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Ärger um die Mutti der Nation

In Berlin plakatiert die CDU die "Merkel-Raute" in Überlebensgröße. Manche fragen: Ist so ein Megaplakat überhaupt erlaubt? Andere lästern über Personenkult wie in China.

Von Timo Brücken

  Stolz auf Mutti: Junge CDU-Anhänger und Generalsekretär Hermann Gröhe vor dem Riesen-Merkel-Plakat in Berlin.

Stolz auf Mutti: Junge CDU-Anhänger und Generalsekretär Hermann Gröhe vor dem Riesen-Merkel-Plakat in Berlin.

Früher reckten die politisch Engagierten die Faust in die Luft oder spreizten zwei Finger zum Peace-Zeichen, um ihren Ansichten Ausdruck zu verleihen. Das politische Handzeichen unserer Zeit ist die Merkel-Raute. Jedenfalls wenn man nach dem neuen CDU-Riesenplakat am Berliner Washingtonplatz geht. Da hängt die typische Handhaltung der Kanzlerin neurdings auf 70 mal 20 Metern an einem Baugerüst. Daneben der Slogan: "Deutschlands Zukunft in guten Händen." Merkels Gegner titulieren sie gern als "Mutti", da plakatiert ihre Partei sie einfach als "Mutti der Nation".

Dabei sind solche Groß-Plakate in Berlin eigentlich verboten, "zur Eindämmung der Werberflut im öffentlichen Raum", schreibt der "Tagesspiegel". In Wahlkampfzeiten werde jedoch eine Ausnahme gemacht. "Das ist Wahlwerbung, das geht uns nichts an", sagte die Leiterin des zuständigen Bauamts der Zeitung.

Aber Merkels Gegner stören sich auch gar nicht an dem vermeintlichen Verstoß gegen die Bauordnung. Berlins SPD-Chef Jan Stöß lästerte hingegen, die CDU treibe ihre "Strategie der Entpolitisierung des Wahlkampfs auf die Spitze". Das Merkel-Megaplakat sei "monströser inhaltsleerer Personenkult". Der Satiriker Friedemann Weise sah es wohl ähnlich und twitterte eine Fotomontage, für die der Oberkörper von Mao Zedong auf Merkels Unterleib gesetzt wurde. Firedemanns Kommentar: "Gelernt ist gelernt."

  Wahlkampf mit Raute: Mit merkeltypischer Handhaltung und etwas steifem Lächeln werben CDU-nahe Studenten für die Kanzlerin.

Wahlkampf mit Raute: Mit merkeltypischer Handhaltung und etwas steifem Lächeln werben CDU-nahe Studenten für die Kanzlerin.

Guck mal, Mutti!

Inhalte sind überschätzt, die Raute soll's richten. Nach diesem Motto verfährt auch die CDU-nahe Studentenorganisation RCDS, die junge Menschen mit der merkeltypischen Handhaltung Wahlkampf machen lässt. Auf der Website "Studenten für Merkel" kann jeder in nur wenigen Schritten zum Plakatmotiv werden: Foto hochladen, Name eingeben, fertig. Vorausgesetzt man schafft es durch die RCDS-Prüfung. Spaßvögel, die statt der Raute lieber andere eindeutige Handzeichen zeigen, werden sicher aussortiert.

Der Slogan dazu lautet: "Ich wähle Angie! Und du?" Affirmation statt Rebellion. Die inhaltsleere Botschaft: Guck mal, Mutti, wir haben dich lieb! Und dann auch noch zur Hälfte von den Grünen geklaut.

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