Was Passagiere jetzt wissen müssen

6. Mai 2013, 13:16 Uhr

Lufthansa zieht sich ab 1. Juli aus vielen Kurz- und Mittelstrecken zurück und übergibt ihre Flüge an die Billigtochter Germanwings. stern.de erklärt, was sich für Fluggäste ändert. Von Till Bartels

Lufthansa, Germanwings, Airbus, Umstellung, Basic-Tarif, Smart-Tarif, Basis-Tarif

Die ersten Flugzeuge von Germanwings haben bereits eine neue Innenausstattung erhalten: vorne mit 81 Zentimeter Sitzabstand, in den hinteren Reihen nur 73 Zentimeter.©

Wer demnächst von Hamburg nach Wien fliegt und vor Monaten schon einen Flug mit Lufthansa gebucht hat, wird nicht mehr in eine Maschine der Lufthansa steigen, sondern in einem Airbus von Germanwings Platz nehmen. Denn immer mehr innerdeutsche und Europastrecken werden von Lufthansa auf die Tochterfirma übertragen. Teilweise wird der Bordservice auf ein Minimum reduziert: Selbst ein Wasser kostet plötzlich extra. Für Passagiere ändert sich mehr als nur der Sitzabstand. Wir beantworten die zehn wichtigsten Fragen zur Umstellung.

Warum fliegt Germanwings für Lufthansa?

Die größte deutsche Fluglinie steht durch die Konkurrenz von Billigfliegern wie Easyjet und Ryanair unter Druck und schreibt auf ihren Strecken innerhalb Europas nach eigenen Angaben seit Jahren Verluste. Nun hat Lufthansa die Reißleine gezogen und überträgt einen Großteil der Flüge auf die Billigtochter Germanwings, um Kosten zu sparen.

Welche Strecken übernimmt Germanwings?

Mittelfristig übernimmt Germanwings alle innerdeutschen und Europaflüge, die nicht über Frankfurt oder München führen, also Flüge ab Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart und Köln.

Welche Verbindungen fliegt Lufthansa weiterhin?

Neben allen Langstreckenflügen sind auch die Flüge von und zu den Drehkreuzen in Frankfurt und München von der Maßnahme ausgenommen, also Flüge wie zum Beispiel von Berlin nach München oder von Frankfurt nach Rom. Hier fliegen die Kunden weiterhin mit Maschinen der Lufthansa, ebenso zu Zielen in Nordafrika.

Ab wann ersetzt Germanwings die Lufthansa-Strecken?

Ursprünglich wollte Lufthansa schon zu Jahresbeginn den Wechsel vollziehen. Doch die Umrüstung der Flotte, die Genehmigungsverfahren für neue Flugnummern und die Datenanpassung in den Reservierungssystemen erfordert viel Aufwand. Nun sollen zum 1. Juli alle 36 Maschinen der bestehen Flotte erneuert sein. Weitere Flugzeuge vom Typ Airbus A319 und A320 der Lufthansa werden umgebaut. Auch fabrikneue Maschinen stoßen zur Flotte.

Die Umstellung in Stuttgart erfolgte bereits, ebenso auf einigen Strecken ab Hamburg. In Berlin beginnt der Übergang am 27. Oktober, in Düsseldorf zwischen Ende März 2014 und Januar 2015. Langfristig sollen 110 Ziele in Europa von Germanwings angeflogen werden.

Was passiert mit einem vor Monaten gebuchten Lufthansa-Flug, der von Germanwings übernommen wird?

Falls der Flug von demnächst Germanwings durchgeführt wird, werden die Passagiere automatisch auf die neue Flugnummer umgebucht. Kunden mit Tickets der Business Class und Flex-Tarife erhalten Sitzplätze in der höchsten Buchungsklasse zum Best-Tarif.

Was ändert sich bei Germanwings?

Sehr vieles, innen wie außen: In der Tat kann man von einer neuen Germanwings sprechen. Alle ehemals silbernen Airbusse werden weiß umlackiert und erhalten ein neues Logo - ein stilisiertes W. Auch die Flugnummern ändern sich: aus LH werden Flüge mit dem Kürzel 4U. Nicht nur die Flugbegleiter erhalten eine neue brombeerfarbene Uniform im Retrolook, sondern auch die Kabinen werden neu bestuhlt: die vorderen Reihen mit gewohnten 81 Zentimetern Sitzabstand. Weiter hinten wird es mit nur 73 Zentimetern recht eng.

Welche Flugtarife sind buchbar?

Ab sofort gibt es drei Tarife, die mit drei unterschiedlichen Serviceangeboten verbunden sind. Wer zum preiswerten Basic-Tarif (ab 33 Euro oneway) bucht, nimmt im hinteren Teil der Maschine Platz und zahlt für alles extra: für Snacks (Baguette 3,90 Euro), Getränke (Kaffee 2,50 Euro, Wasser und Bier 3 Euro) und für aufgegebenes Gepäck (20 Euro für einen Koffer am Flughafen). Der Baisc-Tarif kann nicht über die gängigen Reservierungssysteme eines Reisebüros gebucht werden, sondern nur im Internet.

Beim Standardtarif Smart (ab 59 Euro) sind Verpflegung, alkoholfreie Getränke und ein Gepäckstück bis 23 Kilogramm und etwas mehr Beinfreiheit inbegriffen, wie es die Kunden von bisherigen Lufthansaflügen gewohnt sind.

Der Best-Tarif (ab 199 Euro) entspricht der früheren Business Class mit mehr Freigepäck, Lounge-Zugang, freiem Mittelsitz, kostenlosem Umbuchen und besserer Verpflegung an Bord.

Hat Germanwings auch eine Business Class?

Nein, statt der sonst üblichen Unterscheidung in Business und Economy Class gibt es nur noch eine Economy Class. Diese ist allerdings in drei Zonen unterteilt und der Service wird angepasst: In den ersten Reihen sitzen Passagiere, die zum Best-Tarif gebucht haben, ganz hinten solche, die zum Basic-Taif fliegen. Die Aufteilung der Sitzreihen ändert sich je nach Buchungslage. In der Praxis gibt es beim Service stets einen Schnitt: Ab einer bestimmten Reihe müssen Getränke und Snacks bezahlt werden - ein Verfahren, wie es schon von anderen Airlines wie SAS oder Brussel Airlines praktiziert wird.

Können bei Germanwings-Flügen auch Meilen gesammelt werden?

Ja, bei allen Flügen gibt es Gutschriften für das Vielfliegerprogramm Miles & More, jedoch hängt die Höhe von der jeweiligen Tarifklasse ab.

Darf ein Vielflieger kostenlos die Lounge benutzen?

Zunächst wollte die Lufthansa von ihrer größten Gruppe von Statuskunden, den Frequent Travellern (FTL), für den Lounge-Besuch vor einem Germanwings-Flug 25 Euro kassieren. Doch nach heftigen Protesten gab die Airline klein bei: Vielflieger mit Tickets zum Smart-Tarif können weiterhin die Lounge besuchen.

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