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Bauernhof-Hopping mit dem Campingbus

Mit dem Wohnmobil beim Kleinbauern übernachten: Das verheißt den Duft von gemähtem Gras, statt Grillgerüche auf Campingplätzen. Ein Reiseführer verrät, wo man bei Landwirten kostenlos einparken kann.

Von Oliver Fuchs

Der andere Stellplatzführer: landvergnuegen
Das Buch "Landvergnügen" mit der Jahresvignette 2014 weist den Weg zu 230 ländlichen Gastgebern, bei denen man für 24 Stunden kostenfrei mit dem Wohnmobil willkommen ist: Hier in Fläming hat man vom Stellplatz einen direkten Blick in den Gesundheitsgarten.

Das Buch "Landvergnügen" mit der Jahresvignette 2014 weist den Weg zu 230 ländlichen Gastgebern, bei denen man für 24 Stunden kostenfrei mit dem Wohnmobil willkommen ist: Hier in Fläming hat man vom Stellplatz einen direkten Blick in den Gesundheitsgarten.

Kerstin Weißes Garten duftet nach Thymian, römischer Badekamille und Orangenminze. Auf einem Tischchen im holzgetäfelten Gartenhaus dampft ein selbst gebackenes Kräuterbrot mit aufgebrühtem Kräutertee um die Wette. Der Gesundheitsgarten in Fläming, eine gute Autostunde südlich von Berlin gelegen, ist ein Ruheort für müde Städter. Seit Kurzem hat er einen Stellplatz, wo jeder mit seinem Wohnmobil oder Campingbus übernachten kann. Gratis.

Kein schlechtes Angebot für Leute, die auf ihrer Tour abseits der großen Campingplätze schlafen wollen. Das Einzige, was man braucht, ist eine "Landvergnügen"-Vignette. Mit der kann man bei allen Landwirtschaftsbetrieben kostenlos einparken, die bei dem Verbund mitmachen. Ein Telefonat am Vortag reicht aus. Viele Betriebe bieten nicht nur den Stellplatzplatz an: Die Landwirte lassen sich auch beim täglichen Ernten, Brauen oder Melken über die Schulter schauen.

Langsam Reisen liegt im Trend

Das könnte nicht nur klassischen Campern gefallen, also Familien oder angehenden Rentnern, sondern auch Städtern, die sich am Wochenende nach Grün sehnen, oder Foodies, die wissen wollen, wo die Wurst herkommt. "Landvergnügen" vereint gleich zwei Trends.

Zum einen ist Deutschland ein Camperland: Über eine halbe Million Wohnmobile sind in Deutschland zugelassen - Tendenz stetig steigend. Zum anderen boomt der Slow-Tourism. Der richtet sich an Urlauber, die in die Ferienregion eintauchen - und die Umwelt weniger belasten wollen.

Glücklich werden zwischen Schmeißfliegen

Die neue Urlaubsform könnte sich zu einer willkommenen Einkommensquelle für Kleinbetriebe entwickeln, die ihre Produkte sonst nur auf dem Wochenmarkt oder direkt ab Hof verkaufen. Für die Übernachtungsgäste gibt frisch geerntete Lebensmittel und Molkereiprodukte. Oder Schafmilch-Lassi zum Beispiel. Die gibt es - 70 Kilometer vom Gesundheitsgarten Fläming entfernt - auf dem Öko-Hof Schafgarbe zu kosten.

Damit lässt sich dann eine Wildschwein-Geburt begießen, bei der man auf dem Hof mit etwas Glück Zeuge werden kann. Da steht man im Stall, in Stroh und Schlamm, umringt von Schmeißfliegen, und ist dabei, wenn die Ferkel ihre ersten Schritte tun. Man streichelt Schafe und wundert sich, wieso die Luft so sauber ist - und ist einfach glücklich.

Campen à la française

Das "Landvergnügen"-Konzept stammt ursprünglich aus Frankreich. "France Passion" wurde vor über 20 Jahren vom Verleger einer Winzer-Zeitschrift ins Leben gerufen. Zunächst auf die Weinbaugebiete an der Mittelmeerküste beschränkt, dehnte sich das Netzwerk schnell im ganzen Land aus. Wer die passende Vignette hat, darf heute sein Wohnmobil nicht nur bei Winzern, sondern auch bei Käsern, Imkern, Viehzüchtern und dergleichen stehen lassen. An die 1800 Betriebe bieten solche "Emplacements" an.

Damit kann "Landvergnügen" noch nicht mithalten: Seit einem Monat gibt es das deutsche Pendant zu "France Passion" - um die 230 Betriebe sind bis jetzt dabei. Die Bauernhöfe sind sie über ganz Deutschland verteilt: Ein Weingut am Rande des Schwarzwaldes findet sich genauso wie ein knorriger Schafhirte an der polnischen Grenze oder ein Züchter von seltenen Husumer Landschweinen in Nordfriesland. In vier Jahren, das ist das Ziel des jungen Verlages, welcher den Stellplatzführer und die Vignette vertreibt, sollen es bereits mehr sein als in Frankreich.

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