Startseite

Die Geschichte einer deutschen Insel

Vor 50 Jahren begann eine große Liebe. Aus Germanien rückten per Flieger die ersten Touristen auf Mallorca an. Eine Beziehung, die bis heute heiß blieb. Dieses Jahr wird ein neuer Besucherrekord erwartet.

Von Wolfgang Röhl

Wann betrat die erste deutsche Putzfrau mallorquinischen Boden? Nicht mehr zu ermitteln, leider. Aber es war sicher lange vor Peter Maffay. Der Sänger flog 1971 erstmals auf die Insel. An den Küsten brummte schon der Massentourismus, doch im Örtchen Pollença im Nordosten war davon wenig zu spüren.

"Das war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sich Maffay, und seine braunen Knopfaugen werden ganz weich. Er sitzt vor der Bar Ca'n Moixet, trinkt Weißwein mit Wasser und fühlt sich gut. Die Siesta ist zu Ende, Menschen kommen auf die Plaça Mayor. Maffay wechselt mit diesem und jenem ein paar Worte, auf Spanisch oder auf Deutsch. Sie kennen ihn alle, die Leute von Pollença. Mit dem Fahrrad oder einem bunt bemalten Smart fährt er täglich von seiner Finca in den hübschen, unaufgeregten Ort, den er "das Dorf" nennt. Eine Kirche mit Deckenmalereien, enge Sträßchen, akkurat renovierte Häuser mit Balkons und Patios, altmodische Laternen. Im historischen Kern hat er ein ehemaliges Arzthaus gekauft und renovieren lassen. Da sitzt die Verwaltung seiner "Peter Maffay Stiftung", die traumatisierten Kindern einen Platz an der Sonne verschafft, auf einer Finca unweit der seinen. Der Schöpfer des kleinen grünen Drachens Tabaluga düst für sein Kinderhilfswerk um die ganze Welt. "Ich bin nicht oft auf der Insel," sagt er, "und doch, sie ist mein Lebensmittelpunkt."

Abseits der Promi-Quartiere

Pollença nahm ihn im Sturm, damals. Eine multinationale Szene von Flippies und Künstlern hatte sich dort eingenistet. Als er hörte, dass ein Kunstschmied seine Finca verkaufen wollte, zögerte er keine Stunde. Fast die gesamten 87 000 Mark, die er mit seinem ersten Hit "Du" verdient hatte, gingen drauf. So wurde der deutsch-ungarische Rumäne, bürgerlicher Name Peter Alex Makkay, einer der ersten Residenten auf der Lieblingsinsel der Deutschen. Im Laufe der Jahre hat er hier zehn Häuser gebaut oder renoviert. Die erste Finca hat sich im Wert seither wohl verzehnfacht. Maffay, der mehr als 100 Gold- und Platin-Scheiben im Schrank hat, könnte längst Quartier in Andratx oder Artà bezogen haben, wo die Promi-Szene Hof hält. Will er aber nicht.

Wenn man einem der 40 000 Leihwagen, die auf der Insel zirkulieren, ordentlich die Sporen gibt, braucht man von Pollença bis zum Ballermann nur 40 Minuten. Nein, nicht zur legendären Eimersaufstätte, bekannt aus Tom Gerhardts Kotzklamotte. Das "Balneario 6" ist längst nur noch eine unauffällige Strandbar an der aufwendig verschönerten Promenade, die sich von Can Pastilla an der Bucht von Palma kilometerweit bis nach S'Arenal erstreckt. Kein Schwein tanzt da mehr auf dem Tisch oder lässt die Hosen runter. Täte es einer, griffe ihn sich sofort die taffe Polizei.

Zwischen "Almrausch", "Megapark" und "Bierkönig"

Ballermann, das steht jetzt für ein paar Straßenabschnitte an der Playa de Palma. Die so genannte Schinkenstraße mit ihren Megacurrywurst-Buden, die Bierstraße mit den Tischen zum Selberzapfen, Grölschuppen wie "Almrausch", "Megapark", "Bierkönig". Ab Mitternacht, wenn die Freiluft-Beschallung dank einer Verordnung aufhört, kann man in geschlossenen Anstalten wie dem "Riu Palace" Maffays Ex-Kollegen Bernhard Brink, Costa Cordalis oder Chris Roberts besichtigen. Die Schlagerfuzzi-Elite der Siebziger und Achtziger gibt sich am Ballermann die Klinke in die Hand. Kultfigur ist Jürgen "Kornfeld" Drews, das sympathische Frontschwein der Unterhaltungskaschemme "Oberbayern". Drews ist Malle, wie es singt und kracht.

Nahkampf in der Schlagerdiele. Eine amorphe Masse von sonnenverbrannten Leibern wogt zwischen den Tresen des "Oberbayern". Der kompromisslose Wille zur Paarung sowie zur Aufnahme gewaltiger Alkoholvolumen eint Gäste jeden Alters und Geschlechts. Die Luft zum Kettensägen, geschwängert von Schweiß, Sonnencreme und Bier. Man könnte passiv blau werden, nur von den Fahnen der anderen. Liter Bier elf Euro, Gin Tonic fünf Euro. Wer heftig abpumpt, kriegt als Leistungsschein ein blauweißes T-Shirt. Drews, Zeremonienmeister des Lass-die-Sau-raus-Feelings, peitscht seine alten Klopfer durch. Die Meute johlt und wirft die Arme hoch, als sei Deutschland nachträglich der WM-Sieg zuerkannt worden.

"Am Ballermann war ich noch nie", beteuert der Maler Hein Driessen, der seit 30 Jahren in Cala Figuera bei Santany' lebt und arbeitet, einem der schönsten Orte der Insel. "Besaufen", sagt der langjährige Freund des verstorbenen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch, "kann ich mich notfalls auch hier."

Mallorca wird alle paar Jahre totgesagt

Der Nordteil der Bucht gegenüber dem Hotel "Villa Sirena" verharrt fast im Urzustand. Ein deutscher Schuhfabrikant hatte das Land vor Dekaden billig erworben und im Testament verfügt, es möge unbebaut bleiben. Nachmittags kommen Trawler in den Hafen und landen Fisch an. Männer hocken an der Mole und flicken Netze. "Es ist wunderbar hier", sagt Driessen, dessen gemietetes Studio an einem Sahnestück der Flaniermeile liegt.

Freilich, Driessen kann die Schattenseiten des Booms nicht ignorieren. Er hat die Explosion der Grundstückspreise erlebt, die manchen jungen Mallorquiner von der Insel vertreibt. "Wenn ich mir vor 30 Jahren für 10 000 Mark ein Häuschen am Hafen gekauft hätte, wäre das jetzt 300 000 Euro wert." Der Bauwahn weht ihn bei jeder Fahrt über die Insel an, "sie stellen ihre hässlichen Würfel noch in die letzte Pampa". Und doch, sagt er in einem Atemzug, gebe es für ihn nichts Schöneres als Mallorca, als seine Bucht. "Bis in die Nacht auf der Terrasse sitzen, mit Freunden klönen. Und Ole von Beust geht mit Freund vorbei."

Mallorca wird alle paar Jahre totgesagt. Übellauniger Service, überbuchte Hotels und Chaos am Flughafen kühlten die Liebe der Deutschen immer mal wieder ab - zum Beispiel 1969, als 400 000 von ihnen nach Palma flogen. Die Insel habe ihren Zenith überschritten, heißt es periodisch. Doch jedes Mal zappt sie sich stärker denn je auf die touristische Landkarte zurück. 2006 wird ein Super-Rekordjahr - allein 4,5 Millionen Alemanes werden erwartet.

Angefangen hatte es 1956, vor einem halben Jahrhundert. Der Kalte Krieg war damals eiskalt. Adenauer-Deutschland und Ulbricht-Deutschland traten verfeindeten Pakten bei. Die Supermächte drohten in der Suezkrise mit Atomwaffen. Russische Panzerketten erstickten den Ungarn-Aufstand. Der Westen schaute ohnmächtig zu. Unterdessen wurde auf einer unbedeutenden Insel im Mittelmeer ein Nagel für den Sarg des real existierenden Sozialismus geschmiedet. Beim Örtchen Pont d'Inca auf Mallorca, zwölf Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt Palma entfernt, verlängerten Bauarbeiter die Piste des Flugplatzes Son Bonet. Von hier aus waren im Bürgerkrieg Bomber der Franco-Nationalisten und ihrer Verbündeten zu Angriffen auf Valencia und Barcelona gestartet. Nun wurde Platz für ganz andere Geschwader geschaffen. So genannte Bedarfsfluggesellschaften wie die gerade gegründete Lufttransport-Union (LTU) oder der Deutsche Flugdienst (1961 in Condor umbenannt) legten Charterketten von Deutschland zur Insel.

Sonne gegen Devisen, hieß der Deal. Spanien war immer noch vom verheerenden Bürgerkrieg gezeichnet. 1956 hatten die Menschen erst wieder den Lebensstandard von 1931 erreicht. Wirtschaftswunder-Deutschland dagegen ging es gold. Im Jahr zuvor war der einmillionste VW-Käfer in Wolfsburg vom Band gerollt. Die ersten Gastarbeiter wurden aus Italien angeworben. Freddy stand mit "Heimweh" auf der Hitliste, doch das Publikum war auf Fernweh gepolt. Betuchte gab's, die blätterten dem Wuppertaler Veranstalter Dr. Tigges 420 Mark für eine 15-tägige Mallorca-Reise auf den Tisch, das Bruttogehalt eines Facharbeiters.

Putzfraueninsel? Noch lange nicht

Geflogen wurde mit pummeligen Maschinen wie der britischen Bristol Britannia oder der Vickers Viking. An Bord maximal 36 "Luftreisende". Die Männer im Anzug, die Frauen im Kostüm, Bademäntel auf den Knien. Bademäntel mussten mit, passten aber nicht ins streng limitierte Gepäck. Die Passagiere stiegen in Düsseldorf, Hannover oder Frankfurt ein und erreichten Mallorca nach einer Zwischenlandung in Lyon oder gar nonstop. Pioniere, die man glühend beneidete. "Ich war eine Sensation in der Firma", erinnerte sich Henny Brüning aus Meerbusch, die mit ihrem Mann Rudi die Insel in ihrer frühen Rustikalität erlebte. Anfangs fragten sie sich: "Wo sind wir bloß hingeraten?" Aus den Hotelleitungen rann Salzwasser. Jeden Abend fiel irgendwann der Strom aus.

Aber das Flugerlebnis! "Fensterplätze waren heiß umkämpft", erinnerte sich ein Deutscher-Flugdienst-Kapitän, "denn Sitzplatzreservierungen gab es nicht." Bei einer Reiseflughöhe von 3300 Metern und einer Geschwindigkeit von 390 km/h gab es viel zu sehen. Und zu erleiden: Ohrenschmerzen waren normal. Der Druckausgleich ließ in Rosinenbombern wie der DC 4 zu wünschen übrig.

Früher waren Bikinis verboten

Die Playa de Palma, wo sich heute Bettensilo an Schnitzelstübchen reiht, war damals von einer weiten Dünenlandschaft gesäumt. Eine Strandkirche, ein paar Sommerhäuser reicher Familien aus Palma, eine staubige Straße und drei niedrige Hotels, "Los Angeles", "Biarritz" und "San Francisco". Letzteres wurde wegen seiner Form auch Caja genannt, Schuhkarton. Es gehörte dem Katalanen Juan Riu. Heute besitzen Don Juans Nachfahren mehr als 100 hochwertige Hotels und sind eng verbandelt mit dem Reiseriesen Tui.

Den Entblössungsdrang der Urlauber fürchtete schon der alte Riu. "Dies ist ein Land mit höchster Moral", hatte er auf ein Schild am Hotelstrand schreiben lassen. Auf Deutsch: Bikinis verboten. Wer Zweiteiler trug, hatte sofort die Guardia Civil am Hals. Ein Seil teilte das Wasser in eine Frauen- und eine Männersektion. Kamen die Männer den Frauen zu nahe, pfiffen Francos Sittenwächter.

Und doch war es das Paradies. "Dieses Fleckchen Erde gehört zu den schönsten, die es überhaupt gibt", schrieb der Früh-Tourist Robert Brasillach 1956 in der Tigges-Hauszeitschrift "Die Fahrt" über die Bucht von Alcœdia. Eine Eloge, die nach wie vor trägt. Gewiss, fast neun Millionen Gäste überrollten das Fleckchen voriges Jahr. Sicher, heute landen die Maschinen aus Berlin, Paderborn, Milano, Birmingham oder Moskau im Halbminutentakt. An einem Julitag 2005 wurde auf den 69 Flugsteigen von Son Sant Juan der unfassbare Schwarm von 152 000 Passagieren abgefertigt. Klar, es gibt Urlauberghettos, die, nach einem Wort des britischen Autors AA Gill, "mit einem Lächeln auf den Lippen nur durchfährt, wer am Steuer einer Abrissbirne sitzt". Cala Millor, Palma Nova, Magalluf oder Ca'n Picafort wären Kandidaten.

15 000 Baustellen soll es derzeit auf den Balearen geben. Neue Straßen, Umgehungen, Gewerbegebiete: Vor allem die Mallorquiner buddeln und planieren, als hätten sie noch eine Zwillingsinsel in petto. Auf der Insel, meldet die "Mallorca Zeitung", wird der Zement knapp. Kunststück: Alle paar Kilometer entstehen landschaftsverzehrende Verkehrskreisel, in deren Mitte ein Stück Schrott vor sich hin rostet, das Kunst am Bau sein möchte. Mit seinem Bett aus runden weißen Steinen wirkt der Kreisel bei Alcœdia wie ein gigantisches Katzenklo. Im Promi-Hafen Port d'Andratx, wo sich die Wellen der Geldgier überschlagen, kriechen Urbanisationen die umliegenden Berghänge hoch. "Sieht aus wie die Favelas von Rio", höhnt der Mallorca-Resident Alfred Brée aus Portocolom.

Nur 20 Prozent der Insel sind bebaut

Halt! Punkt. Mal sachte. Fakt ist auch: Unterm Strich sind nur 20 Prozent der Insel bebaut. Die meisten Landschaften haben ihr Flair bewahrt. Die Halbinseln von Alcœdia und Formentor, die Steilküsten im Norden, die windradgesprenkelte Agrarebene in der Inselmitte, die zikadenumzirpten Olivenbaum-Plantagen auf roten Böden, die Orangenhaine von Sóller. Magische Momente, wenn man entlang der C 714 von Santany' nach Ca's Concos wandert. Feldsteinscheunen, Mandelbäume mit Hühnern darunter, ein staubiger R 4, der über Seitenwege schaukelt. Mallorca, du bist unkaputtbar.

Wer die wilde Serpentinenstraße von Peguera ins Vorzeigedorf Deià abgefahren ist, großartige Blicke aufs stahlblaue Mare Nostrum genießend, hat die heißeste Strecke noch vor sich. Nämlich die Korkenzieherpiste vom Kartausen-Dorf Valldemossa (berühmt geworden als das ungeliebte Winterquartier von George Sand und Frédéric Chopin) hinab zu einem Häfchen. Was für Perspektiven. Wer die Welt kannte, stand immer auf Mallorca. Lange vor den Bohlens, Christiansens, Schiffers und Beckers hatten ja ganz andere Charaktere der Insel ihre Aufwartung gemacht. Hochkaräter wie Errol Flynn, Charlie Chaplin, Onassis, Grace Kelly und Fürst Rainier.

Das mit der Putzfraueninsel kam so: 1962 drängten Großversandhäuser mit geballter Marktmacht ins Reisegeschäft - zuerst Quelle, dann Neckermann. Ihre Knüller: zwei Wochen Mallorca mit Vollpension ab 250 Mark. Möglich war das, weil die Versender das Teutonen-Grillgut massenhaft umschlugen und die lokalen Hoteliers brutal im Preis drückten. Auch die Charterflüge waren billiger geworden.

Der Schmäh mit der Putzfraueninsel war natürlich blanker Sozialneid - von oben. Und dumm dazu, politisch von oben betrachtet. Der verachtete Proletentourismus imprägnierte ja den "kleinen Mann" gegen sozialistische Parolen. Ein Witz, dass das ZK der SED im Mai 1956 erklärte, im Falle einer Wiedervereinigung müssten die "sozialen Errungenschaften der DDR erhalten bleiben". Welche Errungenschaften? Was die Ostdeutschen mit bitterem Staunen erfuhren, war dies: West-Putzen waren in der Lage, aus der Hölle des Kapitalismus mal eben auf eine Trauminsel zu fliegen. Mallorca war, wie der VW-Käfer und das Eigenheim, der Triumph der Marktwirtschaft. Das kollektive kleine Urlaubsglück für alle (West-)Deutschen, ja, die Vergesellschaftung des Lustreisens überhaupt - nicht Marx und Engels hatten das möglich gemacht, sondern Neckermann und Quelle. Der D-Mark-Patriotismus der Deutschen entstand auch an der Playa de Palma, wo sie für fünf Peseten (1960 ungefähr 25 Pfennig) vier Finger hohe Brandys ausschenkten.

Heute zahlt man für zwei belanglose Vorspeisen, eine Nachspeise, Wasser und etwas Wein 80 Euro, wenn man sich ins "Colón" am Hafen von Portocolom setzt. Hier trifft sich die deutsche Szene vom so genannten Hamburger Hügel. Segler, Golfer, Makler, Anwälte, reiche alkoholkranke Arbeitslose (Credo: "Betrachten Sie mich als Parasiten der arbeitenden Klasse"), geparkte Ehefrauen, junge Wiesel mit Gelfrisur, bei denen keiner so recht weiß, ob sie hinter den Ehefrauen oder hinter einem Dummen her sind, der ein faules Grundstück kauft.

Erfinder des Begriffs Hamburger Hügel ist der frühere Fotograf und Journalist Rainer Fichel, der seit neun Jahren in Ca's Concos das florierende Lokal "Viena" führt, gerühmt für seine Riesenschnitzel. Es ist die Kantine vieler Finca-Besitzer. Geschichten, die er da hört, ähneln sich oft bis in die Details. "Im ersten Jahr ist glückliches Baustellenleben angesagt. Leuchtende Augen! Dann Einweihung, großes Fest, alle Nachbarn kommen. Zu den folgenden Festen kommen immer weniger. Nach drei Jahren wollen die Kinder auch nicht mehr auf eine einsame Finca. Endstation Verkauf. So werden die Makler nie arbeitslos." Immobilienhaie und kleine Fische haben sich mittlerweile in jedem Weiler eingenistet.

"Überfremdung" und "Ausverkauf" sind Dauerreizthemen auf Mallorca. Eine nationalistische Minderheit macht damit Stimmung. Krawallschreiber wie der Kolumnist Mat'as Vales vergleichen den Tourismus mit einer Neutronenbombe: "Die Landschaft bleibt unversehrt, die einheimische Bevölkerung existiert nicht mehr." Eine "schizophrene Einstellung zum Tourismus" attestiert dagegen sein Kollege Juan Luis Ruiz Collado den Insulanern: "Sie hassen und sie lieben ihn, weil sie gut davon leben." Das von Einheimischen und deutschen Einheimischenverstehern gesungene Lamento, zu viel Land sei in fremden Händen, hält er für absurd: "Sie vergessen dabei, dass die mallorquinischen Besitzer ihre Fincas freiwillig verkauften." Ja, manche glauben ernsthaft, man könnte den Kuchen essen und zugleich behalten.

Mallorca als 17. Bundesland

Mitunter sind sie sehr empfindsam, unsere Lieblings-Gastgeber. Die scherzhafte Forderung eines deutschen B-Politikers, Mallorca zum 17. Bundesland zu machen, erregte die Gemüter seinerzeit maßlos. Und als der "Wurstkönig" Horst Richard Abel 1998 eine Partei für die Interessen der Inseldeutschen gründen wollte - bei rund 50 000 Dauerbewohnern, sechs Prozent der Gesamtbevölkerung, keine zu abseitige Idee -, kriegte er Morddrohungen. Peter Maffay, der öffentlich seinen Frust über den Autobahnbau auf der Insel rausließ, konnte prompt in den Lokalblättern lesen, er möge sich bitte in seine "alte Heimat" zurückscheren, wenn ihm das moderne Mallorca nicht gefalle: "Rumänien soll ja noch recht rustikal sein."

"Manchmal hab ich keinen Bock mehr zuzusehen, wie diese Insel leidet", sagt Maffay. "Wofür, verdammt, brauchen sie all die Straßen? Da wird wertvoller Boden betoniert. Nicht einer von den Mallorquinern, die ich kenne, will das." Er kann sich ereifern, der gute Mensch von Pollença.

Doch dann denkt er an die Freunde, die er hier kennen gelernt hat. An das Bogenschießen auf der Finca, das er so liebt. An sein Kinderprojekt. An die kleine Kirche, die er mit Freund Miguel aus altem Steinmaterial baut. Plötzlich ist alles vergessen. Die Insel so traumhaft, wie sie stets war. "Neulich hat meine Frau gesagt: Trotz alledem, Herr Makkay, wir gehen hier nicht fort. Und ich hab gesagt, ja. Recht hast du."

Inselzeiten - Für alle Fälle:

Januar:

für Masochisten auf den Spuren von George Sand und Frédéric Chopin. Manchmal schneit es in den Bergen. Rheumadecke nicht vergessen!

Februar bis April:

Einzelreisende, Pärchen, Wanderer, Mandelblüte-Fans. Radsportler (bis Mai).

Mai/Juni:

Familien mit kleinen Kindern. "Ballermann"-Besucher. Ostern tanzt der Stier (viele Kurzurlauber aus Festland-Spanien).

Juli/August:

Alle fahren jetzt nach Malle. Vor allem Familien. Aus ganz Europa. Halli-galli ohne Ende. Für manche der ultimative Sommerspaß. Für andere die Hölle.

September:

Der Mallorca-Kenner-Monat. Das Meer noch warm, die Preise abgekühlt.

Oktober/November:

Jetzt wird's eng am "Ballermann" (Kegelklub-Saison).

Dezember:

Lassen Sie die Insulaner wenigstens diese vier Wochen in Ruhe.

Bitte!

print

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Was tun gegen ständige Lärmbelästigung in der Straße durch Lokal
Hallo, was kann man dagegen unternehmen wenn jedes Wochenende eine große Afterwork Studenten Party in dem Tanzlokal nebenan stattfindet. Es findet jedes mal eine massive Ruhestörung vor. Es geht meistens von 23:00 bis 03:00 Morgens. Unsere Lebensqualität ist momentan arg eingeschränkt. Wir wussten schon als wir hierher gezogen sind das es ab und zu etwas lauter sein kann. Aber das es jetzt solche extremen Ausmaße nimmt konnten wir nicht ahnen. Bei der Polizei ist dieses Party/Lokal wegen Ruhestörung bekannt. Nur leider unternimmt niemand etwas dagegen. Wir wohnen jetzt 5 Jahre in der Wohnung neben dem Lokal. Aber wir sind jetzt am überlegen deshalb nächstes Jahr wenn es finanziell möglich ist umzuziehen. Was kann man solange tun? Fenster im Sommer geschlossen halten ist unzumutbar. Beschweren beim Lokal Besitzer sowie bei der örtlichen Stadt die sowas genehmigt bringt auch nichts. Wenn es heißt war um wir dort hin gezogen sind, leider ist Heilbronn momentan eine reine Studentenstadt , das heißt als wir hierher gezogen sind waren damals nicht viele für uns preiswerte Wohnungen verfügbar, außerdem wurden damals schon sehr viele Wohnung nur an Studenten vermietet. Das heißt , uns ist nichts anderes übrig geblieben die günstigste Wohnung zu nehmen. Wie oben beschrieben hatten wir kein Problem damit das ab und an eine Veranstaltung stattfindet. Nur , es findet jetzt jedes Wochenende etwas sehr lautstarkes statt.
Ionisiertes Wasser oder Osmosewasser ?
Klar
Liebe Sternchen Community. Vor kurzem war ich bei einem Arzt und er hatte Azidose bzw. eine latente Übersäuerung festgestellt. Daraufhin habe ich viel recherchiert und einige Bücher gelesen. Erst bin ich auf die basische Ernährung gestoßen, die sehr effektiv sein soll, allerdings auch schwierig immer im Alltag zu praktizieren ist. Dann habe ich zufällig einen guten Bericht über ionisiertes Wasser bzw. basisches Wasser gefunden und mir auch ein Buch gekauft, "trink dich basisch" und "jungbrunnenwasser" da wird sehr positiv davon gesprochen. Insbesondere soll es auch das stärkste Antioxidanz sein mit Wasserstoff. Außerdem soll es den Körper basischer und Wiederstandsfähiger machen. Darmmileu und Blutmileu werden günstig beinflusst, heißt es. Sogar Haarausfall soll verhindert werden, weil die Hauptursache davon ist wohl Mineralienmangel, wegen Übersäuerung (pH Wert im Blut und Körper), weniger wegen der Genetik. Und noch einige weitere Vorteile hat es wohl, wie Obst und Gemüse wieder zu erfrischen. Und der Kaffee und Tee schmeckt wohl besser. Und noch einiges mehr.. Stimmt das? Allerdings habe ich "ionisiertes Wasser" gegoogled und bin auf einige Berichte gestoßen, die negativ davon sprechen. Meistens scheinen es Umkehrosmose Wasser Verkäufer zu sein, die so schlecht davon schreiben. Ich habe mal gehört Umkehrosmosewasser ist schädlich, weil es die Osteoporose verstärkt. Einige nennen es auch Osteoporosewasser, weil es wie destilliertes Wasser keine Mineralien mehr hat und deshalb Mineralien aus dem Körper zieht. Also ist es bestimmt nicht gut Osmosewasser zu trinken. Ich würde gerne mal ionisiertes Wasser probieren. Naja, aber hat jetzt jemand echte Erfahrung damit gemacht? Hat wer so einen "Wasserionisierer" zu Hause? Welches Wasser trinkt Ihr? Würde mich interessieren, weil die schon recht teuer sind. Aber vielleicht kaufe ich mir einen mit Ratenzahlung, wenn ich mir sicher bin. Im Moment braucht es etwas Aufklärung... Bitte nur seriöse Kommentare. Liebe Grüße KLAR

Partner-Tools