31. Oktober 2012, 10:53 Uhr

Mann über Bord

Neue Episode im Traumschiff-Drama: Zwischen dem Eigner der "MS Deutschland" und deren entlassenen Kapitän könnte es zu einem Rechtsstreit kommen. Kapitän Jungblut wird Indiskretion vorgeworfen. Von Katharina Grimm

MS Deutschland, Peter Deilmann, Aurelius, Andreas Jungblut, Kreuzfahrten

Erfuhr seine fristlose Entlassung aus der Presse: Andreas Jungblut, der 13 Jahre der "MS Deutschland" als Kapitän diente.©

Nach der fristlosen Entlassung des langjährigen Kapitäns der MS "Deutschland" prüft Verdi jetzt rechtliche Schritte gegen die Reederei Deilmann. "An Kapitän Jungblut soll ein Exempel statuiert werden", sagte Karl-Heinz Biesold, Bundesfachgruppenleiter für Schifffahrt. Die "MS Deutschland" ist aus der ZDF-Reihe "Traumschiff" bekannt. "Wenn es um die Belange der Besatzung und der Gäste ging, war Kapitän Andreas Jungblut derjenige, der sich ganz im Sinne der Reederei eingesetzt hat, um Schaden von ihr abzuwenden", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle.

Der Streit droht somit für lange Zeit das Image der Reederei und ihres Flaggschiffs in der Öffentlichkeit zu belasten. Die Reederei Deilmann, die seit 2010 zu dem Finanzinvestor Aurelius gehört, beruft sich nach eigenen Aussagen bei der Kündigung auf "wiederholte Fälle von illoyalem Verhalten und Vertrauensbruch".

Jungblut, der seit 13 Jahren als Kapitän der "MS Deutschland" tätig ist, hatte sich in den vergangenen Monaten immer wieder öffentlich zu Wort gemeldet. Die Indiskretion, aber auch sein generelles Verhalten, habe die Reederei zu diesem Schritt getrieben, sagte eine Deilmann-Sprecherin.

Kaufinteressenten aus China und Korea

Erst vor wenigen Tagen hatte Jungblut in einem Interview erklärt, dass das Traditionsschiff ins Ausland verkauft werden solle. Es gebe Kaufinteressenten aus China und Korea. Angeblich scheiterte eine Übernahme an unterschiedlichen Preisvorstellungen, zitierte die "Bild"-Zeitung den Kapitän. Die Reederei wies den Bericht zurück. "Die 'MS Deutschland' bleibt deutsch", betonte die Sprecherin.

Bereits im Sommer hatte Jungblut Unternehmensinterna öffentlich gemacht. Damals wollte die Reederei die "MS Deutschland", das letzte unter deutscher Flagge fahrende Kreuzfahrtschiff, künftig unter maltesischer Flagge fahren lassen. Jungblut kämpfte für die deutsche Flagge - und hatte schnell viele Unterstützer auf seiner Seite. Aufgrund des öffentlichen Drucks fährt das Schiff weiterhin unter deutscher Flagge.

Nun aber muss Jungblut von Deck gehen. Zwar gebe es aktuell keine Bestrebungen, das Schiff zu verkaufen, heißt es bei Deilmann. Doch Aurelius ist auf Übernahmen, Sanierung und den Weiterverkauf von Unternehmen spezialisiert. Dass die "MS Deutschland" zu einem späteren Zeitpunkt verkauft werden könnte, kann man auch bei Deilmann nicht ausschließen. Konkrete Zahlen zu den Umsätzen und Gewinnen nennt weder Aurelius noch die Reederei. "Wir befinden uns auf dem Weg der Sanierung", so die Sprecherin. Einem Gutachten von 2010 zufolge ist das Schiff zwischen 65 und 75 Mio. Euro wert.

Übernommen aus ... FTD www.ftd.de

Von Katharina Grimm
 
 
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