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1. März 2006, 17:02 Uhr

Die Legende lebt!

Drachen, Elfen, König Arthus: Wales' Geschichte strotzt nur so vor Sagen und Legenden von mythischen Wesen und Gestalten. Doch was heute durch die walisische Landschaft faucht, ist meist nur ein liebevoll gepflegtes Dampfross. Ein Rundgang.

Kaum ein walisischer Hügel, hinter dem sich keine Spur auf die Legenden des Landes findet© Wales Tourist Board

Schon an der der Landesgrenze macht das Wappentier der Waliser den Reisenden darauf aufmerksam, dass er soeben das Reich des Roten Drachen betreten hat: "Croeso i Cymru" - Willkommen in Wales! Der Legende nach wollte der Keltenkönig Vortigern im 5. Jahrhundert eine Festung gegen die angelsächsischen Eindringlinge bauen - ein schwieriges Unterfangen, denn die tagsüber herbeigeschleppten Steine verschwanden über Nacht wieder. Die Legende vom Roten DrachenDer herbeigerufene Magier Merlin wusste Rat: Unter der Erde sahen seine hellseherischen Augen zwei Drachen, einen roten und einen weißen. Als Vortigern nach ihnen graben ließ, fielen die beiden übereinander her - ein Zweikampf, aus dem der rote Drache als Sieger hervorging. Merlin wertetet dies als Prophezeiung: Die Kelten werden die Angelsachsen zurückdrängen. Doch erst in den Bergen von Wales konnten sich die Kelten behaupten. Als Protagonist dieses Widerstandes ist heute noch der sagenhafte König Arthus berühmt - vielleicht sogar berühmter denn je. Der Drachen-Zweikampf soll sich der Überlieferung zufolge oberhalb des Tals Nant Gwynant in Snowdonia zugetragen haben.

In der Nationalflagge der Waliser lebt der Rote Drachen fort© Wales Tourist Board

König Arthus als Landesheld

Über 500 Arthus-Bücher gibt es heute allein in englischer Sprache, und auch Hollywood mischte im Wettstreit um die lebendigste Interpretation des Themas mit. Den König, seine Ritter der Tafelrunde und den Zauberer Merlin erhob der walisische Gelehrte Geoffrey of Monmouth um 1135 zu Kultfiguren. In seiner zwölfbändigen "Geschichte der Könige Britanniens", dem ersten Arthus-Roman, lässt er den edlen König als Ahnherren aller Engländer auftreten.

Christen gegen HeidenVorbild ist die - historisch kaum greifbare Figur - eines britannischen Heerführers, der 537 in der Schlacht bei Camlan fiel. Verbürgt ist hingegen, dass der Abzug der Römer am Beginn des 5. Jahrhunderts ein Machtvakuum hinterließ, das Angeln, Sachsen und Pikten auffüllten. Gegen diese "heidnischen" Völker setzten sich die von irischen Mönchen missionierten Briten erbittert zur Wehr: als Hüter des heiligen Grals. Das Zentrum dieses Widerstandes war Camelot, der sagenhafte Königshof von König Arthus' tapferer Ritterrunde. Wo war König Arthus zu Hause?Den Anspruch, König Arthus' wahre Heimat zu sein, erheben heute viele Städte und Landstriche zu beiden Seiten des Ärmelkanals. Auch eine Gemeinde in Nordwales mischt in diesem Wettstreit mit: Llangollen www.llangollen.org.uk, eine Ortschaft mit 3000-jähriger Geschichte, idyllisch gelegen in einem Tal am Dee, von dem Fürst Pückler im Jahr 1928 schwärmte: "Eine Gegend, die nach meinem Urteil alle Schönheiten des Rheinlandes weit übertrifft." Ihren Anspruch gründet die Gemeinde, die heute vor allem für ihr Festival "International Musical Eisteddfod" www.international-eisteddfod.co.uk berühmt ist, unter anderem auf ein mittelalterliches Steinkreuz am Llangollen Canal. Die in der Inschrift erwähnte Gwenhwyfar ist keine Geringere als die Gattin König Arthus', Guinevere. Ein anderes Indiz ist das nahe gelegene Castell Dinas Bran - der Legende nach war es eine Zeit lang der Aufbewahrungsort des Heiligen Grals.

Was meint der Chronist?

Nach Geoffreys Chronik wurde König Arthus in Caerleon, heute ein Vorort von Newport im Südwesten von Wales, gekrönt und hielt dort fortan Hof. Nicht umsonst vermutete der Chronist den prachtvollen Hofstaat Arthus' in der Stadt am Usk: Ihn inspririerten die Ruinen eines Römerlagers aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert. 700 Jahre später erfand Lord Tennyson angesichts eines großen, grasüberwachsenen Hügels am Ortsrand "King Arthur's Round Table". Und 1926, als Archäologen der Sache auf den Grund gingen, kam zwar keine Tafelrunde, aber dafür ein fast ebenso sensationelles römisches Amphitheater mit Platz für 6000 Schaulustige zum Vorschein. Nur wenige Kilometer nordwestlich der Fundstelle befindet ein jüngeres, aber nicht weniger faszinierendes archäologisches Denkmal:

Malerische Ruine: Tintern Abbey© Wales Tourist Board

Ein Monument der Romantik: Tintern Abbey

"Etwas so in dieser Art in sich Vollendetes, so durch und durch Poetisches war mir noch nie vorgekommen!", schrieb 1844 Carl Gustav Carus, der Freund von Caspar David Friedrich und Johann Wolfgang von Goethe, während einer Wales-Reise. Doch seine Begeisterung war nur ein später Nachhall der Faszination, die die Ruine der gotischen Abtei auf die walisischen und englischen Romantiker der ersten Stunde ausübte: Der Maler William Turner besuchte die Ruine im äußersten Südwesten des Landes gleich drei Mal, malte und zeichnete sie. Seine Werke wurden in Kupferstichen verbreitet und lockten in der Folge immer mehr Künstler und Literaten in das idyllische Wye Valley.

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