Faltenfrei im Freiheitskampf

9. September 2013, 15:48 Uhr

Rainer Brüderle hat in Berlin das neue FDP-Plakat vorgestellt. Auf dem sieht er ungewöhnlich jung aus. Aber sein Feindbild ist noch immer das alte: die Roten. Von Timo Brücken

Rainer Brüderle, FDP, Wahlplakat, Bundestagswahl, Rot-Rot-Grün

Da ist noch eine: Der echte Brüderle auf der Suche nach Falten im Gesicht seines Plakat-Ebenbildes.

Um einen Spruch ist er nie verlegen. "Da sind noch ein paar Falten drin, das ist sehr authentisch!", sagt Rainer Brüderle und zeigt auf das Wahlplakat, das er an diesem Montagmorgen in der Berliner FDP-Zentrale vorstellt. Sein Gesicht auf drei mal vier Metern im silbernen Rahmen, wie auf einem wandfüllenden Königsporträt. Und genauso wie die Hofmaler früher ihre Fürsten stets etwas vorteilhafter darstellten, haben die FDP-Werber dem 68-Jährigen eine optische Verjüngungskur verpasst. Nur eben mit Photoshop statt mit dem Pinsel.

Wo in natura Falten sind, ziehen sich auf dem Bild allenfalls noch angedeutete Linien. Der Hals ist gestrafft, die Augen strahlen blau, die Zähne weiß. Nur der leicht orangefarbene Teint wirkt etwas ungesund. Was digitale Optimierung angeht, ist Brüderle nicht der einzige. Im Wahlkampf rätselten viele Bürger wahrscheinlich, "wer wohl die schönen Menschen auf den Bildwänden sind", schreibt der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe. Soll heißen: So machen es alle.

Und so sieht es Brüderle gar nicht ein, sich zu rechtfertigen. Die Frage, was denn sein gefühltes Alter auf dem Plakat sei, ignoriert er glatt und sagt: "Ich fühle mich in diesem Wahlkampf, wie man in meiner Heimat sagt, sauwohl!" Auf Wahlplakaten ist man halt immer nur so alt, wie man sich im Wahlkampf fühlt. Oder so ähnlich.

Botschaft mit Bart

Doch optische Verjüngung hin oder her, Brüderles Botschaft hat einen langen Bart. "Starkes Deutschland statt Rot-Rot Grün", heißt der Slogan sie auf dem Plakat. Er selbst drückt es so aus: Wenn Schwarz-Gelb nicht weitermachen dürfe, regiere in Deutschland bald ein "Linkskartell" aus SPD, Grünen und Linkspartei. Die "Roten Socken", hätte Peter Hintze wohl gesagt. Dann fallen noch ein Paar Vokabeln, die in solchen Situationen immer fallen: "Sozialismus" ist so eine, "DDR" unweigerlich auch, und die neueste lautet "Verbotsrepublik".

Wir gegen die, Freiheit oder Kommunismus, das klingt schwer nach kaltem Krieg und den 80er Jahren. Da passt es auch ganz gut, dass Brüderle am Sonntag zusammen mit Philipp Rösler Helmut Kohl besuchte, das lebende Relikt der Wiedervereinigung. Bei "selbst gebackenem Pflaumen- und Blaubeerkuchen" hätten die drei zusammengesessen schreibt die "Bild" und lichtete sie gleich im Garten des Altkanzlers vor einem Stück der Berliner Mauer ab. Mehr Zeitreise geht nicht.

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