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So kommen Sie trotz Streik ans Ziel

Die Lokführergewerkschaft GDL setzt ihren Mega-Streik bei der Bahn fort. Zwei Drittel der Züge fallen aus, ein Ersatzfahrplan ist eingerichtet. Antworten auf die wichtigsten Fragen von Bahnfahrern.

  Die Bahn hofft auf eine schnelle Rückkehr zum normalen Betrieb
Bahnstreik
Landesarbeitsgericht verhandelt über Streik

Vor Gericht scheiterte die Bahn mit ihrem Versuch, den Streik der GDL zu stoppen. Jetzt macht es die GDL selbst: Der Streik wird am Samstagabend beendet. Die Ereignisse des Tages in der Chronik.

Die Lokführer-Gewerkschaft (GDL) hat zum bislang längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn aufgerufen. Millionen Bahnreisende müssen auch am Wochenende wegen des bundesweiten Streiks mit massiven Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Die Bahn hat einen Ersatzfahrplan eingerichtet, um das ganz große Chaos zu verhindern.

Der letzte Streik vor rund zwei Wochen hatte 60 Stunden gedauert. Die Gewerkschaft um Chef Claus Weselsky hat ihre Arbeitskämpfe im Zuge des Tarifkonflikts immer weiter ausgedehnt.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen, die Bahnreisende und Pendler haben:

Wann genau wird gestreikt?

Die Lokführergewerkschaft GDL hat einen viertägigen Streik bei der Deutschen Bahn gestartet. Der Ausstand im Personenverkehr läuft seit Donnerstag 2 Uhr morgens, im Güterverkehr begann er bereits am Mittwoch um 15 Uhr. Der Ausstand soll in beiden Bereichen erst am Montag 4 Uhr morgens enden. Neben den Lokführern rief die GDL unter anderem auch Zugbegleiter und Bordgastronomen zum Ausstand auf.

Wo wird gestreikt?

Wieder flächendeckend in ganz Deutschland. Sowohl Fernzüge als auch Regionalzüge und S-Bahnen der Deutschen Bahn fallen aus. Eine Bahn-Sprecherin sagte am Freitag in Berlin, auch am zweiten Streiktag würden rund 30 Prozent der Verbindungen im Personen-Fernverkehr bedient.

Gibt es einen Notfahrplan der Bahn?

Ja, die Deutsche Bahn hat einen Ersatzfahrplan auf die Beine gestellt, der zumindest halbwegs regelmäßige Verbindungen sicherstellen soll. Zentrale Verbindung wie die zwischen Köln und Berlin verkehren der Bahn zufolge wie gewohnt jede Stunde. Auch Verbindungen wie Basel-Berlin oder Zürich-Hamburg werden wie üblich im Zwei-Stunden-Takt bedient. Auch zwischen Köln und Paris sowie Frankfurt und Amsterdam läuft der Betrieb normal. Dagegen sind auf Ost-West-Strecken wie Leipzig-Frankfurt oder München-Berlin nur vereinzelt Züge unterwegs.

Auch für den Regional- und Nahverkehr gibt es einen ausgedünnten Notfahrplan.

Details zur aktuellen Situation finden Bahnreisende im Internet unter www.bahn.de/aktuell. Die Deutsche Bahn hat eine kostenfreie Servicenummer unter der Telefonnummer 08000 - 99 66 33 eingerichtet, die über die Auswirkungen der Streiks informiert. Die gebührenpflichtige Hotline, die auch aus dem Ausland zu erreichen ist, lautet: +49 0180 - 699 66 33.

Wer ein Smartphone hat, sollte sich die kostenlose App "DB Navigator" für Android-Handys oder das iPhone runterladen.

Gibt es Privatbahnen, die nicht bestreikt werden?

Bei Fernzügen hat die Bahn kaum Konkurrenz. Auf der Strecke Hamburg - Köln fahren jedoch die Züge des Anbieters HKX, die nicht bestreikt werden.

Auf der Nord-Süd-Strecke in Ostdeutschland verkehren zwischen Leipzig, Berlin und Warnemünde die Züge von Interconnex, allerdings nur noch bis zum 13. Dezember. Dann zieht sich das Unternehmen aus dem Schienenfernverkehr aus wirtschaftlichen Gründen zurück.

Dagegen gibt es im Regionalverkehr zahlreiche Alternativen in vielen Bundesländern. Unter der Website das-eiserne-netz.de sind die privaten Bahngesellschaften aufgelistet.

Welche Alternativen habe ich zum Fernverkehr der Bahn?

Wer Ausfälle und Verspätungen von ICE-Zügen ausschließen möchte, kann bei längeren Entfernungen zwischen großen Metropolen einen Flug von Lufthansa, Germanwings oder Air Berlin in Erwägung ziehen, die über das dichteste Streckennetz in Deutschland verfügen. Doch kurzfristig gebuchte Flugtickets sind besonders teuer.

Nutznießer der Streiks sind regelmäßig die Fernbusse. "Die Busunternehmen sind für den Marathonstreik der GDL gerüstet", erklärte der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer. Sie seien auf einen "wahren Ansturm" vorbereitet.

Zwischen Anbietern wie ADAC Postbus, FlixBus oder MeinFernbus herrscht seit der Liberalisierung des Marktes im Jahre 2013 ein ruinöser Preiskampf, von dem die Passagiere derzeit profitieren. Bei der Suche nach günstigsten Tickets helfen Vergleichsportale wie fahrtenfuchs.de oder checkmybus.de.

Fallen die Sonderzüge für Fußballfans aus?

Ja, auch die Sonderzüge zu den Bundesliga-Spielen werden bestreikt. Allerdings können Fans des FC Bayern und des Hamburger SV am Wochenende in einen "Sonderzug" der etwas anderen Art umsteigen. Ein Nutzfahrzeughersteller (MAN) stellt für die Anhänger der Fußball-Bundesligisten kostenlos insgesamt zehn Busse bereit, die im Korso zu den Auswärtsspielen der Münchner nach Frankfurt und des HSV nach Wolfsburg fahren werden. Der Bayern-Tross werde zudem von einem Bus angeführt, der wie der Mannschaftsbus des Bundesliga-Tabellenführers aussieht, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Wie komme ich an einen Mietwagen?

An Streiktagen sind Leihwagen ein knappes Gut. Die Autos können auf der Homepage der Autovermieters wie Avis, Europcar, Hertz und Sixt gebucht werden oder direkt in der Niederlassung. Der Preis hängt von der Größe des Wagens ab. Ein Kleinwagen kostet rund 70 Euro am Tag. Oft gibt es Sonderangebote, wenn der Wagen für mehrere Tage gemietet wird.

Wie kann ich über Mitfahrzentralen eine Fahrt organisieren?

Große Internetportale wie www.mitfahrgelegenheit.de oder www.drive2day.de bringen Fahrer und Mitfahrer zusammen. Vorteil: Mehrere Parteien teilen sich dann die Spritkosten: Fahrten von Berlin nach München schlagen mit nur 50 Euro zu Buche.

Kann ich kostenlos meine Fahrkarte stornieren?

Bei "streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder Anschlussverlusten" kann man sich die Fahrkarte und Reservierung in den DB Reisezentren oder DB Agenturen kostenlos erstatten lassen, heißt es bei der Bahn. "Alternativ können Reisende den nächsten - auch höherwertigen - Zug nutzen. In diesem Fall wird bei zuggebundenen Angeboten, wie beispielsweise Sparpreis-Tickets, auch die Zugbindung aufgehoben."

Gibt es bei Verspätungen durch Streik eine Entschädigungszahlung?

Ja, die Bahn kann sich nicht mehr wie bei früheren Streiks auf höhere Gewalt berufen und sich einer Ausgleichszahlung verweigern. Das hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) im vorigen Jahr entschieden. Kommt ein Bahnkunde mindestens eine Stunde zu spät am Zielort an, steht ihm auch im Streikfall ein Erstattung von 25 Prozent des Fahrpreises zu, ab zwei Stunden gibt es 50 Prozent. werden.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Das Beschwerdeformular ist in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet unter www.fahrgastrechte.info erhältlich. Das Formular können Reisende in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen einreichen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Service-Center Fahrgastrechte wenden.

Steht die Bevölkerung noch hinter dem Streik?

Immer weniger: In einer am Donnerstagabend veröffentlichten Umfrage des ARD-Deutschlandtrends erklärten 51 Prozent der Befragten, sie hätten kein Verständnis für einen weiteren Arbeitskampf. Dies waren zehn Prozentpunkte mehr als Anfang Oktober.

Worum geht es im Streik der Lokführer?

Die Gewerkschaft fordert von der Bahn fünf Prozent mehr Lohn und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um zwei Stunden. In dem Tarifkonflikt geht es aber vor allem um einen Machtkampf zwischen der GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Sie streiten darum, wer für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen führen darf. Die Bahn will konkurrierende Tarifverträge für eine Berufsgruppe vermeiden und fordert klare Zuständigkeiten.

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