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The Aufschwung is' da!

Deutschland in Sorge: Der designierte Außenminister Guido Westerwelle sprach bis vor kurzem unsicheres Englisch, auf einer Pressekonferenz ranzte er einen BBC-Reporter an, er solle Deutsch sprechen. Where shall that all end?

Eine Glosse von Johannes Schneider

Ach, wäre er doch nur 20 Jahre jünger! Dann hätte er vielleicht schon das elfte Schuljahr auf einer Einsiedlerfarm in Montana verbracht, mit 18 hätte er an Uno-Simulationsspielen im Plenum der Vereinten Nationen teilgenommen und zwei Jahre später in Princeton studiert. Ein McKinsey-Praktikum hätte den Jura-Doktoranden unablässig zwischen London und Chicago hin- und herexpediert, einer wie er - jung, liberal, erfolgsorientiert - hätte seine erste Sozietät dann in New York gefunden, in Rio oder Tokio. Seine wahre Heimat aber wäre die Sprache gewesen, die Weltsprache Englisch.

Doch Guido Westerwelle ist ein Kind der 80er - New York, Rio, Tokio kennt er nur als Musiktitel, Englisch aus der Schule. Der Horizont seines Heranwachsens (und dem seiner Altersgenossen) war nicht das Global Village, es war eher so Bonn, das Bundesdorf: Ein Praktikum in der FDP-Geschäftsstelle musste reichen, den Urlaub verbrachte man maximal in Südfrankreich oder Spanien - weiter kam der Golf der gleichnamigen Generation nicht. Wer aus der Republik Kohl hätte ahnen können, dass das nun verheerende Folgen für unser Land hat? Der designierte Außenminister weiß, wie man Artischocken kocht ("Sie müssen schwimmen"), Englisch aber ist seine Stärke nicht: "You know, they must swim"? No thanks.

Keine "Power", keine "Attitude"

Die Älteren hatten noch ihre Befreiungsbewegungen - und sie hatten Mut. Keiner weiß, bei welcher internationalen Solidaritäts-Tagung der Taxifahrer Joseph Fischer sein Englisch gelernt hat - es ist auch zugegebenermaßen nicht sonderlich berauschend. Aber sein legendäres "Excuse me, I'm not convinced", das er Donald Rumsfeld entgegen schleuderte, hatte - genau - "Power". Ein Wort, das Guido Westerwelle nicht nur im Wortschatz fehlt: Wie er am Montag bei einer Pressekonferenz ungewohnt stoffelig einen BBC-Reporter rasierte ("So, wie es in Großbritannien üblich ist, dass man Englisch spricht, so ist es in Deutschland üblich, dass man Deutsch spricht."), zeigt, dass Westerwelle auch ein Problem mit seiner "Attitude" hat.

Wo liegen die Ursachen? Ist es vielleicht tatsächlich ein "Generationen-Ding"? Westerwelle (Bösartige bezeichnen ihn auch als "Streber") will einfach keine Fehler machen, zwischen Bonn und Bonn hat er das nicht gelernt. Andere haben mit menschenverachtenden Systemen sympathisiert, Terroristen versteckt oder Polizisten verprügelt, und mussten sich später dazu verhalten. Westerwelle ist mal mit einem albern beklebten Kleinbus über Land gefahren und hat seine Schuhe beschriftet - allein das muss er heute bereuen. Nehmerqualitäten schult so etwas nicht, genau die muss man aber haben, um in einen Bereich vorzudringen, in dem man (noch) inkompetent ist.

"So much dynamic in the new members"

Wo Westerwelle sich schon englisch äußerte - ein Belegstück erlangt auf youtube zurzeit erstaunliche Klickzuwächse - zögerte er Antworten teilweise 13 Sekunden hinaus und wirkte dabei in höchstem Maße angespannt. Was dann kam, war gar nicht mal so schlecht, wie jetzt immer alle behaupten - zumindest das "th" und der erste Teil der Antwort waren - sagen wir mal - verständlich:

"The fall of the wall - there has been so much dynamic in the new members of the European Union - and I do not mean only the economic dynamic. I mean the dynamic of the society. […] We could learn, that the cue for a successful wellfare state, a successful economy is the dynamic of the society, is the will to reach very ambitious aims. And perhaps this is something what in the last years we lost in our mentality or lost too much in our mentality."

Putzige Sprachdefizite nutzen

Sicher, die Frage "Wo sind die Eier, die wir 1989 allen gezeigt haben?" lässt sich auch auf Englisch kürzer stellen. Aber warum sollte nicht auch mal ein Deutscher die Herzen der englischsprachigen Welt mit putzigem Gestammel erobern? Warum immer nur umgekehrt? Warum immer nur "Ich bin ein Berliner"? Warum nicht mal "I'm a New York City Boy" bei der nächsten UN-Vollversammlung? Go for it, Guido! And first of all: Relax!

Machen Sie es besser als der Außenminister und lernen Sie auf der Website unseres redaktionellen Partners Financial Times Deutschland korrektes Business English.

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