
Touristen auf Erkundungstour in den Gassen von Omis© Wolfgang Thieme/dpa
Er und seine Kollegen sind sehr aufmerksam. Der "Krakensalat", den er bringt, ist zwar recht fad, aber das Cevapcici prima; das Radiogedudel lästig, aber der Standort einmalig, und wenn Hotelmanager Petar, der sein Handwerk am Starnberger See gelernt hat und entsprechend gut Deutsch spricht, sein solides Preis-Leistungs- Verhältnis aufrechterhält, wird er sich hier, pardon: bestimmt ein goldenes Horn verdienen. Zu Recht.
Schlendert man auf der Promenade durch den Nadelwald zwischen Küste und großen Hotels weiter, taucht alsbald Bols charmanter Hafen auf. Die Abendsonne beleuchtet das Gestein am Grund unterhalb der Kaimauer, sodass die Ausflugsboote darüber zu schweben scheinen. Die Wolken erröten, Jungs fischen, ein Spitz verbellt Mofas. Durch die autofreien Gassen wird flaniert auf Mondschein komm raus. Mit Brac vermag unsere Reise ins Blaue also einen gelungenen Auftakt zu verzeichnen. Und die Steigerung folgt in der Stadt Hvar auf der Insel Hvar.
Da man erst nach Split zurückmuss, um dorthin zu gelangen (es gibt keine direkte Autofähre, nur eine für Fußgänger), ist es bereits spät, als die neue Unterkunft feststeht - nach ausgiebiger Suche und fieberhafter Selbstprüfung: 150 Euro pro Nacht! Eigentlich 240, doch der Hotelier ist die Nonchalance in Person. So ziehen wir, besoffen vom eigenen Leichtsinn, in ein bildschönes, erst 2006 als Hotel Park wiedereröffnetes Gebäude mit Ursprung im 16. Jahrhundert. Insbesondere nachts reißt der Panoramablick aus den Fenstern der 83-Quadratmeter-Suite im Dachgeschoss derart hin, dass man kaum zu Bett will.
Mit leichtem Hall dringt das internationale Stimmengewirr der Nachtschwärmer herauf. Es schlägt zwölf, von der Kirche Sveti Marko, vom fünfstöckigen Glockenturm neben der Kathedrale des Sveti Stjepana mit ihrer Renaissancefassade und auch vom Uhrturm (erbaut anno 1466) neben der venezianischen Stadtloggia. In deren Foyer eröffnet tags darauf eine Ausstellung: 140 Jahre organisierter Tourismus auf Hvar. 1868 gründete eine Gruppe von lokalen Honoratioren eine "Gesundheitsgesellschaft". Das Seebad Lesina, wie Hvar einst hieß, galt als "Madeira Österreichs". Zu k. u. k.-Zeiten legten die Schiffe des Österreichischen Lloyd Triest außer in Korfu auch in Hvar an.

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Diese historische Verbindung schlägt sich bis heute akustisch nieder: In den Restaurants spricht man verbreitet Deutsch mit Schmäh, Gäste wie Inhaber. Kellner Romeo Barnjak hat 30 Jahre in Bregenz gelebt, bevor vor er die dortige Existenz preisgab, um seine Heimat kennenzulernen: "Wirtschaftlich schwierig ist es inzwischen nicht mehr nur in Kroatien, und hier habe ich wenigstens das Meer!"
Nicht leicht, diese schöne Stadt zu verlassen. Zumal eine Direktfähre nach Korcula erst in zwei Tagen geht. Also umdisponiert! Machen wir doch einen Längsschnitt durch die über 68 Kilometer ausgedehnte, zwölf Kilometer schmale Insel. Fantastische Route, die nicht nur Abstecher nach Milna und Stari Grad, Vrboska und Jelsa erlaubt: Ein Panorama jagt das nächste, und die Wildnis duftet womöglich noch betörender als auf Bra‡. Hier floriert noch die Flora! Vom winzigen Fährhafen Su‡uraj am Ostzipfel setzen wir in halbstündiger Fahrt aufs Festland über. Biegen bald von der Magistrale, der Küstenstraße zwischen Dubrovnik und der Halbinsel Istrien, nach Makarska ab. Und checken nach all dem Lesina-Luxus nun im windigen achten Stock des Drei-Sterne- Hotels Dalmacija ein (54 Euro). Gleich beim Frühstück gähnt uns ein blau tätowierter Bizepsbrite entgegen.
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Ausgabe 31/2008