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Alles auf Anfang

Nordic Cuisine gab es auf den Färöern, lange bevor die internationale Gastroszene den Begriff erfand. Von jeher ernähren sich die Menschen auf den Inseln im Nordatlantik von dem, was Land und See hergeben. Nachhaltigkeit hat hier Tradition.

Von Gunnar Herbst

Färöern-Dorf am Wasser

Karges Land: Rund um die Ortschaft Tjornuvik wächst vor allem Gras. Das raue Klima macht industrielle Landwirtschaft auf den Färöern unmöglich.

Es gibt Orte, die zwingen einen zum Glück, weil sie sich auf das Wesentliche beschränken. Auf das, was guttut und was die Seele reinigt. Die Färöer Inseln sind so ein Ort: ein Land der begrenzten Möglichkeiten, aber auch der wahren Werte. Zwischen Norwegen, Island und Schottland erheben sich die 18 Eilande aus dem Nordatlantik – manche sagen, am Ende der Welt. Sanfte Hügel, felsige Berge, steile Klippen.

Die Namen der Färöer klingen wie Figuren aus nordischen Sagen: Vágar und Streymoy, Eysturoy und Sandoy, Nólsoy und Kalsoy. Obwohl die Inseln zu Dänemark gehören, haben sie sich ihre Eigenständigkeit bewahrt, auch im Selbstverständnis der knapp 50.000 Bewohner. Es ist eine kleine Welt, man kennt sich und hat viel Raum, um sich zu entfalten. Ein paar Dörfer, ein paar Höfe, dazwischen Natur, über die meisten Inseln führt nur eine Straße.

Höchsttemperatur im Sommer: 12 Grad

Im Laufe der Zeit haben Wind und Wetter das Land geformt. Lange Winter, kalte Sommer, selbst im August steigt die Temperatur selten über zwölf Grad Celsius. Da wächst nicht viel, es gibt kaum Bäume oder Büsche, dafür umso mehr Gras, auf dem Schafe weiden, man sieht sie überall. Die Natur diktiert das Leben, die Bewohner passen sich ihr an, leben mit ihr, leben von ihr.

Als die Welt begann, von Nachhaltigkeit zu reden, wurde sie auf den Färöer Inseln längst gelebt. Zunächst aus der Not heraus: Das raue Klima machte industrielle Landwirtschaft unmöglich.

Und weil man erst Mitte des 20. Jahrhunderts anfing, Lebensmittel in großen Mengen zu importieren, waren die Färinger von jeher auf heimische Zutaten angewiesen. So haben die Insulaner gelernt, von dem zu leben, was die Natur hergibt. Fisch und Schaf? Grundnahrungsmittel. Seetang? Kann man essen. Brennnesseln? Heißes Wasser drüber, fertig ist der Tee. Das schmeckt rein, natürlich, so wie das Land.

Viele Färinger haben neben ihrem Haus eine Hütte gebaut, in der Fisch und Schafsfleisch an der kühlen, salzhaltigen Luft trocknen und fermentieren. Selbst Möwen, Papageientaucher und Grindwale stehen auf dem Speiseplan. Man isst, was man sammelt, fängt, jagt. Wenn eine Tierart bedroht ist wie zurzeit der Papageientaucher, verschont man sie, bis sie sich erholt hat.

Und der Urlauber? Der wandert über eine der Inseln, über Kalsoy oder Nólsoy, atmet durch, entschleunigt, lässt sich den Wind durch die Kleider wehen. Die Färöer machen es dem Besucher einfach, abzuschalten, weil das Leben hier herrlich reduziert ist. Auf das Wesentliche. 

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