16. Mai 2012, 14:45 Uhr

Traumschiff unter falscher Flagge

Der Finanzinvestor Aurelius will das Traumschiff retten. Doch jetzt rührt er am Allerheiligsten: Künftig soll der wohl berühmteste Kreuzfahrer der Nation nicht mehr unter deutscher Flagge in See stechen. Von Kathrin Werner

MS Deustchland, Deilmann,  Finanzinvestor Aurelius, Kreuzfahrtschiff Deutschland

Die MS "Deutschland" nach ihrer Überholung auf der Bremerhavener Bredo Werft©

Die Idee mit den Poolpartys ist von ihm. Sie kam ihm, als er vor ein paar Wochen durch die Karibik schipperte auf seinem liebsten Investment: der MS "Deutschland". Vier- bis fünfmal im Jahr ist Dirk Markus an Bord. Schließlich muss er nach dem Rechten sehen und den Passagieren die Hand schütteln auf dem Hausboot des ZDF-Schnulzenklassikers. Dabei ist Markus eigentlich kein Reeder - er ist der Chef des Finanzinvestors Aurelius.

2010 hat Aurelius die kriselnde Familienreederei Deilmann samt MS "Deutschland" übernommen. Seither nennt sich Markus gern mal "Mr. Traumschiff". Er geriert sich allerdings bisher nicht gerade als harter Sanierer. Im Gegenteil: Als Innovation verkauft die Reederei, dass es bald auch Podiumsdiskussionen und Lesungen an Bord gibt. Gut 25 Prozent seiner Arbeitszeit widmet Markus derzeit dem schneeweißen Dampfer. Zum Konzernumsatz steuert der aber gerade mal 2,4 Prozent bei. "Sicher überproportional viel Zeit im Verhältnis zum Ertrag", sagt der ehemalige McKinsey-Berater. "Spricht das für eine kurzfristige Gewinnmaximierung? Nein! Mache ich es trotzdem? Ja!"

Schluss mit Schwarz-Rot-Gold

Doch nun gibt es einen Kurswechsel, der nach Hedge-Fonds-Logik klingt: ausflaggen. Aurelius wirbt zwar noch mit dem "weltweit einzigen Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge". Doch im Sommer soll Schwarz-Rot-Gold von der MS "Deutschland" verschwinden, wie die "Financial Times Deutschland" (FTD) aus Branchenkreisen erfuhr. Die deutsche Flagge mag zwar dem einen oder anderen Passagier (Durchschnittsalter Anfang 60) wichtig sein. Doch sie ist ein teurer Anachronismus. Schließlich müssen alle 300 Besatzungsmitglieder mit deutschen Arbeitsverträgen eingestellt werden. Keine andere Reederei gönnt sich diesen Luxus, kostet er doch pro Jahr einen siebenstelligen Betrag. Aurelius und Deilmann wollten die Informationen nicht kommentieren.

Neues Flaggenland der MS "Deutschland" soll nun Malta werden, hieß es. Am Heck steht dann als Heimathafen Valletta - an Bord soll sich jedoch nicht viel ändern. Der Kapitän bleibt ein Deutscher und auch die Bordsprache Deutsch.

Inzwischen schreibe das Traumschiff zumindest wieder "ganz leicht schwarze Zahlen", sagt Markus. Dennoch soll beim Wachstum nichts überstürzt werden. "Für uns sind Kreuzfahrten ein langfristiges Geschäft. Das Kerngeschäft von Aurelius wächst, da können wir es uns erlauben, der MS "Deutschland" für ihr Wachstum mehr Zeit zu geben." Vielleicht helfen ihm dabei die Poolpartys.

Übernommen aus ... FTD zur Homepage

Von Kathrin Werner
 
 
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