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Urlaubsfrust statt Reiselust

Die Unsicherheit hat die Tourismusbranche erreicht, so lautet das Fazit der 32. Deutschen Tourismusanalyse. Nach Jahren des kontinuierlichen Wachstums fuhren erstmals weniger Bundesbürger in den Urlaub. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

  Dichtgedrängt am Strand des Ostseebades Kühlungsborn: Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den Gewinnern unter den Urlaubszielen

Dichtgedrängt am Strand des Ostseebades Kühlungsborn: Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den Gewinnern unter den Urlaubszielen

"Deutschland hatte 2015 eine Sonderstellung", sagte Ulrich Reinhardt, der wissenschaftliche Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen, bei der Vorstellung der neusten Tourismusanalyse auf der Messe "Reisen" in Hamburg. Denn im Gegensatz zu den Zahlen der Welttourismusorganisation, die für das vergangene Jahr mit fast 1,2 Milliarden Reisenden ein Plus von 4,4 Prozent verzeichnet, hat in Deutschland die Reiseintensität erstmals seit der Finanzkrise 2010 abgenommen.

Im Jahre 2014 waren es noch 57 Prozent der Deutschen, die eine Reise von mindestens fünf Tagen Dauer unternahmen. Jetzt liegt dieser Anteil aktuell bei nur noch 54 Prozent, wie die repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK für die Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen ergab.

Am stärksten ist der Einbruch mit sechs Prozent in der Generation 55plus, der "Motor für den Tourismus der vergangenen Jahre", so Reinhardt. Der Zukunftsforscher spricht sogar von einem "Erdrutsch". Denn die "Best Ager" verfügen eigentlich über überdurchschnittlich viel Einkommen und Freizeit. Jetzt zögern sie und über Zurückhaltung bei den Buchungen.

Das Urlaubsglück: Sonne Strand und Meer

Den allgemeinen Rückgang um drei Prozent erklärt Reinhardt mit der wachsenden Unsicherheit in der Bevölkerung im Hinblick auf den Urlaub. Die "German Angst" werde durch eine wachsende Zahl von Terroranschlägen geschürt. Ebenso zeigen sich besonders Ältere skeptisch im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung. Erstmals seit Jahren sank auch die Reiseintensität der jungen Generation zwischen 14 und 34 Jahren. Nur für Menschen in der Altersgruppe von 35 bis 54 Jahren ist der Urlaub auf Balkonien keine Alternative. Für diese Gruppe der meistens Berufstätigen wurde ein Plus von zwei Prozent verzeichnet.


Bei den Urlaubszielen bleibt Deutschland unangefochten auf Platz eins. Im Zehn-Jahresvergleich gehört Mecklenburg-Vorpommern zu den Gewinnern. Das Bundesland konnte den Anteil fast verdoppeln, während Ziele in Niedersachsen und Schleswig-Holstein eher rückläufig sind.

Bei den Auslandsreisen ist Spanien weiterhin der Spitzenreiter mit 14,2 Prozent, gefolgt von Italien, der Türkei und Österreich - wobei die letzten beiden Länder Marktanteile verloren haben.

Talsohle durchschritten

Als stabil erweist sich seit Jahren der Fernreisemarkt mit elf Prozent. Gewinner 2015 waren Länder in Asien und in der Karibik. Während Destinationen im Mittleren Osten Einbußen verzeichneten, verreisten nahezu gleichbleibend viele Deutsche in die Vereinigten Staaten und Kanada.

  Der Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt stellt auf der Messe "Reisen" in Hamburg die Deutsche Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen vor

Der Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt stellt auf der Messe "Reisen" in Hamburg die Deutsche Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen vor


Eine gute Nachricht gibt es bei der Reisedauer. In der vergangenen Reisesaison stieg erstmals seit 1980 die Anzahl der Tage, die die Deutschen während ihres Haupturlaubs am Stück verreist sind: auf 12,6 Tage im Durchschnitt. Reinhardt sieht dafür zwei Gründe: "Erstens die überdurchschnittlich hohe Anzahl von Auslandsreisen im Jahr 2015 – so stieg mit der Reiseentfernung auch die Anzahl der Übernachtungen vor Ort. Zweitens scheinen viele Bundesbürger nicht bereit zu sein, die besten Wochen des Jahres noch weiter zu verkürzen."

Die allgemein ansteigende Zukunftsangst wird auch das Reisejahr 2016 bestimmen. Von 100 Befragten sind 37 Prozent noch unsicher, ob sie eine längere Reise von fünftägiger Dauer antreten werden. Bei den Zielen bleiben Spanien, Italien und auch Griechenland populär. Jedoch wird - wie schon 2015 - die Türkei weiterhin Rückgänge verkraften müssen: Mit bis zu einem Drittel weniger Gäste rechnet Reinhardt. Doch der Experte bleibt optimistisch: "Mehr als sieben von zehn Bundesbürgern sitzen bereits jetzt auf gepackten Koffern und wissen genau, wohin sie fahren werden."

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