SPD schleppt K-Frage mit in die Sommerpause

9. Juli 2011, 12:33 Uhr

Kaum verschenkt stern.de das Sommerloch, steht der erster Anwärter schon fest: Es ist die SPD mit ihrer Debatte um einen Kanzlerkandidaten. Steinmeier, Gabriel und jetzt auch Peer Steinbrück haben das rote Kandidatenkarussell vorzeitig in Fahrt gebracht - und damit jetzt immerhin eine Reaktion von Kanzlerin Angela Merkel provoziert.

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Gelten beide als potenzielle Kanzlerdandidaten der SPD: Parteichef Sigmar Gabriel und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück©

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier erhofft sich von der Debatte über den künftigen Kanzlerkandidaten einen neuen Schub für seine Partei. "Ich sehe überhaupt keinen Grund zum Lamento", sagte Steinmeier der "Frankfurter Rundschau". "Im Gegenteil: Zwei Jahre nach der Bundestagswahl 2009 scheint für die Öffentlichkeit nichts interessanter als die Frage, welcher Sozialdemokrat Kanzler wird."

Steinmeier war vor knapp zwei Jahren als Herausforderer gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unterlegen. Nach 20 Monaten Schwarz-Gelb gebe es bei den Wählern "eine große Sehnsucht, endlich wieder mit Vernunft und Augenmaß regiert zu werden", so Steinmeier. Auf die Frage, ob ein populärer Kandidat weiteres Interesse an der SPD wecken könne, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende: "Ganz sicher."

Zuletzt war vor allem über Ex-Finanzminister Peer Steinbrück als Anwärter auf die Kanzlerkandidatur spekuliert worden. Im aktuellen ARD-Deutschlandtrend schneiden sowohl Steinbrück als auch Steinmeier besser ab als Kanzlerin Merkel. Die Entscheidung über die SPD-Kandidatur werde aber "frühestens Ende 2012" fallen, betonte Steinmeier.

Gabriel: Hype allein genügt nicht

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sieht die aufkommende Kandidatendiskussion hingegen eher zwiespältig. "Peer Steinbrück ist super-populär gerade", sagte Gabriel am Rande einer Filmpräsentation in Berlin. Dafür, dass der SPD vor nicht allzu langer Zeit das Kanzleramt gar nicht mehr zugetraut worden sei, könne er der Diskussion um den früheren Finanzminister für die Partei Positives abgewinnen.

Zugleich kritisierte Gabriel aber, dass es vor allem eine Medien-Debatte sei. Man suche scheinbar einen Ersatz für den über die Plagiatsaffäre gestolperten früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). "Da muss jetzt jemand neues her." Gabriel betonte, dass es letztlich entscheidend sei, dass ein Kandidat die volle Unterstützung der Partei habe. Wahlen seien nur zu gewinnen, wenn Kandidat und Partei in die gleiche Richtung marschierten. Ein "netter Hype" allein nütze nichts.

Merkel tritt wieder an

Eine, die sich in aller Ruhe anschaut, wie das Kandidatenkarussell beim politischen Gegner Fahrt aufnimmt, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Also, ich hoffe doch, dass ich einen Gegenkandidaten von der SPD bekomme zur nächsten Bundestagswahl", sagte sie dem Fernsehsender Sat.1 mit mildem Spott. Indirekt machte Merkel damit auch klar, dass sie bei der Wahl in zwei Jahren für eine dritte Amtszeit kandidiert. Sie warte erstmal ab, wer von der SPD nominiert werde. "Das habe ich schon bei der letzten Bundestagswahl so gemacht. Und es wurde ja auch da einer aufgestellt."

Über ihre Umfragewerte mache sie sich "nicht so richtige Sorgen", sagte Merkel. "Wir regieren jetzt mal in aller Entschiedenheit auch, (arbeiten) die Projekte ab, die für Deutschland, für die Menschen in unserem Land auch entschieden werden müssen." Dann komme der Wahlkampf - "und ich werde sicherlich mit Enthusiasmus dabei sein", fügte die Kanzlerin hinzu.

kng/DPA
 
 
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