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Drei Oasen an Kroatiens Küste

Kroatien ist seit heute EU-Mitglied. Wir haben uns das Land genauer angesehen und an der Adriaküste von Istrien bis Dubrovnik drei ruhige Orte von ausufernder Schönheit gefunden.

Von Philip Wesselhöft

  Brela ist Bergdorf und Küstenort zugleich. Und so begeistern sich für seine Lage am Biokovo-Gebirge Segler und Wanderer gleichermaßen.

Brela ist Bergdorf und Küstenort zugleich. Und so begeistern sich für seine Lage am Biokovo-Gebirge Segler und Wanderer gleichermaßen.

Biokovo – die Küste der Wanderer

Es blitzt, ich zähle bis "ei…", es kracht. Jede Sekunde, habe ich gelernt, steht für einen Kilometer zwischen mir und dem Gewitter. Ich drehe mich um zu Astrid, der Fotografin. Sie kommt aus München, kennt die Berge. Sie ist blass. Wir hetzen zwei Serpentinen nach unten und pressen uns in die Mulde einer Bergflanke.

So, an dieser Stelle muss ich kurz unterbrechen. Die Küste südlich von Split ist eigentlich die ideale Region für alle, die gern mit Badehose und Wanderschuhen Ferien machen. Selbst höhenunerfahrene Hamburger können hier normalerweise ohne Angst herumlaufen. Hinter den vielen Kieselstränden erhebt sich das bis zu 1700 Meter hohe Biokovo-Massiv: ein Karstgebirge, steil zur Meerseite, grün Richtung Hinterland.

Bis zur Gewitterüberraschung hatten wir den Panoramaaufstieg genossen. Unter uns präsentierte sich die morgenfrische Adria. Wir passierten ockergelb-graue Bergflanken, die sich hinter Wegkehren vor die Sonne schoben, Kalkfelsen, in deren Zwischenräumen blaue Blumenkissen wuchsen, unter uns Strände, Meer und manchmal ein Dächermosaik. Dreieinhalb Stunden sollte der Aufstieg auf den Vošac dauern, das gleiche retour, ein strammes Tagesprogramm. Auf 900 Höhenmetern überrascht uns das Wetter.

Wir kehren um - und stehen trotzdem wenig später auf dem Gipfel. Wir haben einfach das Auto genommen. 23 Kilometer kurvt die Straße durch die Karstlandschaft. Die letzte Stunde gehen wir zu Fuß, im schönsten Sonnenschein. Auf der Rückfahrt kreuzen Pferde den brüchigen Asphalt. Astrid springt mit der Kamera hinaus. Ein Hengst drängt sich an Fotografin und Auto, schleckt am Außenspiegel und wirkt alarmierend testosterongetrieben. Wir suchen das Weite. Genug Abenteuer für einen Tag.

Anreise:

Nächster Flughafen ist Split. Die ca. 75 km in den Süden fährt man am besten mit dem Mietwagen.

  Grünes Versteck hinter dem Hafen: Im V-Ausschnitt der Hügel liegt der Zeltplatz auf der Insel Cres.

Grünes Versteck hinter dem Hafen: Im V-Ausschnitt der Hügel liegt der Zeltplatz auf der Insel Cres.

Valun – ein ganzes Dorf für Camper

Jeden Abend kurz nach Sonnenuntergang, wenn die Hitze nachlässt, die Camper die ersten Kerzen anzünden und die Weinflaschen entkorken, spazieren drei alte kroatische Damen auf dem einzigen Teerweg über den Zeltplatz, schwarzer Rock, die Strickjacke über die Schultern gelegt, die Arme im Rücken verschränkt. Eigentlich macht der Weg eine Runde, führt vom Dorf Valun am Wasser entlang, am Waschhaus, an den Duschen, den Paddelbooten, Hängematten, dem Basketball- und Bouleplatz, den Sonnensegeln und den Kühlschränken vorbei, die man mieten kann, zum Strand und zurück zum Dorf. Aber mitten zwischen den Zelten bleibt die kleine Gruppe stehen. Eine alte Frau schert aus, füllt eine Gießkanne, hebt eine dünne Leine, betritt ihr kleines Feld mitten auf dem Campingplatz, gießt Brokkoli und Tomaten und zieht die Leine wieder stramm.

Jeden Abend aufs Neue, wenn die drei Frauen kommen, weiß ich, warum ich diesen kleinen Ort auf der Insel Cres so liebe. Während vor etwa 30 Jahren alle Einwohner Valuns zustimmten, ihre terrassierten Gärten über der Bucht zu einem Zeltplatz zusammenzuschließen und mit der Quelle, die früher Wein, Lorbeer und Getreide wässerte, die durstigen Gäste zu versorgen, bestand eine Frau darauf, weiter ihren winzigen Acker zu bestellen. Ihre Grenzen werden im Dorf, aber auch von allen Valun-Campern respektiert, wie so vieles, was hier anders ist als auf anderen kroatischen Zeltplätzen: Mein Auto parkt weit abseits, für den Transport von Zelt und Zeug stehen Handwagen bereit, die Anmeldung erfolgt in einem alten Fischerhaus, über dem Dorfladen, der auch die Zelter versorgt.

Wer einmal in Valun war, kommt immer wieder

Den ersten Kaffee morgens trinke ich an der Bar am Hafen mit dem Fischer, der seine Netze sortiert, mit Branko, der jedesmal Zigaretten schnorrt, dem Hund, der japsend den scheppernden Plastikbechern nachjagt, der Kellnerin, die mir Cappuccino und kremšnite auf den Tisch stellt, eine äußerst sahnige Süßspeise, und mich jedes Jahr mit Küsschen begrüßt und dem kurzen Satz: "Wieder da?"

Wer einmal in Valun war, kommt immer wieder. Wegen der kleinen Kiesbucht, an der sich alle treffen, auch wegen der Nachbarstrände, die man zu Fuß erreicht, wenn man keinen treffen will. An der alten Mole, vor deren Felsen seit Jahren ein Tintenfischpaar wohnt und manchmal schicke Yachten ankern, köpfen wir ins Wasser. Feigen und Lorbeerbäume lassen ihre Zweige fast in meinen Campingkocher hängen. Laubwälder begrünen den Norden der Insel, durchzogen von vielen Wanderwegen.

Wenn die Musiker aus Wien mit ihren Familien kommen, auch sie Stammgäste, gibt es Jazz vor der "Kremšnite"-Bar, während auf dem Platz die Popcornmaschine zu Hochtouren aufläuft. Fast alle gehen hin, die Camper, die Valuner, weil dann sowieso keiner schlafen kann. Dass sich ihr Repertoire über die Jahre kaum verändert, stellen wir fast mit Erleichterung fest. Auch die alte Dame, die sich ihren Garten erhalten hat, sehe ich dann auf dem Platz vor den Booten. Sie erinnert mich daran, wie wunderbar es ist, in einem ganzen Dorf zu Gast zu sein, nun ja, fast jedenfalls.

Anreise:

Am besten mit dem Auto, kurze Fährstrecke ab Brestova/Istrien, oder ab Krk, das eine Brücke mit dem Festland verbindet. Der nächste Flughafen ist Pula (Germanwings), allerdings braucht man von dort auf jeden Fall einen Mietwagen.

  Auf Palmižana: Auch diese Sommerresidenz der Familie Meneghello von 1820 gehört zum Resort.

Auf Palmižana: Auch diese Sommerresidenz der Familie Meneghello von 1820 gehört zum Resort.

Palmižana – die Insel der Künstler

Über der burgunderroten Frisur von Dagmar Meneghello schaukeln Drahtvögelchen in der Mistralbrise. An den rot getünchten Wänden hängen Gemälde von Künstlern aus der Gegend, und Steinengel bewohnen die Tische. Ich habe es aufgegeben, mir Notizen zu machen. Meine Gastgeberin wirft mit Namen und Familienhistorie um sich, dass der Rotwein nur so aus dem Glas schwappt. Allein die Geschichte dieser abgelegenen Mini-Insel in der Adria und ihres Urlaubsresorts - eine stürmische Saga, in der Napoleon, der Kaiser von Mexiko, Jacques Cousteau und jede Menge korrupter Balkan-Bürokraten mitspielen.

Gehört die Insel wirklich der Familie Meneghello, die dort seit gut hundert Jahren das Hotel mit den hübschen Villen betreibt? Dem kroatischen Staat, mit dem Dagmar sich, wie es scheint, überworfen hat? Oder jenen "Banditen", die sich kurz nach dem Kroatienkrieg in den Neunzigerjahren im Hafen von Palmižana niederließen und eine Marina samt Restaurant eröffneten?

Diesen Ort in der südlichen Adria kennen vor allem Segler, die das Revier zwischen Split und Dubrovnik mit den vielen unbewohnten Inseln schätzen. Wer kein eigenes Boot hat, wird im benachbarten Hvar abgeholt. Ich habe mit Marko, dem Inselgärtner, übergesetzt, weshalb ich einen Pott blühenden Eisenkrauts umarmte, während das kleine Boot 15 Minuten über die Wellen hüpfte. Eine passende Anreise: Blumen zählen zu den wichtigsten Importgütern. Blumen, Wasser - die Insel hat keine eigene Quelle - und Kunst.

Mentorin der kroatischen Kunstszene

Die Meneghellos haben den einst kargen Felsbuckel zu einem schillernden Ort gemacht. Dreizehn Bungalows stehen zwischen Kakteen, untersetzten Steineichen und Pinien. Und da Dagmar die Mentorin einer jungen kroatischen Kunstszene ist, haben viele Künstler ihren Palmižana-Besuch mit einem Bild bezahlt. Entsprechend kunstvoll und farbig sind die Ferienhäuser eingerichtet. Seit den Sechzigerjahren lebt Dagmar hier. Die junge Journalistin hatte sich in den Inselkönig Toto verliebt, einen Nachfahren jener venezianischen Familie Meneghello, die Palmižana vor vielen Generationen erwarb und nach und nach bewohnbar machte.

Heute leitet Dagmar - ihr Mann ist verstorben - das Resort mit ihren drei Kindern. Frühstück gibt's bis in den späten Nachmittag, Haustiere sind willkommen, wer malen oder musizieren will, kann sich austoben. Mein mitgebrachtes Buch liegt vergessen unter der Liege, ich dämmere zufrieden auf meiner Terrasse durch die Mittagsstunden. Die Adria blitzt zwischen den Pflanzen hervor.

Am Nachmittag wandere ich auf einem schmalen Pfad über die Insel, entdecke Strände aus Kieseln und Muschelbruch. Bienen brummen um aufgebrochene Kaktusfrüchte, es riecht nach Rosmarin und Thymian, nach Sommer und Staub. Dann stoße ich auf ein verwittertes Schild mit dem Namen "Dionis" darauf. Kurze Zeit später sitze ich in einer konoba, einer Gastwirtschaft, am anderen Ende Palmižanas, am Ende der Welt, so scheint es. Dionis, der Wirt, stellt einen halben Liter Hauswein auf den Tisch, der bernsteinfarben leuchtet und erstaunlich gut schmeckt. Ein wenig üppig vielleicht, denke ich, als ich mich beschwingt auf den Heimweg mache.

Anreise:

Von Split mit dem Schiff nach Hvar (rund 2 Stunden), von dort Transfer nach Palmižana.

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