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"Mindestens eine pro Woche, manchmal zwei"

Knackig, braungebrannt und sportlich: Alexander Sever verkörpert das Klischee eines Skilehrers. Jetzt hat er seine Erlebnisse in einem Buch zusammengefasst. Ein Interview mit dem König des Après-Ski.

Herr Sever, Sie schreiben, dass es für Skilehrer bei Frauen besonders einfach sein soll. Ist das nicht ein überholtes Voruteil?

Jeder wehrt sich dagegen. Aber es stimmt sehr wohl. Der Skilehrer ist in den Alpen wie ein Popstar. Seine Bühne ist der Tiefschneehang. Dieses Klischee wird gelebt. Nur: Es ist ein Tabu, keiner spricht darüber.

Warum?

Ist doch logisch. Wenn eine Frau zur Lady-Week fährt oder zu einem Ski-Opening und es würde offen ausgesprochen, dass sie dort fremd geht, würde sie ihr Mann nicht fahren lassen. Aber so bleibt der Glaube ans Gute im Partner.

Sind Sie Skilehrer geworden, weil die es so einfach haben?

Bei mir stand am Anfang sicherlich der Sport im Vordergrund. Man will das Feuer fürs Ski fahren, das in einem brennt, auch bei anderen entzünden.

Und wann entfacht das Feuer für die Damenwelt?

Dann, wenn man merkt, wie einfach es geht. Weil man angehimmelt wird. Und weil man ein großes Portfolio zum Üben hat. Die Bandbreite der Frauen ist groß. Das ist eine nette Spielwiese, um auszutesten: Geht es wirklich bei jeder? Es ist wie ein Sog. Man spürt, was funktioniert.

Wie viele Frauen bereichern Ihren Erfahrungsschatz nach zwölf Jahren?

Es werden schon ein paar Hundert sein. Man muss es nur ausrechnen. Mindestens eine pro Woche, manchmal zwei. Bei 25 Wochen im Jahr kommt schon was zusammen.

Schon mal gedacht: Mann, was bin ich doch für ein frauenfeindlicher Arsch?

Wichtig ist doch: Ist es Spaß? Fühle ich mich gut dabei? Das gilt für die Frauen auch. Die gingen alle freiwillig mit. Es muss ein nettes Abenteuer bleiben. Das war mein Credo.

Und wo findet das Ganze statt? In der Skilehrer-Absteige?

Nein, die ist meist nicht so cool, wie viele annehmen. Es bietet sich an, in das Hotel der Damen zu gehen. Die sind ja oft in Frauengruppen unterwegs und sprechen sich dann ab: Du ich brauch mal den Schlüssel, lasst´s Euch ein bisserl Zeit mit dem nach Hause kommen. Wenn die Luft wieder rein ist, gibt`s eine SMS.

Ziemlich unromantisch ...

Man muss sich auch aus dem Staub machen, weil die Hoteliers nicht wollen, dass man morgens in der Skilehrer-Jacke durch die Lobby stolpert. Es soll ja alles clean sein, nicht wie im Rotlichtmilieu.

Warum zieht die Macho-Nummer?

Die Frauen wollen im hart erarbeiteten Urlaub was erleben. Und dann kann man als Skilehrer genau das, was der Gast selber gerne können möchte. Meist ist der Skilehrer ja auch braun gebrannt. Das schaut sexy aus. Nicht so wie der Ehemann zuhause, Topmanager vielleicht, aber weiß im Gesicht, immer schlecht drauf. Das Entscheidende aber ist: Der Skilehrer nimmt sich Zeit. Sie redet und er hört einfach immer zu, ist einfühlsam, erkennt, wenn sie sich schlecht fühlt, geht auf ihre Schwächen ein.

Und jeder sahnt ab?

Ich kenne keinen, der das nicht macht. Höchstens solche, die schon etwas älter sind.

Was treibt diese Frauen?

Das ist sehr unterschiedlich. Auch solche die gebunden sind, wollen Leidenschaft erleben. Zurück in ihrer Beziehung passt es dann wieder, weil sie sich genau das geholt haben, was fehlt. Solche Frauen haben keinen Besitzanspruch, weil sie Mann und Kinder nie verlassen würden. Aber auch diese Frauen brauchen das Hochgefühl, umworben zu werden. Der Skilehrer kennt diese Rädchen, an denen man dosiert drehen kann.

Sind Sie denn inzwischen gesättigt?

Ich habe irgendwann mit mir gehadert, fühlte mich verachtet von den Frauen, weil sie mich ausgenutzt und genossen haben. Man ist nichts anderes als ein Objekt für das Ski-Haserl, ein Abenteuer. Am Ende der Woche bist Du einfach vergessen. Sie gibt die Liftkarte ab und damit deinen Namen, deine Existenz. Sie hat ja zuhause ein anderes Leben. Du bleibst als Erlebnis zurück.

Sollen wir jetzt mit Ihnen Mitleid haben?

Nein, ich habe von einem Tag auf den anderen mein Leben umgestellt, neben dem Sport- noch ein Informatik-Studium begonnen und arbeite jetzt an der Uni. Skikurse gebe ich nur noch ein paar Wochen im Jahr.

Was hat Sie gedrängt, darüber ein Buch zu schreiben?

Ich wollte alles noch mal Revue passieren lassen und abschließen mit all dem Schmarrn.

Was ist schöner: Ski fahren oder Sex?

Wenn ich durch so einen toll verschneiten Tiefschneehang pflüge, ist das fast schöner, weil es länger dauert.

Interview: Joachim Rienhardt

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