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Sortierung ist keine Lösung – gebt Flüchtlingen ausreichend Platz!

Wer Flüchtlinge nach Herkunft und Religion sortieren will, befeuert Misstrauen und Hass, statt die Gewaltbereitschaft zu reduzieren. Die Lösung liegt ganz woanders.

Ein Kommentar von Larissa Schwedes

  Andere Religion, andere Seite des Zauns? Für die Polizeigewerkschaft sähe so offenbar die Lösung des Problems aus.

Andere Religion, andere Seite des Zauns? Für die Polizeigewerkschaft sähe so offenbar die Lösung des Problems aus.

Sunniten bitte die Treppe hoch und in den Schlafsaal auf der rechten Seite abbiegen. Ach so, Sie sind Schiit? Dann bitte ins Gebäude gegenüber zur großen Holztür am Ende des Ganges. Wen haben wir als Nächstes? Christen, herzlich willkommen! Für Sie haben wir das Vierbettzimmer hier direkt um die Ecke reserviert.

Wie absurd! Stellt man sich den Vorschlag von Rainer Wendt in der Realität vor, kann man nur ungläubig den Kopf schütteln. Flüchtlinge verschiedener Ethnien und Religionen sollten getrennt untergebracht werden, so die Forderung des Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Trennung kann keine Lösung sein

Gewaltausbrüche unter Flüchtlingen, wie sie in Calden oder Suhl passierten, sind schockierend. Vermutlich werden sie auch nicht die letzten Schlagzeilen dieser Art gewesen sein. Doch die Schlägereien haben nichts damit zu tun, dass Menschen aus Syrien, Afghanistan & Co. per se zu Gewalt neigen. Überall auf der Welt, wo man Dutzende Menschen auf wenigen Quadratmetern zusammenpfercht, würde die Lage eskalieren.

Trennung kann keine Lösung gegen Gewalt sein. Nur wo wenig Fremdes ist, gedeihen Ablehnung und Fremdenhass. Wir kennen es aus Sachsen.

Es wird der Tag kommen, an dem die Flüchtlinge die Heime verlassen und ihr Leben in Deutschland auf eigenen Beinen organisieren werden. Sollen sie danach ins Viertel von Ihresgleichen ziehen, sodass in deutschen Großstädten es bald ein Sunniten-Viertel oder eine Afghanen-Straße gibt? Ghettoisierung ist programmiert, wenn man Flüchtlinge schon in ihren ersten Tagen in Deutschland abtrennt statt integriert. Auch Neid und Missgunst werden blühen, wenn Christen "unter besonderen Schutz" gestellt werden, wie Wendt ebenfalls vorschlug.

Wer sich wohlfühlt, ist dankbar

Außerdem ist eine getrennte Unterbringung auch praktisch undenkbar. Länder und Kommunen belegen Turnhallen, Zelte und Container. Sie wissen kaum, wohin mit den täglich ankommenden Flüchtlingsgruppen. Selbst die Registrierung der Asylbewerber kann manchmal Wochen dauern. Eine zusätzliche Einteilung wäre unsinniger Aufwand, für den Geld, Zeit und Nerven fehlen.

Stattdessen muss mit aller Kraft dafür gekämpft werden, dass Flüchtlingen ausreichend Platz und menschenwürdige Bedingungen geboten werden. Wer sich wohlfühlt, ist dankbar. Nicht aggressiv. Und wer ohne Druck auf fremde Kulturen und Religionen trifft, wird vielleicht neugierig - statt gewaltbereit. Interkulturelle Offenheit und erfolgreiche Integration müssen gelebt werden. Tagtäglich. Bei jedem einzelnen Flüchtling aufs Neue.

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