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Filmreifes Urlaubsidyll

Zur Wiesn-Zeit ist München wenig idyllisch. Wer Ruhe sucht, flieht ins oberbayerische Umland. Das entdecken auch immer mehr Filmteams - und was als Drehort taugt, ist allemal ein perfektes Urlaubsziel.

Von Brigitte Zander

Romantische Seen mit rasanter Alpenkulisse, Barockkirchen, Bauernhöfe, Klöster und Berggipfel. Oberbayern gleicht einem Idyll - perfekt für jeden Heimatfilm. Die Münchner Unternehmerin Antonia Haacke hat mehr als 445 Kulissen in ihrer Datenbank. Die 34-Jährige sucht Drehorte für Krimis, Tragödien und Liebesepisoden und vermittelt diese an die Filmschaffenden.

Besonders beliebt, aber mitunter schwer zu ergattern: Drehgenehmigungen in den bayerischen Schlössern, vor allem natürlich in Deutschlands bekanntestem - Schloss Neuschwanstein, dem Hauptsitz des ebenso fantastischen wie traurigen König Ludwig II. Der legendäre Luchino Visconti bannte die Geschichte des schwulen Monarchen, gemimt von Helmut Berger, und seiner Cousine Sissi, alias Romy Schneider, auf Celluloid. Den italienischen Star-Regisseur faszinierte das "Kini"-Schloss im Zuckerbäckerstil hoch auf dem Fels, wo er drei Wochen drehte: Vor allem nachts, während die örtliche Feuerwehr von außen Wasser gegen die Fenster spritzte, weil Visconti Regenstimmung bevorzugte. Im Drehjahr 1972 verursachte er spektakuläre Ereignisse am Starnberger See. Sein Filmteam residierte im altehrwürdigen Feldafinger Hotel "Kaiserin Elisabeth". Gedreht wurde im Casino auf der Roseninsel sowie im nahen Schloss Possenhofen. Bundeswehrpioniere bauten dem Team als "Manöverübung" eine Pontonbrücke zur Roseninsel.

Drehorte als Ausflugsziel

Das "Kaiserin Elisabeth" präsentiert sich heute als feines Golfhotel, mit drei Golfclubs in der Nähe. Sissis damals schon bröckelndes Lieblings-Schloss Possenhofen wurde in eine edle Eigentumswohnungs-Residenz mit einem öffentlichen Park am Seeufer umgewandelt. Es musste im Film als Ersatz für die schräg über den See liegende wahre Königs-Residenz Schloss Berg herhalten, für das die Wittelsbacher die Drehgenehmigung verweigerten. Auch der tragische Filmtod des Märchenkönigs fand auf der Possenhofener Seeseite statt. Auf der Suche nach dem richtigen Tatort kann man heute mit dem Dampfer zum Schloss Berg übersetzen, wo eine Kirche und ein Kreuz im Wasser an den ertrunkenen Märchenkönig erinnern.

Bergsteigen für Cineasten

Hoch droben auf dem Wendelstein drehte Regisseur Marcus H. Rosenmüller viele Episoden seines sentimental-heiteren Mundart-Films "Wer früher stirbt, ist länger tot". Und Franz Xaver Kroetz stand im vergangenen Jahr beim Remake des "Brandner Kaspar" hoch auf der Westflanke der Benediktenwand. Er spielt die Hauptrolle in dem schlitzohrigen Gefecht des Bayern mit dem Tod, in Gestalt des Boanlkramer, gespielt von Bully Herbig. Regie für den Fünf-Milllionen-Euro-Streifen führte Joseph Vilsmaier.

Förster und Kommissar in Bad Tölz

Bad Tölz und das 30 km entfernte, denkmalgeschützte Hollerhaus in Irschenhausen liefern seit einem Jahrzehnt die Kulisse für die populäre Sat1-Krimiserie "Der Bulle von Tölz", in der Kommissar Benno Berghammmer (Ottfried Fischer) ermittelt und im deftig bayerischen Stil alle Mordfälle löst. Auch die TV-Dauerserie "Forsthaus Falkenau" aus dem fiktiven niederbayerischen Dorf Küblach liegt drehtechnisch oft in Bad Tölz. Das ZDF-Team reist immer mal wieder ins Tölzer Land, um Förster Martin Rombach (Christian Wolf) beziehungsweise nun seinen Nachfolger Hardy Krüger jr. mit seinen Liebes- und Leidgeschichten in Szenen zu setzen.

Die Kurstadt nutzt geschickt die TV-Werbung und bietet Neugierigen ausführliche Führungen zu den Drehplätzen samt Klatschstorys an. Beim anschließenden Quiz kann man eine Statistenrolle gewinnen. Es lohnt sich auch eine Fahrt zum bäuerlichen Hollerhaus, wo Ferienzimmer zu mieten und wechselnde Kunstausstellungen anzusehen sind.

Krimis aus Oberbayern

Um im Krimigenre zu bleiben: Auch viele Szenen der 97-teiligen Kultserie "Der Kommissar" (Erik Ode, Elmar Wepper) entstanden im Münchner Umland. Zum Beispiel in der Zugspitzstraße in Stockdorf bei Gauting, dem Wohnort des Regisseurs Michael Braun. Die Straße und seine Villa tauchen in den sechs Serienteilen auf, die 1974 und 1975 gedreht wurde. Nachbarn erinnern sich, dass damals die großen Fenster abgeklebt wurden, um Nachtlicht zu schaffen, und auch mal ein Kampftaucher durch den Garten stampfte.

Der Krimi "Wolf im Schafpelz" in der ARD-"Tatort"-Reihe wurde 2001 fünf Wochen lang auf dem historischen Schafzüchter-Gutshof Hochmutting bei Oberschleißheim abgedreht. Die Kommissare Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec suchten den Mörder des Gutsverwalters und stießen dabei auf illegales Schächten, falsch etikettiertes Fleisch, gepanschte Futtermittel, einen störrischen Schafzüchter (Franz Xaver Kroetz), und einen morschen Heuboden, der dramaturgisch rechtzeitig zusammenkrachte. Der große Fachwerkhof mit seinen uralten Alleebäumen in einer ebenen Heidelandschaft begeistert übrigens nicht nur Kamerateams; auch Skater und Radler schätzen Hochmutting als Ausflugsziel. Die Züchterfamilie Hoyler hat "Tatort"-Leute noch in guter Erinnerung, weil sie wenig gestört hätten: "Die haben nur ab und zu ein paar Lämmer gebraucht, die wir ihnen dann hingestellt haben".

Wer das Filmende des berüchtigten Räubers Mathias Kneißl nacherleben will, sollte sich nach Freising aufmachen. Im "Alte Gefängnis" am Domberg spielt der Schlussakt des Wilderer-Epos. Es erzählt die Geschichte eines bayerischen Revolutionärs, der gleichzeitig ein meistgesuchter Verbrecher und ein Volksheld war. Sein tragisches Ende fand er 1902 in Augsburg. Aber die 350 Jahre alte Fronfeste mit einem Hexenturm, Folterräumen, Gefängnis und Gerichtssälen inmitten der Freisinger Altstadt gefiel den Location-Scouts besser. Ein Teil des Gebäudes ist vor einem Jahr zu einem urigen Weinlokal und Kunstausstellungsräumen herausgeputzt worden. Und seitdem die Fronfeste eine Hauptrolle spielt, läuft der Laden, denn nun tauchen Scharen von Neugierigen vor Ort auf.

Immer wieder Sissi

Im vergangenen Herbst begannen die Dreharbeiten Klappe für einen "Romy"-Fernsehfilm mit Jessica Schwarz in Schönau am Königssee. Dort, in Magda Schneiders Villa "Mariengrund", verbrachte Romy ein paar friedliche Kinderjahre. Die neuen Besitzer haben die Villa zwar radikal umgebaut. Doch wer auf den Spuren der tragischen Schauspielerin wandeln will, kann zumindest ihre verträumte Heimat-Aussicht auf den tiefblauen Königsee und den fernen wuchtigen Watzmann nachempfinden. Der Film wird im November in der ARD ausgestrahlt.

Das Berchtesgadener Land spielt eine wichtige Rolle in dem Bergdrama "Die Nordwand" über zwei heimische Gebirgsjäger, die 1936 beim Versuch, die berüchtigte Eiger Nordwand als Erste zu bezwingen, verunglückten. Der makabre Aspekt des Films: Die Gäste eines fernen Luxushotels verfolgten die Katastrophe per Fernglas. Für die Heimataufnahmen der beiden Berchtesgadener Extremkletterer Toni und Andi drehte Regisseur Philip Stölzl an Original-Schauplätzen wie der Berchtesgadener Kaserne und dem Bräustüberl.

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