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KZ soll Luxushotel werden

In Montenegro sollen in einem ehemaligen Konzentrationslager Touristen künftig Urlaub machen. Doch der Plan, eine Festung auf der Adria-Insel Mamula zu einem Luxushotel umzubauen, ruft weltweit Proteste hervor. Dazu gehört auch ein Generalsekretär der Uno.

Computeranimation: So soll die Ferienalage einmal aussehen

Blick in die Zukunft: Auf der Adria-Insel Mamula in Montenegro soll das ehemalige KZ durch den Investor Orascom zum Luxushotel umgebaut werden.

Im Jahr 2010 wurde der kleine Balkanstaat Montenegro für sein Engagement vom World Travel and Tourism Councel (WTTC) als einer der Finalisten für den Preis "Tourism for Tomorrow" ausgezeichnet. Doch die Nachricht, dass eine alte Befestigungslage auf einer Adria-Insel, die während des Zweiten Weltkrieges den italienischen Faschisten als Konzentrationslager diente, jetzt zum Luxushotel umgebaut werden soll, hat mit nachhaltigem Tourismus und Weitblick nichts gemeinsam.

Die kleine, kreisrunde Insel Mamula mit einem Durchmesser von 200 Metern liegt am Eingang zur Bucht von Kotor in der Adria. Auf der Insel befindet sich ein Fort aus dem 19. Jahrhundert, in dem ab Mai 1942 mindestens 80 Menschen von Italienern hingerichtet wurden und 50 weitere der insgesamt 2000 Gefangenen verhungerten, wie Militärdokumente und Aussagen früherer Häftlinge besagen.

Tourismus soll Devisenhunger stillen

Nun hat der Staat Montenegro, für den der Tourismus eine der Haupteinnahmequellen des Landes ist, die kleine Insel für 49 Jahre an die schweizerisch-ägyptische Investmentfirma Orascom Development Holding AG vermietet. Sie möchte auf Mamula ein Luxushotel mit Marina, Spa und Nachtclub errichten und plant, insgesamt 15 Millionen Euro zu investieren.

Das Projekt stößt bei Angehörigen ehemaliger Gefangener auf Widerstand. An einem Ort, "an dem so viele Menschen gestorben sind und gelitten haben", dürfe kein Hotel entstehen, sagte Olivera Doklestic, deren Vater, Großvater und Onkel auf Mamula inhaftiert waren.

Die Baupläne zeigen, dass der Regierung die Historie egal ist. "Auf der ganzen Welt ist noch kein Konzentrationslager zu einem Hotel umgebaut worden", kritisierte Doklestic. Sie fordert, das Fort zu restaurieren und als Gedenkstätte für Besucher zu öffnen.

Kritik des Ex-Generalsekretärs der Uno

Prominentester Kritiker gegen das Orascom-Projekt ist laut CNN der Ägypter und Diplomat Boutros Boutros-Ghali, der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen. Er gehört zu den Unterzeichnern einer Petition an den Präsidenten des Parlaments von Montenegro.

Die Vorwürfe weist das Tourismusministerium zurück. Denn auf der Insel sei auch ein Denkmal für die Gefangenen geplant, entgegnete Olivera Brajovic, die Leiterin der Abteilung für Tourismusentwicklung. Die Investmentfirma Orascom ließ mitteilten, dass die ehemaligen Gefangenen den Bauplänen zugestimmt hätten. Doch auf der Werbe-Website mamulaisland.com ist von einer Gedenkstätte nichts zu sehen.

"Es gibt für Mamula nur zwei Lösungen", sagte Brajovic. "Das Gelände verfallen lassen oder Investoren finden, die es restaurieren und für Besucher öffnen wollen." Selbst reichere Länder als das Balkanland Montenegro hätten sich dafür entschieden, "ähnliche Gebäude" auf diese Weise zu erhalten. Darunter seien sogar Gebäude, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehörten.

Erfahrung an Konversionsprojekten

Die Firma Orascom des Ägypters Samih Sawaris, der in Berlin studiert hat, wurde durch den Bau der künstlichen Touristenstädte El Gouna, Taba Heights und Makadi in Ägypten bekannt. In der Schweiz verwandelte Orascom ein ehemaliges Militärgelände in dem Alpendorf Andermatt in ein großspuriges Immobilienprojekt mit mehreren Hotels und Appartementhäusern inklusive einem 18-Loch-Golfplatz.

Wie sehr sich die Zeiten geändert haben, zeigt auch ein weiteres Luxushotel an der Adriaküste Montenegros. Das mehrfach ausgezeichnete Resort Aman Sveti Stefan, ebenfalls auf einer kleinen Adriainsel gelegen, war einst die bevorzugte Ferienresidenz des ehemaligen jugoslawischen Staatspräsidenten und Diktators Tito.

mit AFP
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