Den Kampf um den Liegestuhl gewinnen

Wer auf den Kampf um die Liegestühle verzichten will, sollte sich seine eigene Finca mieten. Doch die sind teuer. Die perfekte und preiswerte Alternative ist Urlaub im Fincahotel.

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Ein Platz an der Sonne: der Innenhof der Finca von Miguel Monserrat

Grauer Beton wohin das Auge reicht. Sechsstöckige Häuser stehen in Reih und Glied und verwandeln die kleinen Gassen s'Arenals in einen hässlichen Block. Die Bucht und das Meer sind von der Straße nicht zu erkennen. Nur ein Blumenkübel sorgt für ein Stückchen Natur. Gäbe es den Begriff Bettenburg nicht, er müsste erfunden werden. Nur die Schilder über den Eingängen verraten, dass es sich nicht um Bürosilos, sondern um Hotels handelt.

20 Kilometer entfernt weiden Schafe auf einer großen Wiese. Ein Hahn dreht im Innenhof einer Finca seine Runden. Der Duft von Pinienbäumen hängt in der Luft. Ohne die kleinen grünen Hinweisschilder am Straßenrand würde auch hier kein Besucher auf die Idee kommen, dass es sich um ein Hotel handelt. In dem kleinen Bauernhof können Mallorcabesucher die Insel in aller Ruhe genießen. Und das nur 20 Kilometer von der deutschen Partyhochburg und den Hotels um s'Arenal entfernt.

Fincahotels sind bezahlbar und trotzdem idyllisch

Viele Balearen-Urlauber möchten nicht in seelenlosen Großhotels untergebracht werden und buchen ihre Unterkunft auf eigene Faust. Bei Individualtouristen sehr beliebt sind Ferien-Fincas. Die spanischen Häuser bieten die Traumkulisse für einen perfekten Mallorca-Urlaub, haben jedoch zwei Haken: Erstens, sie können meist nur für eine ganze Woche gebucht werden. Zweitens, sie sind erheblich teurer als ein normales Hotelzimmer. Eine perfekte Alternative zu teuren Fincas und trostlosen Hotels sind Fincahotels.

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Hängt an seinen Schafen, obwohl mit ihnen nichts mehr zu verdienen ist: Miguel Monserrat

Wie das "Son Pjeras" von Miguel Monserrat: Dort übernimmt am Morgen Hahn Pavarotti den Weckruf. Der Hausherr selbst ist schon seit 6 Uhr wach, hat bereits seine 50 Schafe auf eine andere Weide getrieben, die Hühner und den Hund versorgt, die Palmen und Kräuter im Innenhof gewässert und gönnt sich auf der kleinen Sonnenterrasse vor dem Haus seine erste Zigarettenpause. Nicht vom Sonnenbaden, sondern von der Arbeit unter freiem Himmel ist sein Gesicht dunkel gebräunt. Miguels Arbeitswoche hat sieben Tage - ohne Pause. Und das, obwohl der 43-Jähige, der auf der Abendschule in Palma Deutsch gelernt hat, die Landwirtschaft nur noch aus Tradition weiter betreibt.

Tourismus bringt mehr Einnahmen als die Landwirtschaft

Miguel hat den alten Bauernhof seiner Familie zum Fincahotel umgebaut. Mit nur fünf Doppelzimmern verdient er mittlerweile besser, als mit der Landwirtschaft des 34 Hektar großen Anwesens. Allein seine Schafe scheren zu lassen, kostet den Neu-Hotelier mehr, als er mit dem Verkauf der Wolle verdienen kann. Mit den Mandel- und Feigenbäumen ist ebenfalls nur noch wenig Geld zu machen. Da kam ihm vor zehn Jahren die Idee zum Umbau in ein Hotel wie gerufen. Miguel war einer der Vorreiter im sogenannten "Agroturismo" auf Mallorca, was übersetzt nichts anderes bedeutet, als "Ferien auf dem Bauernhof". Inzwischen sind hunderte alte Bauernhäuser mit den typischen unverputzten Natursteinwänden und den Terrakottaziegeln in kleine Landgasthäuser umgebaut worden und bieten Individualtouristen charmante Alternativen zu den großen Hotels an den Stränden.

Während Miguel seine Zigarette genießt, erzählt er, dass im Frühstücksraum gerade "actividad intensa" herrsche - "Hochbetrieb", wie er in perfektem Deutsch hinzufügt. Er meint das als Scherz, denn unter der hölzernen Decke des einstigen Wohnzimmers haben gerade mal fünf Tische Platz. Vor dem alten Kamin sitzen Jakob und Heike, die sich für eine Woche in Zimmer drei im Obergeschoss eingemietet haben, genießen das kleine Frühstückbuffet und schmieden Pläne für den Tag. Mit dem Fahrrad wollen sie an die zwanzig Kilometer entfernte Badebucht Cala Pi radeln, am Nachmittag eine kleine Shoppingtour nach Palma unternehmen. Dem Paar aus der Nähe von Köln macht es nichts aus, seine "Bespaßung", wie sie es nennen, im Urlaub selbst zu organisieren.

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