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6. September 2008, 08:48 Uhr

Kroatien Immer der Nase nach

Schon lange vorm Krieg (1991-1995) blühte an der Makarska-Riviera der Pauschaltourismus. Das allgegenwärtig erscheinende Biokovo-Massiv rückt hier ein wenig ab vom Meer, erreicht mit dem Sveti Jure aber die höchste Höhe (1762 Meter), und die terrassenförmig in seine Ausläufer gebaute Stadt genösse spektakulären Meerblick, versperrte den nicht ein Riegel aus Bettenburgen der jugoslawischen Ära. Dem noch spärlichen Publikumsverkehr sei Dank ist es trotzdem nicht unangenehm, in eines der Cafés einzukehren. Man sitzt unter Kiefernkronen direkt auf dem Strand, dessen Kiesel-Schotter-Splitt-Mischung an etwas Bestimmtes erinnert. Woran, fällt einem ein, als man einen Zimmerpuma beim Scharren beobachtet. "Ja, das macht die Katze froh …" (Helge Schneider).

Hm. Na gut, im städtischen Franziskanerkloster besichtigt man die angeblich größte Schnecken- und Muschelsammlung Europas. Und flaniert schließlich an den Cafés, Nippes- und Klamottenbuden entlang. Doch schon seit dem ersten Plüschtier-Greifarm-Automaten mit eingebauter Schlagerplatine sehnt man sich nach dem Bukett des verlorenen Paradieses zurück. Eine Reihe Zypressen steht am Straßenrand stramm, als wir aus der Stadt fliehen - 1762 Meter in die Höhe. Bis zum Eingang ins Biokovo- Reservat dauert's eine Viertelstunde mit dem Auto. Dann hebt sich für 30 Kuna (4 Euro) die Mautschranke, und das Abenteuer beginnt - ein sehr empfehlenswertes, vorausgesetzt, man hat Nerven, Nacken und Fahrzeug stets unter Kontrolle. Die Straße zum und vom Gipfel des Sveti Jure ist zwar nur rund 25 Kilometer lang. Ab Baumgrenze allerdings einspurig! Wenn Gegenverkehr in Person eines Stuttgarter Rentners im Benz mimisch klagend seine bandagierte Hand präsentiert, muss man schon mal den Mietwagen (Schadens-Selbstbeteiligung 600 Euro) 100 Meter auf-, ab- und rückwärts durch ungesicherte Serpentinen lenken, bis sich die Indiana-Jones-Gedenkpiste leicht ausbeult, sodass man mit eingeklappten Außenspiegeln aneinander vorbeischlüpfen kann.

Split

Belohnt wird man mit grandiosen Aussichtspunkten sowie, am Ziel, mit 360- Grad-Blick auf ganz Dalmatien. Außerdem ist der Biokovo im Frühsommer ein einziger gigantischer Steingarten mit den reizendsten Blütengewächsen, teils nur hier vorkommend, und Gebirgsgetier von Ziegen über Gämsen bis hin zu - Kühen!? Mit schaukelndem Euter trottet die Schwarzbunte in aller Seelenruhe vor unserem Konvoi her (und zwar "Kampflinie", wie es in der Formel 1 heißt). Gefühlte zehn Kilometer später erst macht sie Platz, nicht ohne entnervten Schulterblick.

Vorm Heimflug ist noch Zeit, sich einen Eindruck von der Altstadt Splits zu verschaffen, entstanden innerhalb der historischen Mauern vom Kaiserpalast des Römers Diokletian. In den von quirligstem Leben erfüllten Gassen begegnet man den Zeugnissen von 1700 Jahren Geschichte, verwaltet von Gesangstrios in Trachten und Dutzenden Reiseführern, die in allen europäischen Hauptsprachen dozieren. Hunderte von höchst urbanen Shops residieren in dem alten Stein. Und draußen vor den Toren, auf der mit gewaltigen Marmorplatten gepflasterten, piazzabreiten Palmenallee tummeln sich, Handy links, Prada- Täschchen rechts, anscheinend Croatia's next Topmodels - und all das vor der Kulisse des adriatischen Himmels. "Wie kann das Licht, das das Nichts ist, so blau sein?" fragt Schriftstellerin Liane Dirks*. Genau das ist die Frage.

Tipps + Adressen Anreise Direktflüge nach Split, z. B. von Hamburg für ca. 330 Euro (in der NS ab 200 Euro) Telefon Vorwahl Kroatien 00385 Währung 1 Kuna entspricht ca. 0,14 Euro Fährenpreise inkl. Pkw Split–Supetar (Brac): 20 Euro Split–Stari Grad (Hvar): 39 Euro Sucuraj (Hvar)–Drvenik (Festland): 13 Euro Unterkünfte/Restaurants In Bol auf Brac: Hotel Centar Marijan, direkt am Zlatni rat (Goldenes Horn), 2-Bett-Apartment mit Dusche/WC ab 40 Euro inkl. F., Tel.: (0)21/71 79 91 (www.centar-marijan.hr). In Hvar auf Hvar: Hotel Park, luxuriöse Zimmer zwischen 100 und 350 Euro, Tel. (0)21/71 83 37 (www.hotelparkhvar.com). Das Essen im „Gostionica 4 Palme“ an der Riva und auf dem gegenüberliegenden Pier im „Jerolim“ ist empfehlenswert. In Makarska auf dem Festland: Hotel Dalmacija, Zimmer/F ab 39 Euro (www.hoteli-makarska.hr).

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Ausgabe 31/2008

Von Frank Schulz
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