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25. Januar 2006, 11:27 Uhr

"Als ich Ministerin wurde, schlug meinem Mann viel Verachtung entgegen"

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hält Deutschland für rückständig, was die Vereinbarkeit von Kind und Beruf anbelangt. In einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern sagte die Politikerin: "Fakt ist doch, dass Menschen, die Kinder bekommen in unserem Land, heute drastisch schlechter dastehen als Menschen mit der gleichen Ausbildung, die sagen: Wir bekommen keine Kinder." Profitieren würden aber alle von diesen Kindern. Es treibe sie um, dass 30 Prozent der Paare in Deutschland keine Kinder mehr hätten: "Wenn wir Familie erhalten wollen, müssen wir die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sie in einer modernen Welt gelebt werden kann." In ihre Kritik schloss von der Leyen ihre eigene Partei ausdrücklich ein: Alle hätten den demografischen Wandel verschlafen: "Wir haben ihn lange ignoriert, nach dem Motto: Wenn möglichst alles unverändert bleibt, dann bleibt auch die Familie erhalten. Das ist falsch." Auf den Hinweis, dass sie mit ihrem Familienbild von Kindern mit berufstätigen Vätern und Müttern einige ihrer Parteifreunde auf die Barrikaden treibe, konterte die Mutter von sieben Kindern: "Die Generation meiner Eltern war glücklich zu ihrer Zeit, das stelle ich nicht infrage. Heute müssen wir aber alles tun, dass unsere Töchter und Söhne in einer hochkomplexen, globalisierten Arbeitswelt Raum und Zeit für Kinder finden. Sonst verzichten immer mehr junge Menschen auf sie. Ohne Kinder können wir in Deutschland das Licht löschen." Damit die Deutschen wieder mehr Nachwuchs bekommen, sei eine verbesserte steuerliche Absetzbarkeit von Kosten für die Kinderbetreuung geplant, außerdem solle 2007 das Elterngeld eingeführt werden, sagte die Politikerin dem stern.

Die heftige Debatte um die "Vätermonate" hat die Familienministerin überrascht und offenbar auch geärgert. "Ich wurde im 'heute journal' von einem Mann gefragt, ob ich die Väter mit der Peitsche nach Hause treiben will. Darin äußert sich eine tiefe Verachtung all dem gegenüber, was Erziehung ist." Ferner kritisierte sie die fehlende Akzeptanz von Vätern, die viel Zeit mit ihren Kindern verbrächten. "Wenn ich daran denke, wie viel Verachtung meinem Mann in dem Moment begegnete, in dem ich Ministerin wurde - nach dem Motto: Aha, jetzt müssen Sie sich also um die Kinder kümmern -, spricht das dafür, dass es in der Tat schwierig ist, eine solche männliche Rolle in unserem Land zu akzeptieren."

Gefunden in ... Stern Stern
Ausgabe 05/2006

 
 
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