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15. Mai 2009, 16:38 Uhr

Deutsche Welle auf den Weltmeeren

Für deutsche Urlauber geplant und für den deutschen Markt konzipiert: Das erste Kreuzfahrtschiff der Reederei "Tui Cruises" wird heute Abend getauft. Doch schon an der Gangway scheitert der Passagier mit seinem Deutsch. Und dann sagt in letzter Minute auch noch ein wichtiger Taufgast ab. Von Swantje Dake

Mein Schiff, Taufe, Hamburg, Ina Müller, Kreuzfahrt, deutsch

Warten auf die Taufe: "Mein Schiff" in Hamburg© Maurizio Gambarini/DPA

"Meeresrauschen" steht in geschwungener Schrift auf dem blauen Bug. Und "Ruhe", "Mitternachtssonne". Hier kommt ein Urlaubsschiff, ein deutschsprachiges noch dazu, verkündet die Schiffswand. Doch bereits am Ende der Gangway angekommen, mit den ersten Schritten an Bord, ist die einwandfreie Deutschtümelei vorbei. Als Erwiderung auf das "Guten Tag" kommt ein schüchternes "Dankeschön" vom wachhabenden Philippino. Die Frage nach dem Weg auf die Kabine wird mit "Dankeschön" beantwortet.

Die Mannschaft auf der "Mein Schiff" ist wie auf anderen Kreuzfahrtschiffen international. Aus 40 Nationen kommen die Crewmitglieder. Sie arbeiten mit maltesischen Arbeitsverträgen, weil das Schiff unter der Flagge des Inselstaates fährt. In der "Abtanz-Bar" diskutieren die asiatischen Kellner noch über Cocktailrezepte. Eine Gruppe Osteuropäer schrubbt, angeführt von einem Österreicher, die Fensterscheiben. Das Restaurant-Personal wird auf Englisch eingewiesen.

Zum Absacker in die "Unverzicht Bar"

Aber zwischen "Atlantik" (Deck 6) und "Brise" (Deck 14) gibt es immer noch genügend Wegweiser für den deutschen Gast. Fernweh, Wohlgefühl und Glanzlicht heißen die Räume für Massage, Botoxbehandlungen und Zahnbleichungen. Man schwitzt in der Nebelzone und in der Horizontsauna, kauft in "Mein Stil" neue Kleidung, in "Meine Freude" Parfum und in "Meine Schönheit" Kosmetik. Dann eine Überraschung: Zum Tapas essen geht's ins Bistro "La Vela" und auf einen Wein in die "Vino Vinothek". Stringent ist die Namensgebung nicht, aber mit der "Nasch Bar", der "Unverzicht Bar" und der "Überschau Bar" sind genügend Wortspiele an Bord.

Und Tui-Cruises-Chef Richard J. Vogel ist stolz auf jede sprachliche Anspielung, vermutlich am meisten über den Namen des Gourmetrestaurants "Richard's". Nie zuvor wurde so viel über einen Schiffsnamen diskutiert. Ein Name, der eigentlich nur das Projekt bezeichnen sollte. So konnten Kataloge und Werbeartikel gleich weiter verwendet werden. Es heißt, dass der Name am häufigsten in dem Wettbewerb genannt wurde, den die Reederei mit einem Magazin ausgeschrieben hatte. "Hätten wir es ,Hildegard' genannt, hätten wir einen kurzen Lacher gehabt, dann wäre es durch gewesen", sagt Vogel. So, wurde mehr geredet.

Und gebucht wurden die Kabinen auch, obwohl es das "Mein Schiff" noch gar nicht gab. Nur das Versprechen, dass man innerhalb von 38 Tagen ein 13 Jahre altes, amerikanisches Schiff in ein modernes, deutsches verwandelt. 50 Millionen hat der Umbau gekostet. Balkone, Restaurants und ein neues Spa sind hinzu gekommen. Viel Goldenes und Glänzendes, grelle Farben und Plastik sind verschwunden. Zufriedenstellend seien die Buchungen trotz der Krise, so Vogel. Was soll er auch anderes sagen? Er muss sich ja schon für so Vieles rechtfertigen. Dafür, dass es ein altes Schiff ist, kein Neubau. "Wir wollten nicht erst 2010 oder 2011 in den Markt. Für einen Neubau hatten wir nicht die Zeit", so Vogel. Dafür, dass nicht alles neu ist. "Wir wissen, dass man in 13 Monaten kein perfektes Schiff, keine perfekte Reederei aufbauen kann", sagt Vogel. Und für die Namensgebung auch. Fünf Minuten referiert und rechtfertigt sich Vogel auf der Pressekonferenz kurz vor der Taufe.

Opernsängerin Netrebko sagt Auftritt ab

Unterdessen türmen sich auf dem Pooldeck sich Lautsprecher, werden Scheinwerfer ausgerichtet. In den Treppenhäusern werden die Geländer gewienert, die Teppiche auf den Gängen gesaugt. Die ersten Taufgäste kommen an Bord, beziehen die Kabinen, testen die Poolliegen, kosten Gegrilltes. Während der Vorbereitungen sagt Opernsängerin Anna Netrebko ihren Auftritt ab. Die Sopranistin könne wegen "einer leichten Indisposition" nicht singen, teilte ihr Management mit. Netrebko hätte die Schiffshymne "Ocean of Love" singen sollen. Im Gegenzug sponsert die Reederei ein Konzert der Sängerin und sammelt für ein SOS-Kinderdorfspendenaktion. Die Reederei disponierte schnell um, lässt die Sängerin Aino Laos auftreten.

Gegen 20 Uhr wird das Schiff am Abend vom Kreuzfahrtterminal in Hamburg ablegen und bis zum eineinhalb Kilometer entfernten Fischmarkt fahren. Gegen 21 Uhr tauft Moderatorin Ina Müller das Schiff. "Ich freue mich tüchtig, auch wenn es eher so eine physikalische Sache ist und wenig romantisch", sagt die 43-Jährige. Müller betätigt einen Hebel, der die Champagnerflasche an den Bug fallen lässt. Anschließend singt Udo Lindenberg an Bord, Jan Delay von Land und die "Mein Schiff" fährt mit Kurs Helgoland die Elbe runter. Nach Fahrten mit geladenen Gästen und Reisebüromitarbeitern, beginnt am 23. Mai die erste Reise mit deutschen Urlaubern. Dann wird sich "Mein Schiff" in fremden Gewässern behaupten müssen.

Von Swantje Dake
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
you_me_2 (16.05.2009, 08:27 Uhr)
Mittlerweile
..wird jeder Furz zum Großereignis und bekommt Sendezeit im Fernehen, wenn's auch nur regional im Norden war, aber die Zeit hätte man wahrlich besser füllen können.
haddock (16.05.2009, 00:30 Uhr)
Vielleicht
hätte der Name Babylon besser zum Schiff gepasst
klabautermann79 (15.05.2009, 22:16 Uhr)
Nujoar
Von außen sieht es sicher wie ein Oldtimer aus, allerdings sehen die Bilder des Innenlebens doch wirklich gut aus! Derjenige, der für die Inneneinrichtung und Gestaltung zuständig war, scheint was auf dem Kasten zu haben.
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