Mitte April 2010 hat die Aschewolke des Vulkans unter dem Eyjafjallajökull den europäischen Luftverkehr lahmgelegt. stern.de fragte die Tourismusministerin, ob ein nächster Ausbruch droht.
Nein, es herrscht Ruhe, auch an den Vulkanen Hekla und Katla. Es fließt auch keine Lava mehr. Im Durchschnitt haben wir in Island alle vier bis fünf Jahre einen Vulkanausbruch.
Ja, erst im März hatten wir einen auch für Touristen sehr attraktiven Ausbruch auf der Hochebene Fimmvörðuháls. Der Vulkan schoss die Lava wie bei einem Springbrunnen in die Höhe. Das war ein grandioses Schauspiel.
Der Ausbruch war viel dramatischer. Feuer und Eis trafen aufeinander, eine hohe Aschewolke stieg auf. Und es gab ein besonderes Phänomen: Der Vulkan unter dem Gletscher machte Geräusche. Die Erde sprach zu einem.
Die Natur hat sich schnell regeneriert. Aber für das Vieh ist es nach wie vor schwierig auf den Weiden, weil der Wind noch Aschestaub aufwirbelt. Deshalb haben die Landwirte noch nicht alle Tiere zurück auf ihre Höfe gebracht.
Ja, es gibt keine Beschränkungen. Mit einem Guide kann man die Gegend rund um den Gletschervulkan erkunden. Ich habe das gerade erst gemacht. Wir sind bei einer Autofahrt im Süden Islands vom Highway One in Richtung Eyjafjallajökull abgefahren. Die Erde ist dort pechschwarz, alles wirkt wie in einem Schwarz-Weiß-Film. Aber vom Vulkanausbruch ist nur dieser winzige Teil der Insel betroffen.
Die Aschewolke hat sich aufgelöst, aber sie hat uns und den Luftfahrtbehörden gelehrt, dass wir mehr zusammenarbeiten und forschen müssen. Island hat nicht den einzigen Vulkan in der Welt. Ausbrüche und Aschewolken hat es in anderen Regionen schon gegeben. Wir alle müssen nur besser vorbereitet sein.
Ja, das war in der Tat eine ungewöhnliche Marketingaktion. Plötzlich stand Island im Rampenlicht. Aber die Eruption hat für unser kleines Land auch fatale Folgen. In den Medien wurde ein falsches Bild von Island gezeichnet: Wir sind kein extremes Land, das unter einer Schicht von Asche begraben liegt und pleite ist. Auf lange Sicht hat der jüngste Vulkanausbruch sicher einen positiven Effekt für den Tourismus.
Unsere Wirtschaft fußt auf drei Säulen: Fischfang, Aluminiumerzeugung und Tourismus. Die Bedeutung des Fremdenverkehrs hat sehr zugenommen. Im letzten Jahr stammten 20 Prozent unserer Deviseneinnahmen aus dem Tourismus.
Im April hatten wir nicht nur einen Rückgang zu verzeichnen, die Buchungen kamen fast komplett zum Erliegen. Die Zahl der ausländischen Touristen ging im Vergleich zum Vorjahr im April um 22 Prozent und im Mai um 15 Prozent zurück. Auch der Juni begann schwach. Jetzt sind wir aber wieder auf dem Niveau von 2009.
Fast jeder Isländer hat inzwischen einen Internetanschluss. Viele nutzen regelmäßig Facebook und Twitter. Deshalb riefen wir am 3. Juni im ganzen Land zur "Iceland hour" auf: An diesem Tag unterbrachen die Isländer um 13 Uhr ihre Arbeit und verschickten über die sozialen Netzwerke weltweit einen Link auf einen Videoclip, den wir für die Kampagne vorbereitet hatten und der ein anderes Islandbild zeigen soll.
Island hat nur 320.000 Einwohner, aber der Videoclip "Island is more awake then ever" wurde sich von 6,5 Millionen Personen angesehen. Diese Aktion war für uns etwas ganz Neues und hatte einen besonderen Nebeneffekt. Der Tag hat das Gemeinschaftsgefühl unter den Isländern sehr gestärkt. Und über das Internet sind wir mit 14,5 Millionen Menschen in Kontakt gekommen.