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16. Oktober 2008, 09:03 Uhr

Neuer Riss in ICE-Achse entdeckt

Die Bahn hat in der Radsatzwelle eines ICE erneut einen Riss gefunden. Vor drei Monaten war aus diesem Grund ein Zug in Köln entgleist. Die Züge sollen nun noch häufiger kontrolliert werden. Das hat Folgen für die Fahrgäste: Auf zwei der wichtigsten Strecken werden die Sitzplätze extrem knapp.

Der ICE-T ist die Neigezugvariante des ICE-3© Matthias Rietschel/AP

Drei Monate nach einem Achsbruch in einem Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn ist wieder eine kritische ICE-Achse entdeckt worden. Wie Bahnvorstand Karl-Friedrich Rausch am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte, fanden Prüfer bei der Untersuchung der Achswellen eines ICE-T einen zwei Millimeter tiefen Riss. Die Achse bestehe aus einem ähnlichen Material wie bei dem in Köln entgleisten ICE-3. Der Zug war damals wegen einer gebrochenen Achse bei niedriger Geschwindigkeit entgleist.

Deutlich weniger Sitzplätze

Nachdem der Riss entdeckt worden war, verkürzte die Bahn die Inspektionsintervalle für die ICE-T-Züge. Das hat erhebliche Einschränkungen für die Fahrgäste zur Folge: Auf zwei der wichtigesten ICE-Strecken fahren zurzeit nur noch halb so lange Hochgeschwindigkeitszüge wie üblich, die Züge bieten also nur die Hälfte des üblichen Sitzplatzangebots.

Betroffen sind vor allem die Strecken Köln-Frankfurt-Basel/München und Hamburg-Berlin-Leipzig-München, wie die Bahn mitteilte. Auf ihnen verkehren statt der üblichen Doppeltraktion mit zwei Zugeinheiten nur noch einfache Garnituren. Zwischen Dresden und Leipzig fallen die ICE-T aus; es verkehren lokbespannte Ersatzzüge.

Fahrgäste, die in einem Zug den von ihnen reservierten Sitzplatz nicht vorfinden, erhalten die Reservierungsgebühr zurück, wie Rausch versicherte. Wer ab jetzt reserviert und noch einen Sitzplatz erhält, kann sich laut Rausch darauf verlassen, dass dieser Platz auch angeboten wird, weil die Reservierungssysteme die ausfallenden Züge bereits "gestrichen" haben. Nach Angaben der Bahn werden die Einschränkungen bis Ende nächster Woche dauern, danach ist der Rückstand so weit aufgeholt, dass die meisten Verbindungen wieder mit zwei Zugeinheiten befahren werden können.

Kontrolle nach 30.000 Kilometern

Nicht nur die ICE-T-Züge, auch die 67 ICE-3-Züge werden nach Anordnung des Eisenbahn-Bundesamts derzeit im Abstand von 30.000 statt wie geplant 60.000 Kilometer Laufleistung untersucht. Der ICE-T, von dem es 70 Stück gibt, ist die Neigezugvariante des ICE-3. Die häufigeren Prüfungen seien eine vorsorgliche Maßnahme, "die jedes Risiko für unsere Kunden ausschließen" solle, sagte Bahnvorstand Rausch.

Ein ICE-3 war am 9. Juli im Kölner Hauptbahnhof wegen eines Achsbruchs entgleist. Die Ursache ist nach wie vor nicht eindeutig geklärt. "Es könnte ein Materialfehler sein", sagte Rausch unter Vorbehalt des Abschlusses der Untersuchungen. Der Hersteller hatte laut Rausch empfohlen, die Achsen alle 480.000 Kilometer zu untersuchen.

Die verkürzten Intervalle bedeuten, dass jeder Zug alle 20 Tage untersucht werden muss und für 16 Stunden ausfällt. Der Aufwand lässt sich laut Rausch noch nicht beziffern. "Zur Zeit wird in drei Schichten rund um die Uhr gearbeitet", um die Züge zu untersuchen. Es seien neue Prüfmaschinen bestellt worden, und rund 50 Mitarbeiter müssten als Prüfer neu eingestellt werden.

DPA/AP
 
 
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