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Urlaubsbetrüger entlarvt: täglich zwölf Drinks trotz Lebensmittelvergiftung

Immer mehr Briten beschweren sich über angebliche Lebensmittelvergiftungen im Urlaub und verklagen ihre Hotels. Dahinter steckt meist Abzocke. Auf Gran Canaria erkrankten angeblich zwei Touristen, gleichzeitig bedienten sie sich aber großzügig an der Hotelbar - ihr Schwindel flog auf.

Touristen im Urlaub an einem Strand auf Mallorca

Vor allem beim Mallorca-Urlaub betreiben Touristen die Masche im großen Stil - oft in Zusammenarbeit mit Anwälten. Am Ende bekommen beide Geld und das Hotel hat den Schaden.

oder Kater-Erscheinungen? Zwei britische Touristen verklagten wegen einer Lebensmittelvergiftung ihr Hotel und den Reiseveranstalter auf Schadensersatz – jetzt ist herausgekommen: Die beiden bedienten sich mehrmals täglich an der Alkoholbar.

Das schlechte Essen am Buffet soll ihrer Meinung nach Schuld daran gewesen sein, dass die beiden Touristen aus Liverpool während des Urlaubs ans Bett gefesselt waren, statt die Sonne auf Gran Canaria genießen zu können, berichtet die "Dailymail". Magenkrämpfe und Durchfall seien die Folge gewesen.

109 Besuche an der Hotelbar statt krank im Bett

Doch als die Forderungen - mehr als 15 Monate, nachdem das Paar seinen beendete - auf dem Schreibtisch des Reiseveranstalters landeten, gingen Prüfer der Sache nach. Ihr Ergebnis: Innerhalb von neun Tagen bediente sich das Paar 109 Mal an der Bar im Hotel, es gab Cocktails, Bier und Whiskey-Shots, wie es hieß. Während ihres Aufenthalts hatten sich beide weder beim Veranstalter noch beim Hotel beschwert. Doch nach Darstellung der Urlauber begannen die Probleme bereits am zweiten Tag – ihr ganzer Urlaub sei dadurch ins Wasser gefallen.

Den ganzen Tag auf Klo und trotzdem im Schnitt zwölf Getränke am Tag? Die Reiseagentur führt den Fall auf eine Reihe von Beschwerden und Klagen zurück, die besonders britische Touristen meist mehrere Monate nach der Reise an die Veranstalter richteten. So wollten sie ihr Geld zurückfordern. Der Chef des Veranstalters machte klar, dies nicht zu dulden. Man solle sich im Krankheitsfall während des Urlaubs an das Personal wenden.

Die Masche zeigt in den letzten Jahren bei den Briten Beliebtheit. Im Fokus der meisten Betrüger ist die Urlaubsinsel . Im letzten Jahr mussten Hotelbesitzer mehr als 50 Millionen Euro Schadensersatz wegen angeblicher Lebensmittelvergiftungen an britische Touristen zahlen, wie die mallorquinische Zeitung "Diaro de Mallorca" im März berichtete.

Anwälte machen mit Urlaubs-Betrug Kasse

Das Problem liegt im britischen Verbraucherrecht, das Pauschalurlaubern bis zu drei Jahre nach Reiseantritt die Möglichkeit gibt, sich über Krankheiten durch mangelnde Hygiene oder schlechtes Essen im Hotel zu beschweren. Ohne große Prüfung bekommen sie meistens Recht zugesprochen.

Touristen werden sogar auf den Straßen der Insel von Anwälten angesprochen, die von dem lukrativen Trick erzählen und einen kostenlosen Urlaub in Aussicht stellen. Alles, was sie dafür tun müssen: Dem Reiseveranstalter melden, dass sie krank geworden sind und in der Apotheke ein rezeptfreies Medikament gegen Magen-Darm-Beschwerden kaufen. Die Anwälte kassieren eine Provision, die Touristen genießen den Urlaub für lau.

Hotels überlegen bereits, keine britischen Touristen mehr aufzunehmen, die nach den Deutschen allerdings die zweitwichtigste Urlaubs-Nation für die Mittelmeerinsel darstellen. Mittlerweile hat sich die Masche auch auf anderen Inseln und dem spanischen Festland breitgemacht. Im Mai aktualisierte das britische Außenministerium immerhin seinen Reisehinweis und forderte Touristen auf, nur noch über ernsthafte Fälle zu klagen.

jnp

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