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"Schande", "Sparwahn", "Lachnummer"

Weil vier Bahnmitarbeiter krank sind, fahren viele Züge einfach an Mainz vorbei. Ab Montag wird alles noch schlimmer. Die Kunden sind jetzt schon genervt - und machen ihrem Ärger Luft.

Von Daniel Bakir

  Viele Züge halten derzeit nicht am Mainzer Hauptbahnhof

Viele Züge halten derzeit nicht am Mainzer Hauptbahnhof

  • Daniel Bakir

Es ist eine Posse, wie sie wohl nur die Bahn produzieren kann. Weil vier Fahrdienstleiter krank und drei im Urlaub sind, ist der Mainzer Hauptbahnhof seit Tagen zeitweise vom Betrieb abgeschnitten. Im Mainzer Stellwerk sind nur acht Mitarbeiter übrig - zu wenig, um die Weichen für alle Züge zu stellen, die planmäßig in Mainz halten sollen. Nur acht von zehn Schichten können besetzt werden, seit einer Woche brettern die Fernzüge deshalb abends und nachts an der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt vorbei. Mittlerweile hat Verkehrsminister Peter Ramsauer das Problem zur Chefsache erklärt. Aber auch er wird sich nicht persönlich ins Stellwerk Mainz stellen.

So wird ab Montag alles noch schlimmer. Der Mainzer Notfahrplan sieht vor, dass es ab nächster Woche auch tagsüber zu Einschränkungen kommt. Neben dem Fernverkehr wird dann auch der Regionalverkehr betroffen sein. Statt jede halbe Stunde werden die Regional- und S-Bahnen nur noch stündlich fahren. Die Einschränkungen sollen bis Ende August bestehen bleiben. Vor allem Pendler und Reisende, die zum Rhein-Main-Flughafen nach Frankfurt wollen, sind betroffen.

Für die Bahn ist die Panne ein Desaster. Schon jetzt sind die Kunden genervt und entladen ihren Frust: "Ich finde es empörend, dass durch jahrelange gefährliche Personaleinsparung jetzt der Bahnhof der Landeshauptstadt Mainz lahmgelegt wird. Ich überlege, meine Bahncard zu kündigen", schreibt ein Bahn-Kunde auf der Facebookseite der Bahn. Andere sprechen von "Schande", "Sparwahn", oder "internationaler Lachnummer". Vor allem aber quälen die Bahnfahrer in der Metropolregion ganz praktische Fragen: "Hallo Bahn Team! Kann man sein Sprit-Geld bei der Deutschen Bahn einfordern, wenn man eine gültige Fahrkarte hat und die Züge nicht fahren?", fragt etwa eine Kundin, die am Abend einfach nicht mehr mit der Bahn nach Hause gekommen war.

Kein Taxiservice für Betroffene

Die Bahn bietet an, für Fahrkarten von oder nach Mainz Hbf die Zugbindung aufzuheben oder das Ticket zu stornieren, sollte der Zug nicht in Mainz halten. Sollten nur Umwege zum Ziel führen, gilt die Fahrkarte auch für die Alternativroute. Spritgeld oder Taxigutscheine gibt es nicht. "Wir gehen davon aus, dass der Ersatzfahrplan funktioniert", sagt ein Bahnsprecher stern.de. "Wir werden keinen Notverkehr mit Bussen oder Taxen einrichten."

Die Kunden sind vom Notfallmanagement der Bahn nicht wirklich überzeugt: "Hallo, ich müsste nächstes Wochenende nach Mainz, trau mich aber natürlich nicht, dafür ein Bahnticket zu kaufen, da ihr ja Ferien macht und keiner weiß, wie lange", schreibt ein Kunde an das Social-Media-Team der Bahn. Pendler mit Monatskarte sind sauer, dass sie für das gleiche Geld nun eine halbe Stunde länger zur Arbeit brauchen oder zu spät an der Kita ankommen, um die Kinder pünktlich abzuholen. Manche flüchten sich in Galgenhumor. "Das müsste reichen: 3 Bücher, 1 aufgeladener iPod, 20 Seiten Spanisch-Vokabeln, 1 Notizblock. Vorbereitung auf #Mainz - #Koblenz mit #Bahn", schreibt eine Twitternutzerin.

Der Fahrgastverband Pro Bahn spricht ebenfalls von einer "Blamage für die Bahn". Auf der Homepage des Landesverbands Rheinland-Pfalz wurden am Freitag die Informationen über Entschädigung für Fahrgäste aktualisiert. Außerdem bietet der Verband einen Musterbeschwerdebrief zum Download, mit dem sich Kunden über die "Zustände am Mainzer Hauptbahnhof" direkt an Bahnchef Rüdiger Grube wenden können. Das Schreiben enthält die Formulierung: "Ich möchte Sie bitten, bei der Beantwortung meiner Beschwerde auf Textbausteine zu verzichten."

Andere bewältigen ihren Frust lieber mit Ironie: Ein Kunde mutmaßt auf der Facebookseite des Konzerns, die Bahn wolle jetzt ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen zu Fahrdienstleitern ausbilden. Und wenn daraus nichts werde, seine Oma habe auch Zeit. "Nur donnerstags ist leider Seniorenkaffee."

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Mitarbeit: Alexander Sturm

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