London ist eine der aufregendsten Städte der Welt. Und eine der Teuersten. Oft sprengt schon ein ordentliches Abendessen das Budget. stern.de verrät, wo man auch für kleines Geld gut essen kann. Von Gabriele Gugetzer

London ist eher berüchtigt als berühmt für seine Speisen - doch es gibt auch anderes als Fish & Chips© Colourbox
Wie viele Restaurants, Bars und Pubs es in London gibt, weiß selbst das Stadtmagazin "Time Out" nicht genau. Es sind auf jeden Fall Tausende. Gekocht wird nepalesisch, vietnamesisch, modern, klassisch-britisch und noch auf ungefähr siebzig andere Arten. Um sich aus diesem Überangebot das Beste herauszupicken, denken Londoner kulinarisch gerne quer und haben vor nichts zuviel Respekt.
Das Thema Michelin-Sterne gehen die Hauptstädter offensiv an. In der dritten Januarwoche wird in jeder Tageszeitung mit großem Ernst und Nationalstolz diskutiert, ob die französischen Restaurant-Tester die Londoner Restaurants bei der Vergabe der Michelin-Sterne fair behandelt haben. Auch ganz normale Londoner haben dazu eine Meinung; die bilden sie sich beim Mittagessen. Die Gastrotempel sind nämlich nur abends unerschwinglich. Zum Lunch bieten sie häufig preiswertere Menüs an, selbst Gordon Ramsays Drei-Sterne-Restaurant. Um zwei bis vier Gänge zwischen 15 und 40 Pfund genießen zu könnwen, empfiehlt es sich jedoch unbedingt zu reservieren.
Stilvoll knabern im Museum
Einen stilvollen und nur preislich bescheidenen Kontrapunkt setzen die Museen. Sie verlangen keinen Eintritt und sind bei der Verköstigung so einfallsreich wie bei der Gestaltung ihrer Ausstellungen. Wer schon immer in einem Stadtpalais frühstücken wollte, kann das in der Wallace Collection. Wer im Garten Salat knabbern möchte, fahndet im Museum of Garden History nach einem wackeligen Eisenstuhl. Und für Cocktails wie den Routemaster, benannt nach dem doppelstöckigen Bus, bietet sich im London Transport Museum sogar noch abends Gelegenheit.
Fanden Sie Daniel Craig schon cool als Gangster im toughen Thriller "Layer Cake"? Da legte er eine wenig erholsame Verschnaufpause in einem "kaff" ein. Kaffs sind angelsächsische Mischformen aus Imbissstube und Café mit schlechtem Kaffee und gutem Tee. Hierher zieht es Arbeiter, Kunststudenten und wahrscheinlich auch den ein oder anderen Gangster. Sie alle lieben die spottbillige Hausmannskost, den Mörtel auf dem Boden und die zerfledderten Seiten des Revolverblatts "Sun" auf dem Tisch.
Doch zu abenteuerlich? Gediegeneres Großstadtflair bietet das West End. Hier stehen weltberühmte Theater und Musicalhäuser dicht an dicht. Dazwischen drängen sich Restaurants, die neben der klassischen Abendkarte Theatermenüs anbieten, die pre-theatre menus. Sie werden bis zum ersten Klingeln serviert.
Fast and good ist Fastfood auch in London selten. Aber die Ausnahmen haben einen überaus hohen Spaßfaktor, beispielsweise in der Mozzarella-Bar im trendigen Kaufhaus "Selfridges" oder in der vegetarischen Hippie-Idylle "Govinda" am beschaulichen Soho Square.
Altmodische Pubs sind wieder angesagt, denn sie sind selten geworden. Bieten sie neben Sandwiches Bier aus kleinen Brauereien und vielleicht den irischen Pub-Klassiker Austern mit Guinness, sind sie außerdem gut. Den deftigen Cockney-Charme der Betreiber und die unnachahmliche Publikumsmischung von Rockmusiker bis Pensionär gibt's umsonst, der Rest kostet zwischen drei und zehn Pfund.