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Was die Personalakte über den Todesschützen verrät

Die tödlichen Schüsse des US-Cops Michael Slager auf einen unbewaffneten Schwarzen sollen nicht dessen erste Gewalttat gegen einen Afroamerikaner sein. Immer mehr Details über Slager werden bekannt.

Von Finn Rütten

Das schockierende Video aus einem Park in North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina lässt einen ratlos zurück. Offenbar nach einem kurzen Gerangel läuft ein unbewaffneter Schwarzer vor einem Polizisten davon. Der vermeintliche Gesetzeshüter zieht seine Waffe und feuert in wenigen Sekunden acht Schüsse auf den Fliehenden ab, trifft ihn im Rücken und an den Beinen.

Es war nicht das erste Mal, dass Polizist Michael Slager wegen unverhältnismäßiger Gewaltanwendung gegen einen Schwarzen auffällig wurde. In den Tagen nach der Tat werden immer mehr Details über den Todesschützen bekannt, der gefeuert wurde, wegen Mordes angeklagt wird und nicht gegen Kaution auf freien Fuß kommt. Die Behörden veröffentlichten seine Personalakte.

Was die Aufnahmen über ihn verraten

Die verwackelten Handyaufnahmen eines Passanten zeigen die unfassbare Tat. Nach den tödlichen Schüssen erstattet Slager per Funk Bericht, während er zu dem leblosen Mann geht und diesem Handschellen auf dem Rücken anlegt. Als kurz darauf ein afroamerikanischer Kollege am Tatort eintrifft und sich zum schwer Verwundeten begibt, eilt Slager rund zehn Meter zurück zum Ort des Gerangels. Dort hebt er einen schwarzen Gegenstand auf, geht zurück zum Opfer und lässt diesen dort fallen. Später wird er zu Protokoll geben, der Erschossene habe mit ihm um den Taser gerangelt und hätte danach gegriffen. Daher habe Slager ihn in Notwehr erschießen müssen.

Auch auf einer von den Behörden veröffentlichten Aufnahme ist zu hören, wie Slager "Taser, Taser, Taser" ruft. Das von der Überwachungskamera des Streifenwagens aufgenommene Video zeigt die Routinekontrolle wegen eines defekten Bremslichts am Auto des Opfers und wie dieses dann zu Fuß flieht und vom Polizisten verfolgt wird. Wenige Minuten später fallen die tödlichen Schüsse. Auf dem Mitschnitt des polizeilichen Funkverkehrs gibt Slager ebenfalls an, dass "der Verdächtige nach seinem Taser gegriffen" und er daraufhin auf ihn geschossen habe.

Was die Akte über ihn verrät

Die Behörden haben Material aus der Personalakte von Slager veröffentlicht. Aus seiner Bewerbung bei der Polizei von North Charleston aus dem Jahre 2009 geht hervor, dass der 33-Jährige zuvor als Kellner gejobbt hatte, dann zum Militär ging und anschließend sieben Jahre bei der Küstenwache im Einsatz war. Bei der Frage nach vorangegangenen Straftaten gab er an, in den vergangenen sieben Jahren nicht verurteilt worden zu sein.

Die Dokumente beschreiben ansonsten einen durchschnittlichen Mitarbeiter, der in vielen Bereichen den Vermerk "erfüllt Erwartungen" erhielt. Im September 2013 aber gab es einen Zwischenfall bei einem Einsatz. Auf der Suche nach einem Täter, beschrieben als rund 1,65 Meter groß und schwarz, traf Slager auf einen rund 1,90 Meter großen Schwarzen, der ihn später beschuldigte ihn "ohne erkennbaren Grund" mit dem Taser angegriffen und zu Boden geworfen haben. Eine Zeugin gab ebenfalls an, Slager mehrfach darauf hingewiesen zu haben, dass es sich nicht um den Beschuldigten handelte. Sein Kollege entlastete ihn jedoch und die Anschuldigungen wurden fallengelassen.

Weitere Erkenntnisse

Der Bürgermeister der Stadt und der Pressesprecher der Polizei bestätigten übereinstimmende US-Medienberichte, nach denen Slagers Frau im achten Monat schwanger sei und die Stadt trotz der Suspendierung ihres Mannes weiter für ihre Krankenkasse aufkomme. Weiteren Berichten zufolge soll Slager zwei Stiefkinder haben.

In der Stadt North Charleston leben laut Zensus von 2010 rund 40 Prozent Weiße und 60 Prozent Schwarze oder Bürger mit hispanischer Abstammung. In der örtlichen Polizei hingegen arbeiten 80 Prozent Weiße.

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