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14. Mai 2008, 10:28 Uhr

Fußball und Fontäne

Die Uhr für die Europameisterschaft tickt. Auch in Genf, der Stadt der Uhren. Unbeirrbar rückt der Sekundenzeiger der Blumenuhr im Jardin Anglais, der mit zweieinhalb Metern als der längste der Welt gilt, sekundlich weiter vor. Von Beate Schümann

© Christof Schuerpf/swiss-image.ch

Aber von Hektik keine Spur. Von drei Fußballspielen lassen sich Westschweizer nicht leicht aus der Ruhe bringen. Sie promenieren gelassen wie immer an den Uferquais, sitzen in Cafés und schwelgen im Savoir-vivre, wie das ihre französischen Nachbarn tun. Im Genfer See treibt das Wahrzeichen der Stadt, der Jet d'Eau, mit erheblich mehr Druck seine Fontäne 140 Meter in die Höhe, mit 1360 PS pro Sekunde.

Spiele auf Rasen und Leinwand

Vis-a-vis vom Montblanc spielt Fußball keine übermäßig große Rolle. Lange konnte der Genfer Spitzenklub Servette keinen Sponsor finden, bis sich kürzlich zwei iranische Geldgeber boten. Die Genfer seien zu reich, ist im Stade de Genève zu hören, wo die Heimat des abgestiegenen Vereins ist. Wer in der südwestlichsten Ecke Helvetiens Geld hat, spielt Golf, kreuzt mit der Yacht auf dem größten Schweizer See oder geht auf den 1375 Meter hohen Mont Salève, um sich vom Panorama auf Stadt und See, Jurakette und Mont-Blanc-Massiv überwältigen zu lassen. Überhaupt zeichnet sich die Gegend durch Lebensqualität aus: Rundherum alpine Landschaft, nahe Skigebiete, Weinberge, Badekurorte und historische Städte.

Gut 15 Busminuten vom Zentralbahnhof Cornavin entfernt, wird dem 2003 neu gebauten Stadion im Vorort Carouge derzeit der letzte Schliff gegeben. Nach englischem Muster reichen die Tribünen fast an den Rasen, was dem Zuschauer Spannung verheißt. Auf dem Spielfeld werden sich im Juni die Nationalmannschaften aus der Türkei, Tschechien und Portugal begegnen. Eintrittskarten für die 30.000 Plätze sind längst nicht mehr zu haben.

Stade de Genève mit 30.000 Sitzplätzen© Fabrice Coffrini/AFP

Am "Bout-du-Monde", am Ende der Welt, wie Genève-Carouge genannt wird, dreht sich alles ums Leder. Am Ufer des Arve-Flusses ist das Fan-Village aufgebaut mit Public Viewing, Gastquartieren und Konzertbühnen. Zusammen mit dem Plaine de Plainpalais im Zentrum ist Platz für rund 100.000 Besucher geschaffen, die die Spiele vor der Großleinwand erleben wollen. Während die Profis im Stadion kicken, findet in den Uefa-Fan-Zonen die eigentliche Party statt. Für Fans, die selber an den Ball wollen, gibt es Fußballfelder. Der Palladium Club 08 in der Rue du Stand ist während der EM der offizielle Dancefloor bis morgens um Fünf.

Hügelige Unesco-Stadt

Am Tage lohnt es sich, Carouge anzusehen, ein kleiner hübscher Ort mit sardisch anmutenden Häusern. Ein paar Kilometer nördlich eröffnet sich Aussichtssehnsüchtigen, die nicht auf den Mont Salève-Gipfel steigen wollen, im Vorort Cologny ein anderer Blick auf die 180.000-Einwohner-Stadt am Wasser.

Wo die Rhône aus dem Genfer See fließt, blühte Handel schon zur Römerzeit. Im Mittelalter wuchs auf dem höchsten Punkt Stein um Stein die Kathedrale St-Pierre, in der auch Jean Calvin predigte. Seine Lehre von Puritanismus, Pflichtbewusstsein und Gründlichkeit erklärt Genf als boomende Wirtschaftsmetropole, Uhren-Stadt und der internationalen Organisationen. Eine Miniaturschweiz, wie die Leute gern sagen, in der es sowohl Käse-Fondue und Heidi-Landschaften wie auch internationales Flair gibt. 22 überstaatliche Organisationen haben in der Cité Internationale ihren Sitz, etwa die Uno, die WHO, WTO und das Internationale Rote Kreuz, das 1864 hier gegründet wurde. Und gar nicht weit, firmiert in Nyon die Uefa, die Veranstalterin dieser Fußball-EM.

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