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2. März 2005, 10:33 Uhr

Der Todeskampf des "Tausendjährigen Reiches"

Was nach dem Kampf übrig bleibe, seien ohnehin nur die "Minderwertigen", wurde der "Führer" zitiert. Als das Ende des Nazi-Reiches nahte, funkte Hitler aus seinem Bunker weiter Befehle, die Deutschland dem Untergang preisgaben.

Der "Volkssturm": Die letzten Aufnahmen von Adolf Hitler zeigen einen kranken Mann, wie er am 20. April 1945, seinem Geburtstag, im Garten der Berliner Reichskanzlei Hitler-Jungen mit dem Eisernen Kreuz auszeichnet© Heinrich Hoffmann/Picture-Alliance

Adolf Hitlers "Tausendjähriges Reich" stand längst am Abgrund, als die Nazi-Führung die vom permanenten Bombenhagel verschreckte und unter Hunger und Kälte leidende Zivilbevölkerung mit fanatischen Durchhalteparolen zum letzten Widerstand zu puschen versuchte. Die Truppen der Alliierten kämpften schon auf deutschem Boden, wo sich die Wehrmacht in verlustreichen Schlachten verzweifelt gegen die Übermacht verteidigte. Doch in der Reichskanzlei in Berlin herrschte noch immer der Machtwahn.

Mit einer zutiefst menschenverachtenden Einstellung steuerten der "Führer" und seine Paladine das Land bedenkenlos in den Untergang. Mit dem "Führer"-Erlass vom 25. September 1944 hatten die Nazis noch alle waffenfähigen Männer zwischen 15 und 60 Jahren, die bis dahin noch nicht eingezogen worden waren, zum "Volkssturm" einberufen, um den "Heimatboden mit allen Waffen und Mitteln zu verteidigen". "Wir wollen lieber sterben als kapitulieren", geiferte Hitlers Propagandachef Joseph Goebbels zwischen Warnungen vor neuen feindlichen Luftangriffen und fantasierten Siegesmeldungen über den Großdeutschen Rundfunk. Andere - ausländische - Sender durften die Menschen im braunen Reich schon seit lange nicht mehr hören, die ausführlich von den deutschen Niederlagen berichteten.

Blinder Gehorsam bis zum Zusammenbruch

"Ich erwarte von jedem Deutschen, dass er (...) seine Pflicht bis zum Äußersten erfüllt, dass er jedes Opfer, das von ihm gefordert wird und werden muss, auf sich nimmt. (...) Indem wir eine so verschworene Gemeinschaft bilden, können wir mit Recht vor den Allmächtigen treten und ihn um seine Gnade und seinen Segen bitten." Mit diesem "Befehl" hatte sich Hitler Ende Januar 1945 zum letzten Mal im Radio an das kriegsmüde Volk und die Truppen gewandt. Fanatische "Gauleiter", allmächtige Regionalchefs der NSDAP, folgten mit den noch verbliebenen Gesinnungsgenossen blindlings und überlieferten Zweifler gnadenlos den Schergen. Erst unmittelbar vor dem Zusammenbruch suchten viele in der Flucht ihr Heil.

Propagandaminister Joseph Goebbels und seine Frau Magda: Die Leichen wurden von seinem Adjutanten im Garten der Berliner Reichskanzlei mit Benzin verbrannt, konnten von den Sowjets jedoch identifiziert werden© Pixfeatures/DPA

Der Chef der parteieigenen Elitetruppen SS und des Sicherheitsapparates Heinrich Himmler ließ seit Ende Februar "Sonderstandgerichte zur Bekämpfung von Auflösungserscheinungen" wüten. Hitler selbst verfügte kurz darauf den Einsatz von "Fliegenden Standgerichten" für die Wehrmacht, die vom Gnadenrecht keinen Gebrauch machen durften und die meist die Todesstrafe verhängten. Ein anderer Befehl holte den Jahrgang 1929 zu den Waffen; die Jugendlichen standen nach kurzer Ausbildung an der Front. "Wenn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein", wurde Hitler zitiert. Was nach dem Kampf übrig bleibe, seien ohnehin nur die "Minderwertigen", die "Guten" seien gefallen.

Als im Westen die Alliierten gegen das industrielle Herz Deutschlands, das Ruhrgebiet, vorrückten, gab Hitler den wahnsinnigen "Nero-Befehl". Die zurückweichenden deutschen Kräfte sollten alle dem Feind irgendwie nützlichen Einrichtungen wie "Verkehrs-, Nachrichten-, Industrie- und Versorgungsanlagen sowie Sachwerte" zerstören - wie einst der römischen Imperator, der seine Hauptstadt niederbrennen ließ. Diese Anordnung zur "verbrannten Erde" wurde zum Glück von Politikern, regionalen Nazi-Führern und Offizieren unterlaufen.

"Hass ist unser Gebet, Rache unser Feldgeschrei"

Himmler ließ "Schwäche vor dem Feind" bis zuletzt mit dem Tode bestrafen. In Häusern mit weißen Fahnen seien alle männlichen Personen zu erschießen, ordnete er Anfang April an. Im Radio wurden die Deutschen zur Partisanenbewegung "Werwolf" aufgefordert: "Wir brauchen keine Rücksicht zu nehmen auf veraltete Vorstellungen einer bürgerlichen Kampfführung. (...) Hass ist unser Gebet und Rache unser Feldgeschrei." Doch es fanden sich, abgesehen von ein paar Fanatikern, keine Gefolgsleute mehr.

Als sich die Rote Armee den Ring um Berlin schloss, erklärte der "Reichsbevollmächtigte für den totalen Kriegseinsatz" Goebbels auf seiner letzten Pressekonferenz zynisch: "Das deutsche Volk hat versagt, es hat das Schicksal verdient, das es jetzt erwartet." Er wiederholte nur, was Hitler zuvor schon noch drastischer einmal einem hohen SS-Offizier gesagt hatte: "Unterliegt das deutsche Volk, dann soll es krepieren und dem biologisch Stärkeren Platz machen."

Der "Führer" und sein Propagandachef entzogen sich durch Selbstmord ihrer Verantwortung.

Horst Heinz Grimm/DPA
 
 
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