Bei Mietautos im Urlaub müssen Auslandstouristen oft mit bösen Überraschungen rechnen. Im seinem diesjährigen Mietwagen-Test ist der ADAC zu bedenklichen Ergebnissen gekommen: In sieben europäischen Reiseländern fiel jeder fünfte Autovermieter glatt durch. Besonders auf Santorin sollten Mietwillige gut Acht geben. Von Till Bartels

ADAC-Mietwagentest 2009: Die Tester prüften inkognito 60 Anbieter in sieben europäischen Reiseländern© ADAC
Wer über Himmelfahrt oder Pfingsten zum Kurzurlaub in den Süden fliegt, mietet sich nach der Landung einen Wagen, um das Ferienquartier zu erreichen. Auch Pauschalurlauber unternehmen während ihres Sommerurlaubs, sei es auf Mallorca oder an der türkischen Mittelmeerküste, einen Tagesausflug ins Hinterland. Dabei greifen sie auf einen Leihwagen von internationalen Firmen wie Avis und Hertz oder von einen lokalen Anbieter vor Ort zurück, der wenige Fahrzeuge im Programm hat.
Jedoch: Egal ob es sich um einen weltweit operierenden Markenanbieter oder Miniverleih handelt, die Qualität und der Service lassen sehr zu wünschen übrig. Die Tester des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) waren in Italien, Griechenland, Portugal, Spanien, Kroatien, in der Türkei und auf Malta unterwegs. Inkognito mieteten sie Autos für einen Tag. "Mittels einer einheitlichen Checkliste wurde der technische Zustand des Autos, etwa Reifen, Fahrwerk und Beleuchtung, sowie der Service, beispielsweise Versicherungsleistungen oder Vertragsgestaltung, geprüft", erläutert Roman Breindl vom ADAC die Vorgehensweise. Den Test wurde im Rahmen von EuroTest, einer Kooperation von 18 europäischen Clubs aus 17 Ländern, bereits zum dritten Mal durchgeführt.
Nur zwei Anbieter schnitten mit der Bestnote "sehr gut", ab. 32 Mietwagen-Stationen wurden mit "gut" bewertet. Testsieger wurde nach ADAC-Angaben der Autovermieter National auf der griechischen Insel Kos: Der angemietete Chevrolet Matiz sei in tadellosem Zustand und auch der Service stimmte.
Testverlierer war die Europcar-Station im griechischen Thira auf Santorin: Der Service sei dort in jeder Hinsicht "mangelhaft" gewesen. Der angemietete Nissan Micra war in einem "desolaten Zustand" gewesen. Nicht nur wegen deformierter Felgen an der Vorderachse hätte dieser Wagen nach ADAC-Angaben nicht mehr vermietet werden dürfen. Auch eine Reifenflanke war stark beschädigt, und am rechten Hinterrad fehlte gar eine Mutter.
Weitere Punkte, die die Tester bemängeln, sind fehlende Sicherheitsgurte auf der Rücksitzbank sowie Airbags für den Beifahrer und Fahrzeugpapiere. In gut 20 Prozent der überprüften Fahrzeuge gab es keinen Verbandskasten.
Beim Service kassierten mehr als die Hälfte aller Kandidaten schlechte Einzelnoten. Mal wurden die Tester wie am Fließband abgefertigt, mal wurden sie kaum informiert oder gar unhöflich behandelt. Einweisungen in das jeweilige Fahrzeug waren eher die Ausnahme als die Regel. Bei ihren Stichproben stellten die Tester auch fest, dass es oft nur unzureichende Angaben zum Versicherungsschutz sowie zu den Preisen gab. "Die Preisspannen sind enorm", sagt ADAC-Tester Nicolas Dunka. Er gibt auch den Tipp: "Vor der Anmietung um das Fahrzeug herumgehen, die Reifen anschauen, und im Beisein des Vermieters die Schäden im Fahrzeugprotokoll festhalten."
Wer eine Mietwagenreise plant, sollte möglichst lange im Voraus buchen, empfiehlt Detlef Hoffmann vom Mietwagenbroker Auto Europe Deutschland. Denn durch die Wirtschaftslage haben viele Anbieter ihre Flotten für diesen Sommer verkleinert. Bei starker Nachfrage in den Ferienhochburgen kann es deshalb zu Engpässen kommen. Dann steigen bei spontanen Buchungen die Preise. Wichtig ist auch das Studium der "optionalen Versicherungen" - oft übersteigen die Policen in der Summe die reine Wagenmiete. Dabei wird zwischen notwendigem und zusätzlichem Schutz wie Insassenversicherungen und Diebstahlschutz unterschieden. Wichtig ist in jedem Fall eine Vollkaskoversicherungen, möglichst ohne Selbsteinbehalt. Denn die Höhe der Selbstbeteilung im Schadensfall variiert um mehrere hundert Euro.
Im Gegensatz zu anderen Untersuchungen wie beim Tunneltest, wo es zu Umbaumaßnahmen kommt, ist der ADAC mit der Reaktion auf seinen Auslands-Mietwagentest unzufrieden. "Die Reaktionen der Vermietbranche sind zu gering. Wir können auch im dritten Jahr unserer Tests keinen nennenswerten Verbesserungen feststellen, dass Mängel behoben wurden", so Dunka. "Da bekleckert sich die Mietwagenbranche nicht mit Ruhm."
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