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RAF hatte Schmidt und Genscher im Visier

Bundeskanzler Helmut Schmidt sollte vor 30 Jahren möglicherweise von der Roten-Armee-Fraktion entführt werden. Das sagte der Ex-RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock in einer TV-Dokumentation. Und auch Außenminister Genscher war ein potenzielles Entführungsopfer.

Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) haben nach Aussage eines früheren Mitglieds vor 30 Jahren auch die Entführung von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) ins Auge gefasst. "Wir haben Schmidts Hamburger Reihenhaus von einem Gebäude schräg gegenüber eingehend beobachtet", sagte der ehemalige RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock in einem Interview für die NDR-Dokumentation "Die RAF".

Erst vor kurzem hatte eine erstmals komplett veröffentlichte Urteilsbegründung des Oberlandesgerichts Stuttgart aus einem Terroristen-Prozess belegt, dass die RAF 1977 auch eine "Aktion" gegen den damaligen SPD-Vorsitzenden und Schmidt-Vorgänger Willy Brandt erwogen hatte.

"Andreas Baader und Gudrun Ensslin wollten, dass wir Helmut Schmidt als Geisel nehmen", sagte Boock. Der Plan sei 1977 aber nicht weiter verfolgt worden, weil er der RAF-Spitze angesichts der Sicherungsmaßnahmen und der Zahl der Personenschützer des Bundeskanzlers als zu riskant erschienen sei. Auch der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) habe bei Baader und Ensslin, die im Gefängnis Stuttgart-Stammheim einsaßen, "ganz weit oben auf der Liste" gestanden, sagte Boock. Er gilt als der gesprächigste der früheren RAF-Mitglieder, Beweise für seine Behauptungen gibt es jedoch meist nicht.

Schmidt sagte den Autoren der Fernseh-Dokumentation, dass er nach der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer im "Deutschen Herbst" 1977 gemeinsam mit seiner Ehefrau Loki vorsorglich eine Erklärung zu den Akten gegeben habe, im Entführungsfall keineswegs ausgetauscht werden zu wollen.

DPA/DPA

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