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Knochenjob über den Wolken

Einst hatten Stewardessen ein prestigeträchtiges Image. Jetzt werden sie mitunter als "Saftschupsen" tituliert. Vor 80 Jahren trat die erste Stewardess ihren Dienst an. Ellen Church war gelernte Krankenschwester und Pilotin. Aber ihre eigentliche Qualifikation war eine ganz andere.

Von Swantje Dake

Sie lächeln. Wenn der Gast das Flugzeug betritt, wenn sie das Handgepäck verstauen, wenn sie die Funktionen der Schwimmweste erklären, wenn sie den Tomatensaft servieren. Doch beim Gedanken an ihre Arbeitsbedingungen dürfte den meisten Stewardessen und Stewards das Lachen vergehen. Im vergangenen Jahr streikte das Personal der Lufthansa. Die Flugbegleiter der British Airways kämpfen seit Monaten für bessere Arbeitsbedingungen. Nach einem glamourösen Job hört sich das nicht an.

Das Image hat sich geändert

Dabei war der Beruf einst höchst erstrebenswert für viele junge Frauen. In den 50er Jahren, als Fliegen noch Luxus war, Kaviar, Sekt und Hummer serviert wurden, genossen die Damen hohes Ansehen. "Vor 50 Jahren gab es von den Fluggästen sehr viel Anerkennung. Und die Begeisterung für das Fliegen an sich und für unseren Einsatz war da. Die Erwartungshaltung von heute gab es noch nicht", sagt Edith Simon, die 1955 beim Erstflug zwischen Hamburg und New York Flugbegleiterin war.

Krankenschwester war erste Stewardess

Die Arbeitszeiten waren allerdings schon damals lang. Wenn es nach Nordamerika ging, dauerte der Arbeitstag mit allen Zwischenstopps bis zu 24 Stunden. Dafür wurden die Stewardessen mit Stretch-Limousine ins Hotel chauffiert, wo sie mehrere Tage blieben, bevor es zurück ging. "Heute bleiben die Stewardessen an ihrem Zielort oft im Hotel und packen ihr Butterbrot aus, um Spesen zu sparen", sagt Joachim Müller, Leiter der Tarifpolitik der UFO.

Seit den 20er Jahren gibt es Kabinenpersonal. Zunächst waren es ausschließlich Männer, leicht und kleinwüchsig, die "Kabinenjungen" genannt wurden. Bei der Transcontinental Air Transport waren es Söhne der Industriellen und Reeder, die sich an der Fluglinie finanziell beteiligt hatten. Die erste Stewardess war 1930 die amerikanische Krankenschwester Ellen Church. Eigentlich wollte sie Pilotin werden, doch damals waren Frauen im Cockpit undenkbar. Church überzeugte den Verkaufsleiter der Boeing Air Transport, Krankenschwestern zur Betreuung der Passagiere einzusetzen. Das Berufsbild war geboren.

Militärischer Gruß und eifersüchtige Ehefrauen

Als 25-Jährige ging sie zum ersten Mal an Bord, verteilte Kaugummis zum Start und servierte leichte Menüs. In der dreimonatigen Testphase überzeugten die "Sky Girls" Passagiere. Piloten und Copiloten sollen nicht begeistert gewesen sein. Sie gingen davon aus, dass Frauen den Ansprüchen nicht gewachsen sind und gesundheitliche Probleme bekommen würden. Die Stewardessen mussten die Piloten mit einer militärischen Geste an Bord begrüßen und verabschieden, umgekehrt sprachen diese mit den Flugbegleiterinnen kaum ein Wort. Von den Frauen der Piloten kam erheblich mehr Gegenwehr. Sie sahen in den jungen Frauen Konkurrentinnen und schrieben Protestbriefe an die Leitung der Fluggesellschaften.

Aber Ellen Church und ihre "Sky Girls" blieben an Bord. Church wurde Chefstewardess, stellte Richtlinien für den Arbeitsalltag auf, stellte ein Catering-Konzept auf und war bei Transcontinental Air Transport, die später in United Airlines überging, für das Auswahlverfahren der Flugbegleiter zuständig. Die junge Frau war nicht nur die erste Stewardess, sondern auch eine der ersten Frauen auf einem Managerposten bei einer Fluggesellschaft. Nur 18 Monate nach ihrem Erstflug musste Church allerdings am Boden bleiben. Nach einem Autounfall konnte die junge Frau nicht mehr in der Kabine arbeiten. Erst während des Zweiten Weltkriegs flog sie wieder und betreute für die amerikanische Luftwaffe verletzte Soldaten auf ihrem Weg in die Heimat.

Eine nicht ganz unwichtige Anforderung an die ersten Stewardessen war ihr Singledasein. Die Karriere endete mit der Hochzeit. Ellen Church blieb zwar für damalige Verhältnisse lange allein stehend, heiratete aber im Jahr 1964 in Terre Haute, Indiana, und starb ein Jahr später bei einem Reitunfall.

Bis sich das Berufsbild der Stewardess etablierte, dauerte es einige Jahre. Als erste europäische Fluglinie setzte die Swiss 1934 Flugbegleiterinnen ein, die Lufthansa folgte 1938.

"Die Zeiten, in denen junge Damen aus vornehmen Hause Stewardess wurden, um ihren Traummann zu finden, sind längst vorbei", sagt Joachim Müller. Das sieht auch der Arbeitgeber so. "Die Aura der Flugbegleiterin hat sich geändert, ebenso wie die Flugreise selbst", so Michael Lamberty, Pressesprecher der Lufthansa. Die Anforderungen seien in Zeiten der Terrorgefahr gestiegen. Zudem gibt es heute deutlich mehr Kurzstrecken, auf denen aber ebenso Service geboten werden soll.

Airlines haben keine Nachwuchssorgen

Doch der Mythos lebt offensichtlich noch. Die Lufthansa sucht derzeit keinen Nachwuchs. Man habe genug Personal. Bei Air Berlin wird hingegen akquiriert. Wie viel die Damen und Herren beim einstigen Ferienflieger verdienen, wie lange sie im Unternehmen bleiben - dazu möchte sich die Fluggesellschaft nicht äußern. Vor einer Zeit fiel Air-Berlin-Chef Joachim Hunold unangenehm auf, als er freimütig in einem Interview zugab: "Friseusen nehmen wir besonders gern. Für die ist Dienstleistung kein Fremdwort und der Job ein sozialer Aufstieg".

Eine abgeschlossene Berufsausbildung, gute Englischkenntnisse und 1,65 Meter Körpergröße benötigt man, um in den engeren Kreis der Bewerber gelassen zu werden. Dann folgt ein sechswöchiger Kurs mit ständigem Prüfungsdruck in Berlin, Unterkunft und Anfahrt sind selbst zu zahlen. Auch das klingt nicht nach Glamour. Mehr als 3000 Flugbegleiter sind für Air Berlin auf Reisen. Ihre Verträge laufen über zwei Jahre, Anschlussverträge sind möglich. Bei der Lufthansa liegt das Einstiegsgehalt bei 1500 Euro, plus 16 Prozent steuerfreie Schichtzulage.

Bei der Lufthansa bleiben die Stewardessen im Durchschnitt acht Jahre, sagt die Gewerkschaft. Viele aber auch deutlich kürzer. "Wir haben 40 unterschiedliche Teilzeitmodelle", sagt Lamberty. Wer den Job nur als Gelderwerb, zum Beispiel zur Finanzierung des Studiums, ausübt, bleibt im Schnitt zwei bis vier Jahre. Andere, die den Job als Berufung sehen, bleiben bis zu 25 Jahre.

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