Eine Flasche Champagner, ein funkelndes Feuerwerk und ein bisschen Musik braucht es für eine gelungene Schiffstaufe. All das war für die Taufe von "Mein Schiff" in Hamburg vorhanden. Doch die Taufpatin hielt sich nicht ans Protokoll. Von Swantje Dake

Natürlich Norddeutsch: Taufpatin Ina Müller überraschte mit ihrer Taufrede© Maurizio Gambarini/DPA
Sie hätte es sich romantischer vorgestellt. Einfach nur den Hebel umlegen - das kann es ja nicht gewesen sein. Ina Müller, Taufpatin des neusten Kreuzfahrtschiffs auf dem deutschen Markt, ist so unkonventionell wie das Schiff der Reederei Tui Cruises sein möchte. Daher muss sie wenige Minuten vor der Taufe am Freitagabend noch etwas klären. "Ich war nie Fan von Kreuzfahrten", sagt die 43-Jährige.
Neben ihr steht Richard J. Vogel, Chef der Reederei Tui Cruises, vor ihr tausende Hamburger und Touristen, die auf dem Fischmarkt und auf Booten auf der Elbe auf die Taufe von "Mein Schiff" warten. Die Moderatorin und Sängerin hält sich nicht ans Protokoll, reißt mit norddeutschem Charme die Taufzeremonie an sich. "Was ist eigentlich, wenn ich gleich sage: Ich taufe dich auf den Namen Ina Müller?"
Damit stochert Müller in der Wunde, die der Reederei jedoch mehr Aufmerksamkeit als jede Marketingkampagne beschert hat. Was als Projektname vorgesehen war, steht jetzt tatsächlich in weißer Schreibschrift auf blauem Stahl: "Mein Schiff".
263 Meter lang, 32 Meter breit, Platz für knapp 2000 Passagiere. Ein Kreuzfahrtschiff, das bereits seit 1996 fährt. In sechs Wochen Werftaufenthalt wurde aus der amerikanischen "MS Galaxy" der Reederei Celebrity Cruises die deutsche "Mein Schiff". Ein enger Zeitplan, ganz perfekt ist der Umbau noch nicht, aber am 23. Mai startet die Jungfernfahrt.
Am Tauftag wird die wirtschaftlich schwierige Lage der Nation ignoriert. Die Buchungszahlen seien jetzt schon gut, wird behauptet, ohne sie genau zu benennen. Man werde die internen Ziele erreichen. "Der Startzeitpunkt ist immer richtig, wenn man an ein Produkt glaubt", so Vogel und bekommt Rückendeckung von Tui-Chef Michael Frenzel. Ein Kreuzfahrtschiff sei lange Zeit ein gehegter Wunschtraum der Tui gewesen. Nun ist sie mit 50 Prozent an Tui Cruises beteiligt. Die andere Hälfte wird von der amerikanischen Reederei Royal Caribbean getragen. Bislang geht nur ein Prozent der Deutschen in ihrem Urlaub auf ein Schiff. In Großbritannien sind es zwei Prozent, in den USA drei. "Das Potenzial ist vorhanden", sagt Vogel und hält an dem Plan fest, bis 2012 die Flotte auf drei Schiffe aufzustocken.
Die Reedereien zielen mit ihrem Projekt auf eine Zielgruppe, die sich zwischen den Fans der Clubschiff-Flotte Aida und den traditionellen Kreuzfahrtschiffen von Hapag Lloyd, die ebenfalls zum Tui-Konzern gehört, befindet. Anspruchsvoll, aber nicht snobistisch, gut situiert, aber nicht verschwenderisch, schon viel gesehen von der Welt, aber gern in deutscher Umgebung reisend. Vogel nennt seine Zielgruppe die Generation der "Babyboomer" und zählt ein Viertel der Deutschen dazu. Drei Millionen Menschen sieht er als seine potentiellen Kunden.
Auf die zielte das Taufprogramm ab. Udo Lindenberg ließ es auf dem Pooldeck krachen während das Schiff die Elbe hinunter fuhr. "Gratuliere, ,Mein Schiff'. Volle Power voraus." Jan Delay, wohl für den Nachwuchs der Baby Boomer engagiert, stand auf dem Fischmarkt, sang mit dem Panikrocker ein Duett. Es fiel kaum auf, dass Opernsängerin Anna Netrebko wenige Stunden vor der Taufe auf Grund einer Pollenallergie absagte, sich nur kurz auf der Bühne zeigt. Die Schiffshymne "Ocean of Love", die bei all der Deutschtümelei an Bord, auf Englisch gesungen wurde und sehr an die Titanic-Titelmelodie erinnert, wurde stattdessen von der deutlich weniger bekannten Sängerin Aino Laos gesungen.
Und dann legte sie den Hebel um, Taufpatin Ina Müller. "Auch auf die Gefahr hin, dass du kein Wort verstehst, Herr Vogel, ich mach das jetzt auf plattdeutsch." Der Wunsch, immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel, wurde zu "un jümmer ne Handbreit Woter unterm Kiel", Müller zog symbolisch an einem großen Hebel, ein Mechanismus am Schiff ließ die Champagnerflasche am Bug zerschellen. Die Begleitboote ließen minutenlang ihre Typhone ertönen. Feuerwerk stieg in den Nachthimmel. Das fand Ina Müller dann doch romantisch. "Schiffe zu taufen macht unheimlich Spaß", sagte die Sängerin und gestand, dass sie, die mit Kreuzfahrt eigentlich nichts am Hut hat, zum Jahreswechsel zwei Wochen an Bord des Schiffs verbringen wird.