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Himmlische Nächte im Honecker-Flugzeug

Eines der ungewöhnlichsten Hotels der Niederlande hat Flügel. Am Rande des Flughafen Teuge ist eine Regierungsmaschine der DDR gelandet und zur Designer-Unterkunft umgebaut worden. Von Till Bartels

Sie ist 50 Jahre alt, schlank und 35 Meter lang. Die Iljuschin 18 mit der Kennung DDR-STD. Ihre neue Aufgabe hat die Turboprop-Maschine am Pistenrand des Flughafens Teuge bei Apeldoorn gefunden, eine Autostunde hinter der deutsch-niederländischen Grenze: Sie dient als Luxussuite für Kurzurlauber, die das Außergewöhnliche lieben.

Bei dem Luftfahrt-Oldtimer handelt es sich um ein besonderes Flugzeug. In den 60er Jahren diente die in der Sowjetunion gebaute Iljuschin den Oberen des Arbeiter- und Bauernstaates als Regierungsflieger. Auch Erich Honcker flog mit ihr. Später beförderte das Mittelstreckenflugzeug der Interflug bis zu 120 Passagiere von Berlin-Schönefeld nach Prag und Budapest. Mit der Wende kam das fliegerische Ende. Das Fluzeug wurde zum Dorf Harbke bei Helmstedt geschleppt und verkam am Rande einer Braunkohlengrube zur Kneipe.

Vom Dornröschenschlaf zum Designhotel

Bis der Holländer Ben Thijssen die Honecker-Maschine entdeckte und zum Schrottwert für 25.000 Euro erwarb. Seine Idee: Das Flugzeug soll eine Luxusunterkunft werden. "Niederländer mögen verrückte Schlafgelegenheiten", so der Tourismusunternehmer, der mit seiner Website www.hotelsuites.nl auch Nächte auf Kränen, in Knästen und Rettungskapseln vermittelt.

Bis der Traum eines Privatfliegers am Boden in die Tat umgesetzt war, verging viel Zeit. "Die Planungen haben sieben Jahre gedauert", erzählt Thijssen. Schon der Transport war aufwendig: Über Nacht brachten drei Sattelschlepper mit Polizeibegleitung Rumpf, Leitwerk und Flügel an den fast 400 Kilometer entfernten neuen Standort in den Niederlanden. Nach eigenen Angaben investierte Thijssen 450.000 Euro in sein Lieblingsprojekt.

Lounge mit Ledersofa

In Teuge wurde die Iljuschin entkernt und durch einen Entwurf des Innenarchitektin Marjolein Garritsen in nur zwei Monaten umgebaut. Sie hat den Flugzeugrumpf vom Muff und Mief der DDR komplett befreit. Das Ergebnis ist ein in Wohn- und Schlafbereich unterteilter langgestreckter Innenraum. Ihr Design greift die runde Formensprache eines Flugzeugs auf und reduziert die Farbwelt auf Schwarz und Weiß. Mit einem Doppelbett im Heck wird die modern-minimalistische Flugzeug-Suite nur an zwei Personen zum Preis von 350 Euro pro Nacht vermietet. Die Gäste haben verschwenderisch viel Platz und Komfort: Auch ein Wellness-Bereich mit Whirlpool und Sauna ist an Bord - einen Luxus, den nicht einmal Passagiere in der First Class von Emirates im Airbus A380 vorfinden.

Doch nicht alle sind mit dem Edel-Design der fast jede Nacht ausgebuchten Suite glücklich: "Neulich hatten wir ein Rentnerpaar aus der ehemaligen DDR hier", berichtet Hostess Marjan, die die Passagiere beim Einchecken begrüßt und in die Flugzeug-Suite einweist. Er sei ein ehemaliger Mitarbeiter der Interflug gewesen und hatte Tränen in den Augen, als er seinen ehemaligen Arbeitsplatz wiedersah. "Was haben sie bloß aus unserer Iljuschin gemacht, nur noch das Cockpit sieht wie früher aus."

Hotelsuites
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Hotelsuites Luxusflieger mit Whirlpool und Sauna
 
 
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