Die Schiffe der Reederei Silversea Cruises sind kleiner und feiner als die anderen Kreuzfahrtgiganten, die im Sommer die Ostsee befahren. stern.de Autor Harald Kother hat das gehobene All-inclusive-Konzept ausprobiert. Von Harald Kother

Kein Schiff für den Massentransport: Die 156 Meter lange "Silver Wind" hat Platz für nur knapp 300 Passagiere© Silversea Cruises
Schon die Reiseunterlagen sind vielversprechend: In einer silberfarbenen Schatulle aus festem Glanzkarton steckt ein opulentes Futteral mit den Tickets und Gepäckanhängern. Spätestens jetzt wird klar: Silversea Cruises legt großen Wert darauf, sich von "gewöhnlichen" Reiseunternehmen abzuheben.
Dieser Eindruck bestätigt sich an Bord: Kabinen gibt es keine, sondern nur Suiten, die meisten davon mit privater Teakveranda. Vor der Chaiselongue steht eine Flasche Champagner bereit. Keine Frage: Der Pommery ist hier all inclusive - so wie alle Speisen und Getränke und natürlich auch Zimmerservice und die Minibar.
Ich lasse die Champagner-Flasche links liegen und erkunde das Schiff. Auf dem Sonnendeck sitzen drei Amerikaner im Whirlpool im Alter von 18 bis 40 Jahre. Alle drei haben auffällig lässig ihren linken Arm auf die Brüstung gelegt. Nicht zu übersehen: die teuren Armbanduhren. Selbst als der Kellner den Getränke-Nachschub bringt, unterbrechen sie ihr Uhren-Posing nicht.
Der Älteste schmettert ein launiges "How you doin'? (Wie geht's)?" entgegen. Dann folgt die Frage, die ich mir bei jeder zweiten Begegnung an Bord werde anhören müssen. "Das erste Mal mit Silversea?" Irgendwie scheint man mir anzusehen, dass ich ein Grünschnabel in punkto Luxuskreuzfahrten bin. "Wir sind zum achten Mal an Bord", kontern sie, ohne meine Antwort abzuwarten.
Am nächsten Morgen, das Schiff liegt im Hafenbecken von Rønne, der Hauptstadt Bornholms, spritzt Nieselregen gegen die Teakveranda. Ich gehe trotzdem an Deck und treffe Dominic aus Fort Lauderdale in Florida. Die Baseballkappe tief ins Gesicht gezogen erzählt er, wie er in der Bronx aufwuchs, sich über die Army hocharbeitete und jetzt das Leben an Bord von Luxuslinern genießt. Der knapp 60-Jährige ist Kreuzfahrt-Profi und hat so seine Erfahrungen gemacht: "Bei den meisten Kreuzfahrten packt man Sie an den Füßen, dreht Sie einmal um, schüttelt kräftig und schaut dann, wie viel Geld aus Ihren Taschen herauskommt! Das ist hier an Bord anders." Denn selbst die Trinkgelder sind hier im Reisepreis inbegriffen.
Während der sympathische Amerikaner mit Horror-Geschichten von anderen Schiffen bessere Werbung für die Silversea-Flotte macht, als es selbst der ausgebuffteste Marketing-Stratege je könnte, beobachte ich, wie ein Pickup drei Schalen Himbeeren anliefert.