21. November 2012, 13:00 Uhr

Bilder vom Pannen-Airport

Ein Airport ohne Flugzeuge und Passagiere. Eine Baustelle ohne Arbeiter im Stillstand. Berlins Vorzeigeprojekt verkommt weltweit zum Gespött - ein Rundgang durch den Geisterflughafen. Von Till Bartels

Die peinlichste Baustelle Deutschlands dämmert vor sich hin. November-Tristesse an Europas modernstem Flughafen, dessen Starttermin schon dreimal verschoben wurde. Bei meinem letzten Besuch des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg im April, nur wenige Wochen vor der geplatzten Eröffnung am 3. Juni, herrschte auf dem Flughafenareal noch Hochbetrieb. Tausende von Arbeitern und Handwerkern legten sich für den Endspurt ins Zeug.

Nun herrscht tote Hose im Terminal. Kein Personal, keine Passagiere und auch keine Komparsen, die Flughafen spielen. Der nächste Eröffnungstermin ist mit dem Beginn des Winterflugplans Ende Oktober 2013 geplant - also 17 Monate später als urspünglich geplant. Mängel beim Brandschutz waren der Grund für die kurzfristige Verschiebung der Eröffnung.

Der Weiterbau lässt auf sich warten. Baupläne fehlen, Termine sind geplatzt, Zulieferer mussten inzwischen Konkurs anmelden. Zum momentanen Stillstand der milliardenschweren Großbaustelle hat die Entscheidung beigetragen, dass im Mai der technische Geschäftsführer Manfred Körtgen gefeuert und dem langjährigen Planungsbüro PG BBI fristlos gekündigt wurde.

"Man hat Berlin und die Region lächerlich gemacht", sagt Andreas Otto, der Grünen-Bauexperte im Berliner Abgeordnetenhaus. Er kritisiert, dass der Aufsichtsrat des Flughafens schlecht beraten war, als erstes das Planungsbüro herauszuwerfen. Doch Rainer Schwarz, Sprecher der Geschäftsführung des Flughafens, rechtfertigte sich auf einer Veranstaltung des Luftfahrt-Presse-Clubs in Berlin: "Die Pläne bei der Übergabe hatten nicht ansatzweise die Qualität, die uns suggeriert war." Die Opposition in Berlin und Brandenburg fordert dagegen den Rücktritt von Schwarz, der für das Flughafendesaster verantwortlich ist und viel zu spät die Reißleine gezogen hat.

Horst Amann, der neuer Technikchef, soll das Debakel in den Griff bekommen. "Der Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 steht, er ist aber kein Selbstläufer", sagt er. Ein Hoffnungszeichen gibt es. Immer dienstags kommt Bewegung in den verwaisten Flughafen. Dann wird wenigstens die Gepäckanlage angestellt, damit die Förderbänder nicht einrosten. "Werterhaltungsbetrieb" nennt das ein Flughafenmitarbeiter.

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