
In Lecce: An der Säule des Amphitheaters beginnt die historische Via Appia© Picture-Alliance
Einer von Silibellos Lieblingswinzern ist Luca Attanasio. Er lebt in Manduria, der Wein-Hauptstadt im Süden der Region, und ist so etwas wie ein sanfter Rebell. Gerade mal 10.000 Flaschen seines Primitivo füllt der 32-Jährige im Jahr ab, mit Hingabe, Stolz und selbst gedruckten Etiketten. Mit verständnislosem Kopfschütteln haben seine Kollegen reagiert, als er beschloss, den Traubenmost nicht mehr in der Kooperative verpanschen zu lassen, sondern in eigener Regie auszubauen. Selbst sein Vater war skeptisch. Heute stehen beide Schulter an Schulter zwischen den Weinreben und schneiden die Trauben ab. "Erst ihr Fremden habt uns bewusst gemacht, dass unsere campagna nicht nur Mühsal und Frust bedeutet, sondern auch Leidenschaft und Glück", sagt Attanasio.
Dabei können neben Land und Meer auch Apuliens Städte verzaubern. Beim Gang durch die Ruinen der antiken Hafenstadt Egnazia zum Beispiel begleitet einen der Duft wilden Oreganos. Die Stadt war einst von Apuliens Ureinwohnern, den Messapiern, gegründet worden und wurde von den Römern zur Blüte gebracht. Im Städtchen Polignano a Mare, dessen hell gekalkte Häuschen sich am äußersten Rand einer Felsschlucht in den Himmel recken, starrt man mit tropfendem gelato und angehaltenem Atem über 20 Meter tief ins Meer. Und in den Gassen von Ostuni, der "Weißen Stadt" mit ihren maurischen Wurzeln, meint man gar die Rufe des Muezzins zu hören.
Der Höhepunkt jedes Streifzugs durch den Stiefelabsatz aber ist Lecce, Kapitale des apulischen Barocks. Die Paläste entlang der Via Palmieri tragen wie die Kirchen und der Dom überschwängliche Schnörkeldekorationen an ihren Fenstern und Fassaden. Der pure Kitsch, doch der nüchterne Kalkstein verleiht ihnen mediterrane Eleganz. Am schönsten ist Lecces Altstadt im frühen Abendlicht, wenn die Häuserwände unter dunkelviolettem Himmel rosarot zu glühen beginnen. Auf der zentralen Piazza Sant'Oronzo klingt Musik von Tamburinen und Geigen herüber. Zu den immer schneller werdenden Rhythmen tanzen junge Leute die Pizzica, ein uraltes Ritual, mit dem sich die Bäuerinnen einst von Schlangenbissen und anderen Übeln befreien wollten. Von einer römischen Säule blickt der heilige Oronzo auf das Bild prallen Lebens zu seinen Füßen. Er ist Lecces Schutzpatron - geliebt und verehrt für die vielen Mirakel im Wunderland zwischen den Meeren.
Tipps und Adressen Anreise: Air Berlin, Tuifly, Ryanair und Lufthansa fliegen nach Bari oder Brindisi.
Übernachten: Am schönsten wohnt man in den antiken Masserien des Salento, also südlich von Bari bis zur Absatzsohle bei Gallipoli, etwa in der Masseria Lamiola Piccola in Montalbano, DZ/F ab 100 Euro, oder ganz familiär in der Masseria Ottava Piccola in Montalbano, DZ/F ab 76 Euro. In Lecce empfiehlt sich das in einem alten Palais gelegene B&B Dimora Barocca , DZ/F 70 Euro,
Essen: Cibus, Via Chianche di Scarano 7, in Ceglie Messapica, Tel.: +39/0831/38 89 80, Antichi Sapori, Piazza Sant'Isidoro 8/10 in Montegrosso (Andria), Tel.: +39/0883/56 95 29.
Wo Baden am schönsten ist: Die Baia delle Zagare auf dem Gargano, die Felsbuchten zwischen Monopoli und Santa Maria di Leuca, die Dünenstrände zwischen Savelletri und Torre Guaceto und die Sandstrände bei Porto Cesareo, Torre Vado und Torre Chianca.