Eine vier Kilometer langte Piste, brandneue Abfertigungsgebäude und kein einziger Passagier: Der Geisterflughafen von Ciudad Real steht exemplarisch für geplatzte Großprojekte im Krisenland Spanien. Von Till Bartels
Bescheidenheit war hier kein Baumeister. Einen Großflughafen wollten die Stadtväter von Ciudad Real haben, einer Stadt mit weit unter 100.000 Einwohnern in der Hochebene von Kastilien-La Mancha. Und so wurde der Wunsch in die Tat umgesetzt: Auf der grünen Wiese entstand der Aeropuerto Central Ciudad Real. Mit einer vier Kilometer langen Start- und Landebahn - einer der längsten in Europa - wollte man den 230 Kilometer entfernten Hauptstadtflughafen Madrid-Barajas entlasten, so das Argument der Erbauer.
Langstrecken-Jets sollten hier abheben und Passagiere am eigens errichteten Bahnhof in die Züge der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid - Sevilla umsteigen. Doch nach den hochfliegenden Plänen, die vor allem beim Lockermachen von riesigen Subventionen halfen, erfolgte schon kurz nach der Eröffnung im Jahre 2008 eine harte Landung. Von den Passagieren wurde der Airport nie angenommen. 2011 stellte der spanische Billigflieger Vueling seine letzten Flüge von Ciudad Real nach Paris und Barcelona ein.
Die Betreibergesellschaft ist längst pleite, der Konkursverwalter musste sogar die vollständige Schließung beantragen. Auf dem Geister-Airport rollt heute keine Maschine mehr zum Start, im Tower schiebt kein Flugloste mehr Dienst. Der Beton gewordene Traum vom Großflughafen symbolisiert die Geldverschwendung und den künstlichen Bauboom: Über Jahre wurde in Spanien Infrastrukturprojekte komplett am Bedarf vorbei entwickelt.