23. Januar 2009, 13:00 Uhr

Knochenjob über den Wolken

Einst hatten Stewardessen ein prestigeträchtiges Image. Jetzt werden sie mitunter als "Saftschupsen" tituliert. Heute haben die Lufthansa-Flugbegleiter gestreikt - für mehr Lohn und geregelte Pausen. Nach einem glamourösen Job klingt das nicht. Ein Berufsbild im Wandel. Von Swantje Dake

Lufthansa, Streik, Stewardessen, UFO

Alles tanzt nach meiner Pfeife: Stewardess im Ausstand©

Sie lächeln. Wenn der Gast das Flugzeug betritt, wenn sie das Handgepäck verstauen, wenn sie die Funktionen der Schwimmweste erklären, wenn sie den Tomatensaft servieren. Doch beim Gedanken an ihre Arbeitsbedingungen dürfte den meisten Stewardessen und Stewards das Lachen vergehen, glaubt man der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO). "Heute bleiben die Stewardessen an ihrem Zielort oft im Hotel und packen ihr Butterbrot aus, um Spesen zu sparen", sagt Joachim Müller, Leiter der Tarifpolitik der UFO. Ein Druck auf die Tränendrüse?

Die Gewerkschaft fordert unter anderem ein höheres Einstiegsgehalt, das laut Lufthansa bei 1433,23 Euro liegt, plus 16,3 Prozent steuerfreie Schichtzulage. Wer mehr fliegt, verdient mehr. Die UFO will erreichen, dass die automatische Gehaltserhöhung nicht alle zwei Jahre, sondern järhlich kommt, dass die Flugbegleiter am Gewinn beteiligt werden und Pausenzeiten in den Verträgen festgeschrieben werden. "Bislang steht nur drin, dass sie Zeit für die Nahrungsaufnahme haben müssen", so Müller.

Das Image hat sich geändert

Dabei war der Beruf einst höchst erstrebenswert für viele junge Frauen. In den 50er Jahren, als Fliegen noch Luxus war, Kaviar, Sekt und Hummer serviert wurden, genossen die Damen hohes Ansehen. "Vor 50 Jahren gab es von den Fluggästen sehr viel Anerkennung. Und die Begeisterung für das Fliegen an sich und für unseren Einsatz war da. Die Erwartungshaltung von heute gab es noch nicht", sagt Edith Simon, die 1955 beim Erstflug zwischen Hamburg und New York Flugbegleiterin war.

Die Arbeitszeiten waren allerdings schon damals lang. Wenn es nach Nordamerika ging, dauerte der Arbeitstag mit allen Zwischenstopps bis zu 24 Stunden. Dafür wurden die Stewardessen mit Stretch-Limousine ins Hotel chauffiert, wo sie mehrere Tage blieben, bevor es zurück ging.

Heirat als Kündigungsgrund

Seit den 20er Jahren gibt es Kabinenpersonal. Zunächst waren es ausschließlich Männer, leicht und kleinwüchsig, die "Kabinenjungen" genannt wurden. Bei der Transcontinental Air Transport waren es Söhne der Industriellen und Reeder, die sich an der Fluglinie finanziell beteiligt hatten. Die erste Stewardess war 1930 die amerikanische Krankenschwester Ellen Church. Eigentlich wollte sie Pilotin werden, doch damals waren Frauen im Cockpit undenkbar. Church überzeugte den Verkaufsleiter der Boeing Air Transport, Krankenschwestern zur Betreuung der Passagiere einzusetzen. Das Berufsbild war geboren. Die Karriere einer Stewardess endete jedoch zumeist recht früh: Heirat war ein Kündigungsgrund.

Lufthansa, Streik, Stewardessen, UFO

Flugbegleiter der ersten Stunde waren ausschließlich Männer©

"Die Zeiten, in denen junge Damen aus vornehmen Hause Stewardess wurden, um ihren Traummann zu finden, sind längst vorbei", sagt Joachim Müller. Das sieht auch die Gegenseite so. "Die Aura der Flugbegleiterin hat sich geändert, ebenso wie die Flugreise selbst", so Michael Lamberty, Pressesprecher der Lufthansa. Die Anforderungen seien in Zeiten der Terrorgefahr gestiegen. Zudem gibt es heute deutlich mehr Kurzstrecken, auf denen aber ebenso Service geboten werden soll.

Keine Nachwuchssorgen

Doch der Mythos lebt offensichtlich noch. Die Lufthansa sucht derzeit keinen Nachwuchs. Man habe genug Personal. Bei Air Berlin wird hingegen akquiriert. Wie viel die Damen und Herren beim einstigen Ferienflieger verdienen, wie lange sie im Unternehmen bleiben - dazu möchte sich die Fluggesellschaft nicht äußern. Vor einer Zeit fiel Air-Berlin-Chef Joachim Hunold unangenehm auf, als er freimütig in einem Interview zugab: "Friseusen nehmen wir besonders gern. Für die ist Dienstleistung kein Fremdwort und der Job ein sozialer Aufstieg".

Eine abgeschlossene Berufsausbildung, gute Englischkenntnisse und 1,65 Meter Körpergröße benötigt man, um in den engeren Kreis der Bewerber gelassen zu werden. Dann folgt ein sechswöchiger Kurs mit ständigem Prüfungsdruck in Berlin, Unterkunft und Anfahrt sind selbst zu zahlen. Auch das klingt nicht nach Glamour. Mehr als 3000 Flugbegleiter sind für Air Berlin auf Reisen. Ihre Verträge laufen über zwei Jahre, Anschlussverträge sind möglich.

Bei der Lufthansa bleiben die Stewardessen im Durchschnitt acht Jahre, sagt die Gewerkschaft. Viele aber auch deutlich kürzer. "Wir haben 40 unterschiedliche Teilzeitmodelle", sagt Lamberty. Wer den Job nur als Gelderwerb, zum Beispiel zur Finanzierung des Studiums, ausübt, bleibt im Schnitt zwei bis vier Jahre. Andere, die den Job als Berufung sehen, bleiben bis zu 25 Jahre.

Von Swantje Dake
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Blacky007 (24.01.2009, 15:23 Uhr)
Nie Probleme gehabt
Bin sehr viel mit Lufthansa unterwegs und kann mich nicht beschweren. Sehr oft habe ich die Stewardessen mehr als bewundert, wie sie trotz mehr als unsympathischer Kunden die Contenance bewahrten und lächelnden, obwohl sie alle Rechte dazu hatten, dem einen oder anderen sein Getränk langam über den Kopf zu vergießen. Nach meiner Erfahrung gibt es weit mehr unfreundliche und mürrische Kunden, als Stewardessen.
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Auch finde ich es wahrlich kein Vergnügen jeden zweiten Tag an einem anderen Ort zu sein, möge er noch so schön sein. In der Regel hat man sehr wenig von diesen Aufenthalten - Jetlag, müde von der Arbeit geht man da eher mal schnell ans Pool, isst und trinkt und dann gehts meist zum Schlafen.
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Lache mich immer wieder über Bekannte auf, die mich wegen der vielen Reisen in ferne Länder bewundern, in denen ich max. 1 bis 2 Tage verweile. Am Anfang hat das ja noch seinen Reiz, aber der verliert sich ganz schnell und meist bekommt man von den Ländern nicht wirklich etwas mit.
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Menschen die Stewardessen als Saftschubse oder was auch immer diskriminierend titulieren, möchte ich gerne einmal zusehen, wenn sie den Job machen...sie würden danach wohl kaum so saublöd daherreden.
Taliban (24.01.2009, 02:19 Uhr)
Vielflieger
Meine Erfahrung mit der Lufthansa ist durchwegs positiv.
Immer freundlich und zuvorkommend.
Professionelle Bedienung auch wenn die Holzklasse gerammelt voll ist.
Auf Kurzstrecken sind die Stewardessen und Stewards besonders unter Zeitdruck.
Es ist ein aufreibender Knochenjob bei dem auch noch viel Geduld aufgebracht werden muss.
Mehr Geld und Freizeit ist eine gerechte Forderung.
DerExperte (24.01.2009, 00:08 Uhr)
@ tobix
1900 fuer 15 tage arbeit - und rest irgendwo auf der welt in - Hotels bezahlt - Da musst du mal auf US Seiten googlen was die verdienen.
Ich finde das ist ein GUTES Anfangsgehalt fuer die 1 % der Moeglichkeiten wo es eng wird. Gutes Management der Lufthansa wird durch unfreundlich Bedienung wieder wett gemacht!
DerExperte (24.01.2009, 00:05 Uhr)
Ich bin viel in der Welt herum geflogen
und auesserst selten waren es die Lufthansa Stews. die freundlich waren. Das ist fuer das Kabinenpersonal ein Fremdwort. Mehr Militaerischer Ton.
>
Die haben immer noch nicht begriffen das jede Klasse im FlugzeuG gebraucht wird - wollen aber alle in der ersten bedienen.
DerExperte (24.01.2009, 00:01 Uhr)
Irgendwie hab ich die Nase voll von
dem Stewardessen gequatsche. Seht mal in die Krankenhaeuser - Intense care units - Altersheime - Demenzhauser usw. Dort arbeiten leute in 3 schichten - verdienen wesentlich weniger als eine Stew. - haben auch verantwortung - koennen nicht 15 tage im Monat in Bali oder NY in feinen Hotels schlafen. Verdienen nicht max 3000 Euro fuer 15 tage arbeit - und handeln jeden Tag mit Kranken menscheN - Heben - Pfanne drunter usw. Irgendwie zuckt der Halli Galli staat immer noch. Ansonsten wuerden es nicht solche bloede Forderung von 15 % mehr geben. Ich haette nichts dagegen den Krankenschwestern glatt 10 % mehr zu geben. Aber Arroganz noch belohnen - NEIN!
fallingwater (23.01.2009, 17:49 Uhr)
Erlebnis bei Lufthansa
Ich bin mit der LH von Phuket nach Frankfurt geflogen und durfte den Service bzw. Nichtservice des Kabinenpersonals geniessen; dieser und Freundlichkeit war für diese Damen ein Fremdwort. Ich habe noch nie bei einer anderen Airline derartig unangenehmes Personal erlebt. Die 0ptik möchte ich hier nicht näher erörtern, aber diese flogen ja in einem Jumbo, so dass genügend Platz vorhanden war. Und solch unwilliges Personal will noch 15 % mehr? Jedenfalls werde ich mit der LH nicht mehr fliegen.
ZeeGermanGuy (23.01.2009, 17:23 Uhr)
Re: Studium finazieren?
ich frage mich, wieviel von den besagten eur 1900.- uebrig bleiben. der student hat doch wesentlich weniger abzuege als andere arbeitnehmer.
arniston (23.01.2009, 17:22 Uhr)
pin ag
die pin ag der lüfte !!
traurig überall, wie man den arbeitenden mensch ausbeutet wie anno 1531 , damit sich sich ein paar
tausend den kaviar um die ohren hauen. arme flugbegleiter bei air berlin, sicher isst hunold auch kaviar... das soll der fortschritt der zeit sein, ich glaube es nicht..gaucklerfest lässt grüssen..
tobix (23.01.2009, 16:22 Uhr)
Studium finanzieren?
Ich kenne niemanden, der erst einen 6-wöchigen Kurs für einen Studiums-Nebenjob macht. Und gerade Stewardess klingt für mich nicht nach dem super-flexiblen Nebenjob. Und man muss schon eine Berufsausbildung vorweisen können... Wird das tatsächlich gemacht?
.
Die Bezahlung scheint etwas mau zu sein, inkl. der Zulage sollte das aber rund ~1900 EUR brutto (normalversteuert) entsprechen. Nicht glamourös, aber auch nicht katastrophal.
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