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20. Dezember 2009, 14:07 Uhr

Luxus trifft Nachhaltigkeit

Das Crowne Plaza Towers in Kopenhagen war die Vorzeigeherberge des Klimagipfels. Zwar werben viele Hotels mit Öko-Siegeln und Umweltschutzversprechen. Doch wie kann ein Luxushotel nachhaltig arbeiten? Sind die Solarzellen mehr als nur blendende Zierde an der Fassade? Von Andreas Srenk

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Hell, aufgeräumt und ökologisch korrekt: Die Zimmer des Crowne Plaza Towers© Intercontinental

Am Eingang der Hotelhalle spricht ein Amerikaner die Worte "schwedischer Botschafter" in sein Mobiltelefon, fünf Meter entfernt unterhält sich ein Schweizer mit einem Mexikaner über Limousinen-Service oder Zimmerservice - so genau ist das nicht zu verstehen. Mittendrin dreht ein Kanadier Pirouetten auf dem Segway, dem umweltfreundlichen Roller. Willkommen bei der Welt-Klimakonferenz in Kopenhagen.

All diese wackeren Männer und Frauen, Delegierte, Lobbyisten und Politiker, wollen unser Klima retten. Irgendwie. Irgendwann. Aber ausgewogen. Um das zu erreichen, müssen sie viel reden. Und viel Papier produzieren, das kaum einer liest.

Allan Agerholm, General Manager des Viereinhalb-Sterne-Hotels Crowne Plaza Copenhagen Towers, nutzt den Gipfel, um kräftig die Werbetrommel für sein erst Mitte November eröffnetes Luxushotel zu rühren. Es soll das erste Großhotel Nordeuropas in einem klimaneutralen Gebäude sein. Die Luxusherberge entspricht sowohl den EU-Standards eines nachhaltigen Hauses als auch den dänischen Niedrig-Energiegesetzen. Der geschniegelte Mittvierziger ist kein Ökoaktivist, sondern kühl kalkulierender Kaufmann. "Ich bin als Skandinavier schon immer an Umweltschutzthemen interessiert gewesen. Aber das Umweltkonzept wäre nicht umgesetzt worden, wenn es sich finanziell nicht rechnen würde." Das Crowne Plaza ist Teil eines der größten Hotelkonzerne - und der möchte trotz Umweltbewusstsein profitabel bleiben. 140.000 Euro wird das Kopenhagener Hotel im Vergleich zu anderen Häusern einsparen.

Die Sonne heizt das Hochhaus

Draußen parken die hoteleigenen Elektroautos aus französischer Produktion. "Die Hotelfassade ist mit Hightech-Solarmodulen verkleidet", doziert Agerholm. "Die größte private Photovoltaik-Anlage in Dänemark. Sie produziert 170.000 Kilowattstunden im Jahr, das entspricht dem Jahresverbrauch von 55 Eigenheimen." Dänemark hat für Hotels, die nach 2008 errichtet wurden, eine strikte Verbrauchsgrenze von 90 Kilowattstunden je Quadratmeter pro Jahr erlassen. "Wir verbrauchen 45,1 Kilowattstunden", so Agerholm.

Das Klima -und Heizsystem des 366-Zimmer-Hauses wird mit Grundwasser versorgt. Im Sommer wird das Wasser zur Kühlung genutzt, gespeichert und im Winter wieder in den Heizkreislauf geleitet. 80 Prozent der Energie sollen so eingespart werden. Ob das funktioniert, wird sich frühestens nach einem Jahr Betrieb zeigen. Aber man bemüht sich im Staate Dänemark: Induktionsherde in der Küche, Essensreste werden in Bio-Gas verwandelt, Zahnbürsten und Shampoofläschchen sind aus biologisch abbaubarer Kartoffelstärke. Schmutziges Geschirr und dreckige Handtücher fallen im Crowne Plaza jedoch in ebensolcher Stückzahl an, wie in jedem anderen Hotel. Ein Trost: Die Spül- und Waschmaschinen sind neu und entsprechend strom- und energiesparend.

Rüdiger Rosenthal, Sprecher des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat selbst noch nicht in dem Hotel logiert, aber verteilt Vorschusslorbeeren. "Es ist ein innovatives Hotelkonzept, weil es ökologische Standards einbezieht", so Rosenthal. Nichtsdestotrotz sei die Umweltauswirkung durch Treibhausgase bei der An- und Abreise der Gäste erheblich.

Verzicht auf Bioprodukte

Wo es geht, versuchen Agerholm und sein Team, Einfluss auf genau diese Transport-und Lieferkette zu nehmen. Waren werden nur dreimal die Woche zugestellt, statt zweimal am Tag wie bei vergleichbaren Hotels. Auf Bio-Lebensmittel verzichten sie im 25-stöckigen Hochhaus am Bella Center, dem Konferenzzentrum der Kopenhagener Mammut-Show, wenn sie während der Wintermonate keine vor Ort kaufen können. "Statt Öko-Karotten aus Israel einfliegen zu lassen, nehme ich dann eben konventionell angebautes Gemüse von lokalen Bauern meines Vertrauens", sagt Agerholm.

Nur der Kaffee macht Agerholm unglücklich. Betrübt rührt er in seinem Fair-Trade-Espresso herum. "Beim Kaffee können wir nicht klimaneutral sein. Der kommt nun mal aus Kolumbien und nicht aus Kopenhagen." Ob dieses Haus als Vorzeigeherberge für einen Hotelgiganten wie Intercontinental mit seinen 4300 Häusern taugt, darf bezweifelt werden. Die meisten stehen seit vielen Jahren und werden wohl nicht für einen Milliardenbetrag ökologisch umgerüstet. Der moderne Komplex kam während des Klimagipfels dennoch gut an. Das Kopenhagener Außenministerium hat das Hotel für zwei Wochen komplett gemietet. Um die Zimmerbelegung in der Vorzeigeherberge hat es im Vorfeld unter den Delegierten dieser Welt Gerangel gegeben. Macht sich schließlich gut, wenn man umweltbewusst logiert. Und wer weiß, vielleicht schauen die Fernsehkameras gerade nicht hin, wenn die wackeren Klimaretter in eine der schweren dunklen Limousinen aus deutscher Produktion steigen, um sich die 800 Meter zum Tagungszentrum chauffieren zu lassen.

Von Andreas Srenk
 
 
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