wie vor als "Tania la Guerillera" bekannte Kommunistin sechs Wochen bevor auch Che Guevara getötet wurde. Im Gegensatz zu Che, beerdigte man sie in Vallegrande mit allen militärischen Ehren.

Birgit Helms