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So kämpft Barcelona gegen illegale Airbnb-Unterkünfte

Wie keine zweite Stadt weltweit hat Barcelona der Vermietung von illegalen Touristen-Appartements den Kampf angesagt. Mit Strafen bis 600.000 Euro und ungewöhnlichen Maßnahmen - und großem Erfolg.

Ada Colau sagt Airbnb den Kampf an

Die Aktivistin und Politikerin Ada Colau: Im Mai 2015 wurde sie zur Bürgermeisterin Barcelonas gewählt - jetzt sagt sie Airbnb den Kampf an


Sie ist 2015 in ihr Amt gewählt worden und greift durch: Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau. Die 42-Jährige, die zuvor in mehreren Bürgerinitiativen aktiv war, kennt die Nöte und Sorgen der Barcelonesen. Nach Arbeitslosigkeit rangieren die negativen Auswirkungen des Massentourismus auf die Bevölkerung auf dem zweiten Platz.

Die inzwischen durch Billigflieger und Kreuzfahrttourismus angeschwellte Zahl von 30 Millionen Besuchern pro Jahr haben die Einheimischen nicht nur von den Rambles, der Promeniermeile zwischen der Plaça de Catalunya und dem Hafen, verdrängt. Die Infrastruktur mit Restaurants, Bars und Shops in der Altstadt hat sich fast komplett auf Touristen eingestellt. Nach einer Studie sind die Mietpreise für die Bewohner in den vergangenen drei Jahren in Barcelona um 33 Prozent gestiegen – mehr als in jeder anderen spanischen Metropole.

Plakat weist im Viertel Barceloneta

Das Plakat weist an einem Hauseingang im Viertel Barceloneta auf die Website Don't stay in unlicenced  tourist accomodation hin

Insbesondere die rapide gestiegene Zahl von Appartements, die in Vierteln wie der Ciutat Vella und der Barceloneta am Strand nur noch an Party-Leute vermietet werden, haben die Mietpreise für Wohnungen explodieren lassen. Der illegalen gewerblichen Vermietung von Wohnraum an Touristen und den Airbnbs dieser Welt hatte Colau im Sommer 2016 den Kampf angesagt und den Vermietern eine Schonfrist gewährt: Wer sich bis Ende September meldet und statt Touristen bedürftige Familien einziehen lässt, deren Wohnungen zwangsgeräumt wurden, käme mit einer symbolische Geldstrafe davonkommen.

700 Appartements in Barcelona dicht gemacht

Gleichzeitig wurde eine Website ins Leben gerufen, auf der Touristen überprüfen können, ob sie in einer den Behörden gemeldeten Unterkunft abgestiegen sind oder nicht. Als besonders clever erwies sich eine digitale Kampagne: Der Hinweis auf diese Website wird Barcelona-Besuchern als geocodierte Anzeige auf ihr Smartphone gebeamt, wenn sie sich in der Stadt aufhalten – unabhängig davon, ob sie im Hotel oder einem Appartement der Sharing Economy wohnen.

Flat detector auf dem Smartphone

Wohne ich einem unlizenzierten Appartement? Die Anzeige (links) auf einem in Barcelona benutzten Smartphone leitet zur Website des Flat detector weiter (rechts).

Im Rathaus ist ein 20-köpfiges Team den Hinweisen nachgegangen und hat durch Überprüfen von Seiten wie Airbnb, Wimdu, Rent4days oder TripAdvisor in Kombination mit Ortsbegehungen Hunderte von unlizenzierten Ferienwohnungen ausfindet gemacht. Inzwischen wurden Geldstrafen in Höhe von bis zu 30.000 Euro pro Vermieter verhängt, und 700 Appartements werden an Touristen nicht mehr vermietet, wie Colau in einem Interview mit Catalunya Radio am 24. November verkündete.

600.000 Euro Geldbuße für Airbnb und andere

Mit den Maßnahmen hat sich Barcelona an die Spitze einer Bewegung gesetzt, die sich für nachhaltigen Städtetourismus engagiert. Denn ähnliche Probleme mit den Sharing-Plattformen gibt es auch in Venedig, Berlin und Paris. Schon seit März vergibt das Rathaus von Barcelona auch keine neuen Lizenzen für Hotelbauten und weiteren Ferienwohnungen in der Altstadt. Laut Colau haben die meisten Vermieter ihren Strafen gezahlt und bieten ihre Wohnungen nicht mehr an.

Bei Firmen wie Homeaway und Airbnb beträgt die Geldbuße 600.000 Euro. Doch Airbnb hat gegen den Bescheid bereits geklagt. "Das Ziel ist es, dass diese (Sharing)- Plattformen keine Werbung mehr für illegale Touristenappartments machen", sagt Stadträtin Gala Pin.

Transparent in der Barceloneta

Transparent in der Barceloneta mit dem Spruch "Cap pis turistic" – keine Touristenwohnungen

Doch das harte Vorgehen ist auch umstritten. Laut catannewsagency.com nächtigen pro Jahr fast 900.000 Besucher in Appartements von 9200 Vermietern – ein großer Wirtschaftsfaktor. Denn die Gäste lassen 740 Millionen Euro in der Stadt.

Das Verhältnis zwischen Airbnb und der Stadt sei nicht besonders "konstruktiv", formuliert es vorsichtig Arnau Muñoz, der Chef von Airbnb in Spanien und Portugal. Bei dem Marktführer liegt Barcelona auf Rang fünf aller Städte weltweit. Angebote, die illegalen Wohnraum anpreisen, werden gelöscht, räumt er in einem Interview mit der Agentur Reuters ein.

Eine Umfrage unter Touristen des Rathauses ergab vor kurzem, dass 58 Prozent der Barcelona-Besucher von den Touristen genervt sind – von ihresgleichen. Bürgermeisterin Colau geht es um eine nachhaltige Tourismusentwicklung für Barcelona: "Wir möchten nicht, dass die Stadt ein billiger Souvenirladen wird."

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