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Max Maulwurf mausert sich zum Poeten der Deutschen Bahn

Zug verspätet, aber keine Ansage? Die Bahn hat dazugelernt. Ihre Kommunikation über Baustellen und Fahrplanänderungen treibt sprachliche Blüten auf fast schon poetischem Niveau. Die schönsten Stilblüten von Max Maulwurf.

  Gestatten: Max Maulwurf, der Sympathieträger der Deutschen Bahn für Baustellen

Gestatten: Max Maulwurf, der Sympathieträger der Deutschen Bahn für Baustellen

Seit Jahren informiert das possierliche Tierchen über Unannehmlichkeiten im Bahnverkehr. Der Maulwurf mit der Schaufel in der einen Kralle steht für die Kommunikation über ein für Bahnfahrer unangenehmes Thema: Fahrplanänderungen durch Baustellen.

Max Maulwurf, so der Name der Zeichenfigur, muss schon seit mehr als zwei Jahrzehnten als "Baustellenbotschafter" schlechte Nachrichten verbreiten: "Ich informiere Sie über das aktuelle Baugeschehen", sprich über längere Fahrzeiten, Umleitungen, Zugausfälle und Schienenersatzverkehr im gesamten Streckennetz der Deutschen Bahn.


Die negativen Auswirkungen der Modernisierung des Gleiskörpers bekommen insbesondere die Berufspendler im Nahverkehr zu spüren. Was auf Handzetteln, Tafeln und Aushängen in Berlin anlässlich der S-Bahn-Sanierung 1994 in Berlin begann, wurde auf alle Bundesländer ausgeweitet. So informiert der kleine Nager längst deutschlandweit und auch im Internet. Er hat sogar eine eigene Homepage und postet fleißig auf Facebook.

Ein Maulwurf twittert drauflos

Neben den handgezeichneten Grafiken gehören auch schmissige Texte zum Markenzeichen der Kommunikation. Denn mit Humor lassen sich die Unannehmlichkeiten besser ertragen. "Für Bahnhöfe, Tunnel, Brücken und Gleise haben wir das richtige Rezept: wohl dosierte Bauarbeiten, die zwar nicht immer leicht verdaulich sind - aber stets ihre Wirkung zeigen", hieß es in einem Text aus dem Jahre 2013. "Leider hat unser Cocktail unangenehme Nebeneffekte: Umleitungen, Verspätungen und Zugausfälle:"

Doch in jüngster Zeit hat Max Maulwurf, den es inzwischen auch als Plüschfigur zum Kuscheln für 14,90 Euro im Bahnshop zu kaufen gibt, noch eine Schippe draufgelegt.


Max hat sich der Sprachbilder der Meteorologen angenommen und macht einen auf Baustellenvorhersage. Anscheinend hat die Figur eine Weiterbildung besucht und dreht daher sprachlich besonders schöne Pirouetten.

Frühlingsgefühle bei der Bahn

Rechtzeitig vor den Osterfeiertagen meldet sich Max mit einer Botschaft an Reisende - oder wie es im PR-Sprech nun heißt - an alle, die "zu Ostern das Nest verlassen wollen". Während der Zeit zwischen Gründonnerstag und Osterdienstag kommt es zu einem "frühlingshaften Erblühen unserer Baustellen" - sprachlich ist das kaum zu toppen. 


Oder anders ausgedrückt: Die Frühlingsgefühle bei der Bahn treiben seltsame Blüten. Man möchte gar nicht im Detail wissen, was plötzlich auftretende Baustellen-Hormone bewirken können. "Über Ostern ist mit einer heftigen Vermehrung unserer Bauarbeiten zu rechnen."

Die vollmundigen Ankündigungen à la Max lassen so manche Geduldsprobe, die durch die Bauarbeiten für die Fahrgäste zum Ärgernis werden, jedenfalls leichter ertragen. Und wenn die Bahn mit Max Maulwurf so munter weitertextet, dürfte Bahnchef Grube noch für den Georg-Büchner-Preis, dem angesehensten Literaturpreis in Deutschland, vorgeschlagen werden.

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