
Die Kirche San Volto: Architekt Mario Botta spielt auf das Turiner Grabtuch an© Ludwig Moos
In hundert Ländern ist Slow Food inzwischen zuhause. Zeitgleich mit ihrem Salone Internazionale del Gusto, zu dem sich im Oktober Produzenten und Konsumenten in den Messehallen des Lingotto treffen, erweitert die Organisation mit dem Logo der Schnecke ihr Design nachhaltiger Nahrungsketten: Bei Terra Madre tauschen sich Züchter, Farmer, Händler und Köche aus, mit 1500 Abgesandten von Food Communities aus aller Welt.
Mit der Eröffnung der Ausstellung "Torino 11. Biografia di Una Città" zum Weltkongress mit 10.000 Architekten entfaltete Turin auch multimedial die Transformation der Stadt. Viele der Areale im Wandel sind noch im Werden. Bis 2011, zur Feier der 150 Jahre seit der Einigung Italiens, will die erste Hauptstadt der neuen Nation die wichtigsten Projekte vollendet haben.
Der Ort für Torino 11, die Officine Grandi Riparazioni, ist gut gewählt. Die verlassenen Werkshallen der norditalienischen Eisenbahnen, in denen Kunst und Kultur auf Dauer einziehen sollen, haben den rauen Charme des Industriezeitalters. Einen Teil der Gebäude nutzt die nahe Technische Hochschule als Brutstätten für junge Erfinder, in Zusammenarbeit mit Firmen wie Microsoft. Gleich dahinter baut Mario Bellini ein futuristisches Kulturzentrum mitsamt der neuen Stadtbibliothek. Und auch das alte Gefängnis neben den Grandi Riparazioni wartet auf seine kulturelle Umwidmung.
All das gehört zu dem ehrgeizigsten Vorhaben der Stadt. Mit der Spina Centrale zieht sie sich ein neues Rückgrat ein. Auf sieben Kilometern werden die Bahngleise, die Turin von Nord nach Süd durchtrennt haben, überbaut. Entlang der neuen Achse entstehen, oft auf den Flächen aufgegebener Fabriken, Wohnhäuser, Firmensitze, öffentliche Bauten und Parks. Bei der Station Porta Susa wird in zwei Jahren eine fast vierhundert Meter lange Galerie aus Stahl und Glas den neuen Hauptbahnhof aufnehmen, von dem aus die Hochgeschwindigkeitszüge nach Paris, Lyon und Mailand starten. An seiner Flanke zieht Renzo Piano für die Großbank Sanpaolo einen repräsentativen Sitz empor, fast bis zur Höhe der Mole Antonelliana.
Aus dem zwanzigsten Stock des Wohnblocks, der während der Olympiade Herberge der Journalisten war, nimmt die Revitalisierung der riesigen Industriebrache am Flüsschen Dora Formen an. Der Umweltpark mit den Labors der Forscher und Techniker, denen man auf die begrünten Dächer steigen kann, Hochhauscluster und Einkaufszentren, dazu jede Menge Quartiere für Startups und junge Unternehmen der Zukunftsbranchen. Einst musste die Dora für ein Fiatwerk unter einem Betondeckel verschwinden, nun entsteht an beiden Ufern ein weitläufiger Park, in dem markante Zeichen der Vergangenheit wie der Kühlturm von Michelin oder die Stützen der Stahlkocherei Ingest erhalten bleiben.
Wie eine Kraftstation mit Lüftungsschächten ist aus diesem Gelände die Kirche Santo Volto gewachsen. Im Innern seines starken Baus zitiert Mario Botta die als Antlitz Jesu verehrte Ikone vom Turiner Grabtuch. An Auferstehung erinnert hier vieles.
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